Eine Welt ohne Religion und Glaube?

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  • Hallöchen.


    Ich hab mich auf den letzten paar Seiten umgesehen und die Suche mit den Stichworten 'keine Götter' bemüht, fand dabei aber nichts. Darum will ich nun hier mal auf das Thema ansprechen. :)


    Kommt eine Welt ohne Götterglaube aus?


    Für meine Welt habe ich ein Pantheon ausgearbeitet, das dem griechischen sehr ähnelt. Mit Gottvater, Gottmutter, liebreizenden halbgöttlichen Töchtern, verstoßenen Söhnen, Intrigen usw. Dazu herrscht in einem anderen Teil meiner Welt eine kirchliche Organisation vor, die einzig und allein einen einzigen Glauben als den Wahren anerkennt und dabei mit aller Brutalität gegen Andersgläubige vorgeht. Daraus ergeben sich dann eben zahllose Motivationen und Hintergrundgeschichten für meine Charaktere, was so schlecht ja gar nicht ist. Mittlerweile tendiere ich aber dazu, den Glauben völlig zu streichen und eine Welt zu erschaffen, deren Bewohner nicht von religiösem Eifer angetrieben werden.


    Was würde diese Änderung de facto bedeuten? Untote würden nicht länger einen Erzfeind in der Kirche haben. Der Tod wird nicht länger von 'denen da oben' geregelt sondern müsste rein wissenschaftlich ausgelegt werden. Zahllose Magier, die es natürlich nach wie vor auf meiner Welt geben soll, könnten dazu neigen, gottgleichen Status zu erreichen, da kein Gott sie in ihrer Machtgier mehr bremsen kann.


    Ist der Glaube also von bedeutender Wichtigkeit in einer Fantasywelt?



    liebe Grüße,
    Quabbe

  • Die Frage ist doch eher, welche Rolle Religion in der Gesellschaft der Menschen einnimmt. (Und ob das Thema nicht eher in das Theorieboard gehört 8) ) Ich selbst halte den Glauben für eine menschliche Eigenschaft, die man nicht "entfernen" kann. Daraus ergibt sich unweigerlich eine Tendenz, eine organisierte Religion zu schaffen. Götter müssen dabei keine Rolle spielen, was ja z. B. der Buddhismus zeigt. Überhaupt kann Religion sehr unterschiedlich geartet sein, weshalb ich selbst auch nicht gerne auf das Christentum für meine Welt zurück greife. Wenn man überhaupt irgendwelche Grenzen ziehen kann, dann könnte man vielleicht zwischen Geisterreligionen, Götterreligionen (ich schmeiß jetzt einfach mal mono und poly zusammen) und Geistesreligionen (damit meine ich Religionen wie den oben erwähnten Buddhismus) unterscheiden. Aber selbst diese Unterteilung ist schwer haltbar, da sie ineinander sehr vielschichtig sind und sogar im Buddhismus Götter existieren, auch wenn sie eigentlich völlig bedeutungslos sind.


    Und was die Fantasy-Welt angeht, so würde ich genau das sagen, was ich schon allgemein gesagt habe, wenn Menschen die Welt bevölkern, kann es IMHO keine religionslose Welt sein. Natürlich kannst du andere Wesen schaffen, bei denen du sagst, sie haben einfach keinen Glauben. Dann musst du dir aber auch wirklich gute Gedanken machen, was das für Auswirkungen hat.

  • Eine Welt ganz ohne Religionen wäre interessant zu entwickeln, v.a. wenn sie von kulturschaffenden, höheren Spezies bewohnt wird. Umso mehr, wenn es sich um verschiedene Spezies handelt. Das Interessante wäre wohl, warum Wesen höheren Denkens, mit Kreativität und all dem Kram, mit dem wir uns täglich rumärgern, nicht zumindest teilweise eine organisierte Spiritualität entwickeln.

    "Ist nur ein Messer im Latissimum dorsi. Geht ihm gut. Sag ihm ein paar aufmunternde Worte. Sag ihm, er soll ihr den Kopf abhacken."

  • Ich denke, dass Menschen einfach immer beginnen, "warum?" zu fragen und nach Erklärungen zu suchen. Außerdem werden sich wohl die meisten die Frage stellen, ob es hinter dem Beweisbaren und Sichtbaren noch etwas anderes gibt.
    Dadurch entstehen dann vermutlich Religionen - sie sollen Sachen erklären, die sich sonst nicht erklären lassen und einen gewissen Halt geben.


