[Roreâz] Ein Märchen

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  • Der Schrei des Mädchens


    Dem Mädchen war es verboten, doch sie tat es trotzdem. Des Nachts schlich sie in das Zimmer ihrer kranken Mutter und kroch in ihr Bett. Der Körper der Mutter war heiß von Fieber, doch das Mädchen drückte sich gleichwohl so nah es konnte an sie. So wurde es endlich müde und ihm fielen die Augen schon fast zu, doch da war plötzlich etwas. Es war so grässlich, dass das Mädchen vor Angst erstarrte und sich nicht rühren konnte.
    Aus der Türschwelle, so als wäre dort ein Loch im Boden, kroch ein Wesen ins Zimmer. Ganz langsam und vorsichtig. Die dürren Arme setzten lautlos auf dem Holzboden an und es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis sich das Wesen aus seinem Schwellengrab geschleppt hatte. Seine grünliche Haut war beinahe ungeschickt über die Knochen gespannt und leuchtete hell im Mondlicht. Schnüffelnd trat es immer näher an das Bett und das Mädchen begann zu zittern. Es starrte dem Wesen direkt in die Augen, nur dass keine da waren. Gewöhnliche Haut überzog die Augenhöhlen und es war, als ob das Ungetüm nur mit seiner Nase „sah“.


    Doch je näher die unbekannte Kreatur dem Mädchen kam, desto zögerlicher wurde sie. Sie roch eindeutig dieses köstlich kranke Fleisch einer siechenden Menschens, doch da war auch etwas anderes. Das Wesen verstand nicht, warum dieser Kranke noch gesundes Fleisch an sich hatte. Es war schon in zwei Nächten davor hier gewesen und das Fleisch war gut gereift, doch nun stank es vor Gesundheit?


    Jetzt war das Ungeheuer schon am Bett. Seine sechsfingrigen Hände betasteten die Bettdecke. Lange, dreckige Haare zogen sich über den Arm des Mädchens. Gänsehaut.
    Der Mund öffnete sich leicht und fauliger Atem überströmte es. Übelkeit. Doch noch immer klammerte es sich still an ihre Mutter.
    Eine Hand erhob sich und die vielen Finger tasteten liebevoll über das Gesicht der Mutter. Dann über das des Mädchens. Sie waren noch heißer als die Haut der Mutter und mit Entsetzen fühlte das Mädchen, dass es völlig glatte Haut war. Zart und seidig, wie die Blüten eines Mohns.
    Und das Mädchen ertrug es nicht mehr. Es schrie aus vollem Munde, so laut wie noch nie zuvor. Selbst als das alptraumhafte Ding zurückwankte und sich vor Schmerzen krümmend wieder in der Schwelle verschwand schrie es weiter. Der Vater kam und hob das Mädchen hoch, doch es schrie trotz allem für lange Zeit. So schrill, dass es bis in die andere Welt weiterhallte und sich dort wie in Band um das Haus schlang. Und alle Unpukis, denn dieses Wesen war eines davon, mieden noch für lange Zeit das Haus des Mädchens, so dass die Mutter wieder gesund werden konnte. Der eine Unpuki jedoch, hatte nie zuvor einen solch schmerzhaften Kinderschrei erlebt und er hatte solches Grauen davor, dass er nie wieder in die Menschenwelt kam.



    Aus dem Buch „Alte Märchen neu erzählt“ von Tenessa Serkis.


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    So, das nun die erste Geschichte für meine Welt, seit ich sie neu gestartet habe :) ich bin soweit zufrieden damit und es ist im der Ausarbeitung der "Unpuki" entstanden (@ Logan: zu dem gibbets sogar ein Bildle :D zeig ich aber später.


    Hier ein Bild der Autorin (Tenessa Serkis, eine Merhin):
    [Blocked Image: http://www.roreaz.rinpix.de/pics/WB/Taressa.gif]

  • Unpuki sind auf grauenerregende Weise interessant geworden. So weit das jetzt verständlich war sind sie also reine Wesen der Fabel/ des Märchens. Steckt mehr dahinter?