    In einer Welt, die wissenschaftlich und technisch sehr weit fortgeschritten ist, werden vermutlich auf diese Weise sehr viele Fragen beantwortet, aber in einer antiken oder mittelalterlichen Fantasywelt kann ich mir kaum vorstellen, dass es keine Religionen gibt.
    Aber eine interessante Idee wäre es auf alle Fälle, nur müssten das dann (wie ja bereits gesagt wurde) sehr anders denkende Menschen oder eben ganz andere Wesen sein.


    EDIT: *nach unten deut* Irgendwie hat Shay genau das, was ich eigentlich sagen wollte, viel verständlicher ausgedrückt. ;D

  • Eine Welt ohne Religion kann ich mir nur in zwei Weisen vorstellen


    - entweder, das sind Leute, die nichts hinterfragen. Das wären dann a) keine Menschen, wie wir sie kennen und b) sähe es dann wohl mit dem Fortschritt auf dieser Welt recht schlecht vestellt aus
    - oder, es sind Leute, die keinen Glauben entwickeln müssen, weil sie schon genügend Wissen haben. Wer weiß, glaubt nicht. Eine Welt, in der es keine offenen Fragen gibt... Hm, also auch nicht sowas wie "warum ist ausgerechnet mein Partner bei einem Unfall ums Leben gekommen". Fällt mir schwer, mir das vorzustellen, aber vielleicht gibt es auf dieser Welt ja keinen Zufall.


    Vielleicht sind die Leute auch unsterblich... Ich denke, die Angst vor dem Tod und die Frage, was dann kommt, ist eine der großen Triebfedern für menschliche Religiosität.
    Was den zweiten oben genannten Fall angeht, da kenne ich ein Beispiel, das in die Richtung geht. Das sind Tolkiens Elben. Die wissen nämlich, daß es die Götter gibt (Galadriel hat sie sogar noch persönlich gesehen) und beten sie deswegen nicht an. Das ist so ähnlich, wie man einen König eben verehrt, aber nicht anbetet.

  • Den zweiten Punkt finde ich interessant, da dabei durchaus Götter existieren können ... es ist dann eben die Frage, wie sich "Religion" definiert.


    Wenn der christliche Gott nun nicht unsichtbar und übernatürlich wäre, sondern ein übermächtiges Wesen in unserer dreidimensionalen Welt, das man anfassen könnte (wodurch man natürlich zu Staub zerfallen würde) - ist die Verehrung dieses realen Wesens dann trotzdem noch "Religion"?

  • Ich denke schon, denn es würde sich trotz seines beweisbaren Vorhandenseins ja um ein absolut omnipotentes, ALLES regelndes Etwas handeln. Nur den Atheismus, wie er jetzt existiert, gäbs wohl dann zwangsläufig nicht mehr *g*

    "Ist nur ein Messer im Latissimum dorsi. Geht ihm gut. Sag ihm ein paar aufmunternde Worte. Sag ihm, er soll ihr den Kopf abhacken."

  • Phaino ist ja sozusagen eine religionslose Welt. Allerdings wurde früher an Götter geglaubt, und einige Leute tun das auch noch. Es gilt aber nicht als "in".
    Die Leute aus Phaino sind sehr fortschrittsgläubig. Anstelle von Göttern haben sie verschiedene Philosophenschulen. Philosophie kann gewiss als Religionsersatz dienen.


    Ich denke, dass Glaube oder nicht auch eine Art Modeerscheinung ist bzw. dass sich die Leute mit dem Strom schwimmen. Zumindest viele, und ich glaube auch nicht, dass das in einer anderen Welt anders ist. Wer wäre bzw. im Mittelalter auf die Idee gekommen, nicht an Gott zu glauben? Und wenn heute die Clique Glauben "out" findet, welcher Teenie bekennt sich schon dazu, an Gott zu glauben?

  • Eine Welt absolut ohne Glauben kann ich mir kaum vorstellen, wenn denn zu den intelligenten Lebensformen Menschen zählen sollen. Auch wenn die Mehrheit nicht religiös ist, werden, denke ich, zumindest einzelne Individuen eine Religiösität entwickeln.


    Eine weitgehende Religionslosigkeit kann ich mir abseits der beiden von Shay genannten Extremen (nichts hinterfragende oder allwissende Wesen) bei einer streng wissenschaftlich und rationalistisch denkenden Gesellschaft mit einem ausgeprägten Agnostizismus vorstellen; wenn also die Mehrheit der dieser Gesellschaft Zugehörigen glaubt, dass die Existenz bzw. Nichtexistenz eines Gottes/Weltsinnes/etc. unbekannt ist. Angesichts dessen ist die Ausübung irgendeiner gegebenen Religion unsinnig, wird sie letzten Endes doch sehr wahrscheinlich dem möglichen echten Gott, so es den denn überhaupt gibt, keinesfalls gerecht.
    Anstatt den Glauben an Gott tritt eine Suche nach dessen Existenz bzw. Nichtexistenz, was meines Erachtens nicht mehr wirklich als Religiösität bezeichnet werden kann. Womöglich gibt es sogar keinerlei Suche - wenn die Gesellschaft befindet, dass die Existenz bzw. Nicht-Existenz Gottes absolut unklärbar ist oder wenn die Gottesfrage von ihr als schlicht irrelevant eingestuft wird.


    Gut, man kann sich die Frage stellen, ob es eine streng wissenschaftliche und rationalistische Gesellschaft überhaupt geben kann. Zumindest bezüglich Menschen kann man das natürlich in Zweifel ziehen, aber irgendeine andere Spezies wäre schon denkbar.

  • Bei normalen Menschen kann ich es mir auch schwer vorstellen. Vorstellbar für mich wäre es, wenn die betreffende Spezies bereits eine extreme Überlegenheit in ihrer Umwelt besitzt. Ob es sich dabei um gewaltige physische Kräfte/Unangreifbarkeit etc. handelt oder (Auch bei Menschen möglich) ein massives magisches/psionisches Potential, sei mal dahingestellt. Ich kann mir vorstellen daß, wenn andere Aspekte der Mentalität stimmen, das zu eigenen Allmachtsgedanken führen kann, in der ein noch höheres Wesen wenig Platz hat.

    "Ist nur ein Messer im Latissimum dorsi. Geht ihm gut. Sag ihm ein paar aufmunternde Worte. Sag ihm, er soll ihr den Kopf abhacken."

  • Religion und Glaube muß nicht zwangsläufig etwas mit Gottheiten zu tun haben. Der Begriff "Glaube" impliziert ja, daß an etwas geglaubt wird, also an etwas, das sich empirisch nicht beweisen lässt, und das seine Existenzberechtigung alleine aus dem Glauben zieht.
    Wenn es nun also dieses Etwas tatsächlich gibt (wie es in vielen Fantasywelten ja tatsächlich wirkende Götter gibt), woran andere nur glauben können, dann ist das Verhältnis zwischen Gottheit und "Untergebenen" auf eine ganz andere Basis gestellt.
    Aber dies auszudiskutieren, verdient sicherlich einen eigenen Thread ;)

  • Quote

    Eine weitgehende Religionslosigkeit kann ich mir abseits der beiden von Shay genannten Extremen (nichts hinterfragende oder allwissende Wesen) bei einer streng wissenschaftlich und rationalistisch denkenden Gesellschaft mit einem ausgeprägten Agnostizismus vorstellen; wenn also die Mehrheit der dieser Gesellschaft Zugehörigen glaubt, dass die Existenz bzw. Nichtexistenz eines Gottes/Weltsinnes/etc. unbekannt ist.


    So eine Gesellschaft kann ich mir schon vorstellen. Ich kann mir nur nicht vorstellen, wie es zu so einer Gesellschaft kommen kann, ohne daß zuvor das Stadium der Religion durchlaufen wird. Hochentwickelte Wissernschaft und Philosophie entstehen ja nicht von heute auf morgen... Es sei denn natürlich, man hat eine Welt, in der irgendwelche Götter ein bereits perfekt entwickeltes Volk einfach so reinpflanzen. Dann kann man aber in meinen Augen sowieso komplett auf ISSO umsteigen.

  • Quote

    Original von Shay
    So eine Gesellschaft kann ich mir schon vorstellen. Ich kann mir nur nicht vorstellen, wie es zu so einer Gesellschaft kommen kann, ohne daß zuvor das Stadium der Religion durchlaufen wird. Hochentwickelte Wissernschaft und Philosophie entstehen ja nicht von heute auf morgen... Es sei denn natürlich, man hat eine Welt, in der irgendwelche Götter ein bereits perfekt entwickeltes Volk einfach so reinpflanzen.


    Ein Religionsloses Volk, das extra von Goettern geschaffen wurde? Muessen ja relativ selbstironische Goetter sein ;D

    Roald Dahl, Revolting Rhymes, Little Red Riding Hood and the Wolf:
    The small girl smiles. One eyelid flickers. / She whips a pistol from her knickers. / She aims it at the creature's head / And bang bang bang, she shoots him dead.
    A few weeks later, in the wood, / I came across Miss Riding Hood. / But what a change! No cloak of red, / No silly hood upon her head.
    She said, "Hello, and do please note / My lovely furry wolfskin coat."

  • Es könnte ja auch durchaus sein, dass die Götter damit klar kommen, nicht verehrt zu werden, und das von ihrem Volk auch nicht erwarten. :)

  • Gomeck: Du bist ja nur neidisch. ;D


    He.. die Frage verlangt nach einer klaren Antwort, sie war ja auch als eine mit Ja oder Nein zu beantwortende gestellt und nicht als offene Frage. Aber wenn das jeder anders interpretiert, kann doch ich nix dafür...


    Aber gut, dann will ich das halt doch noch argumentieren, aber das ist alles andere als leicht, noch geradlinig, und ich hoffe, ihr habts alle Philosophie studiert... *fg* es eröffnen sich nämlich einige Probleme, wenn man vom neuzeitlich-nominalistischen Standpunkt abweicht, den Kant zementiert hat, und sich wieder mal ein wenig bei Platon umschaut. Kant ist nämlich bei weitem nicht so fehlerlos, wie er gern hingestellt wird. Ok, das lassen wir mal fallen. Warum halte ich eine Welt ohne Götterglaube für möglich? Weil es auch auf unserer Welt bewiesen wurde, zum Beispiel ist der Buddhismus ein Glaube ohne Gott-Figur, Buddha darf dabei nicht mit einem Gott verwechselt werden, sondern ist lediglich Religionsgründer. Es liegt natürlich einiges Übernatürliches in dem Glauben, aber keine Gott-Vorstellung, wie sie der Westen kennt. Eine andere gedankliche Grundlage ist der Konstruktivismus, der einen radikalen Subjetivismus postuliert, so dass es Hauptsächlich in der Konstruktion der Umwelt durch das Individuum zu verorten ist, wie die Umwelt wahrgenommen wird. Und wenn man einen Gott sehen will, sieht man einen Gott, wenn nicht, dann nicht. Man könnte das auch als einen Grund sehen, warum die philosophischen Gottesbeweise (Im Überfliegen hab ich da mal schnell die eine oder andere Ungenauigkeit entdeckt, aber das ist nicht wichtig für das Thema) nicht schlüssig sind. Nachdem Gott durch den menschlichen Wahrnehmungsapparat nicht erkennbar ist (nur der Teil, der Sinneseindrücke aufnimmt und an das Gehirn, zum Teil schon in ersten Punkten verarbeitet, weiterleitet) ist Gott eine, wahrscheinlich soziale, Konstruktion des Menschen zu gewissen Zwecken. Die Zwecke dienen meistens der Erklärung des eigenen Daseins bzw zuerst der Erklärung der eigenen feindlichen Umgebung, aber da fehlen mir wirklich aktuelle Theorien zu dem Thema. Wenn die Erklärung von natürlichen Phänomenen von vornherein ohne das Projizieren auf eine externe Ursache (= Gott) erfolgt und man das "In die Welt geworfen sein", wie es Heidegger so nett formuliert, des Mensche (oder welcher Rasse auch immer) akzeptiert, dann warum ein Gottglaube, der dann jeglicher Fundierung verlustigt geht?

  • Ok, eine Welt ohne expliziten Götterglaube kann ich mir auch ohne größere Probleme vorstellen. Ganz ohne Glaube, eher nein.


    Quote

    Wenn die Erklärung von natürlichen Phänomenen von vornherein ohne das Projizieren auf eine externe Ursache (= Gott) erfolgt und man das "In die Welt geworfen sein", wie es Heidegger so nett formuliert, des Mensche (oder welcher Rasse auch immer) akzeptiert, dann warum ein Gottglaube, der dann jeglicher Fundierung verlustigt geht?


    Das kann man schon so sehen, nur ist das - zumindest für Menschen, wie wir sie kennen - ein verdammt großes "Wenn".

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