    Wenn die Frau in Abwesenheit der Unpuki gesundet, sind die Unpuki auch für die Schwäche der Frau verantwortlich? Gehört diese Eigenschaft vielleicht ins Reich der Dichtung und Unpuki gibt es, aber sie machen nicht krank, sondern ernähren sich nur von Krankem?


    Ein Bild wäre zur Veranschaulichung dieser Alpträume wäre nicht schlecht. Bekommt man noch mehr von Frau Serkis zu lesen? Ein Magier platzt gleich vor Neugier. Im wörtlichen Sinn. :o


    Wie klug sind Unpuki? Und gibt es auch Puki oder entstammt das Wort "Unpuki" den langen Vokabellisten, die ich auch bei Roreâz vermute. ;)

  • Welche Perspektive ist denn die Geschichte? Allwissender Erzähler? Zumindest wechselt es, zum Teil unvorhersehbar, zwischen Mädchen und Unpuki.


    Wenn einige Krankheiten so leicht zu heilen sind, hat das dann die Medizin nicht irgendwann bereits entdeckt? Dem biblischen David wurde ja, als er im Alter einen Frost bekam, nochmals eine junge Frau an die Seite gelegt. Bei Dir könnte eine solche Praxis einen konkreten medizinischen Hintergrund haben.

  • Das ist wahrlich eine tolle Szene, die hier beschrieben ist, aber vom Schreibstil her würde ich es nicht fr ein Märchen halten. Und auch dass die Inworld-Erzählerin sich so in der Gedankenwelt des Unpuki auskennt, kommt mir etwas merkwürdig vor.


    Und statt dem Portrait der Autorin will ich doch viel lieber ein Bild vom Unpuki sehen! :lol:

  • Quote

    Das ist wahrlich eine tolle Szene, die hier beschrieben ist, aber vom Schreibstil her würde ich es nicht fr ein Märchen halten


    Genau das habe ich beim Lesen auch gedacht. Der Titel ließ mich eher an eine Art "Grimms Märchen" denken und dazu passte der Schreibstil aber nicht. Werden Märchen auf deiner Welt so erzählt? Wenn du nicht dazu geschrieben hättest, dass es aus einem Buch stammt, hätte ich gedacht, dass es vielleicht die Kurzform eines Märchens ist, dass eine Mutter gerade ihren Kindern erzählt (oder so ;D).


    Und: ich will auch ein Unpuki sehen :D

  • Sehr schick. Man könnte gar meinen das es als eine Art Fabel oder Lehre für Kinder dienen soll.
    Möglicherweise sollen die Kinder so begreifen / lernen sich zu Kranken legen um Unpukis zu vertreiben.
    Quasi wie bei den Grimms. Da zeigt Rotkäppchen auf das man nicht mit Fremden sprechen soll oder Hänsel und Gretel, die aufzeigen das man nicht alleine weit in den Wald / das Fremde gehen soll.

  • Nein, Märchen werden auf Roreâz so nicht generell erzählt. Traditionell hören sie sich an wie bei den Grimms auch, doch in ihrem Buch hat die Autorin viele der alten Märchen auf modernere Weise erzählt – oder sie versucht es zumindest ^^° dabei haben jedoch einige auch Stücke ihrer Moral verloren.
    Und ja, es wird auch noch mehr von ihr zu lesen geben… wenn ich soweit bin :D


    Der Wechsel der Erzählperspektive wie auch die Gedankenwelt des Unpuki ist reine künstlerische Freiheit und nicht in dem eigentlichen Märchen zu finden. Die ursprüngliche Geschichte hatte für Kinder die Lehre gehabt, sich um Kranke Familienangehörige zu kümmern, natürlich nur im Begrenzten Rahmen wie Beisein, Umschläge auflegen oder auch nur dem Mitgefühl.


    Die Unpuki sind auf jeden Fall aber keine Legende, sondern existieren tatsächlich. Sie waren nur lange Zeit nicht gesehen worden, so dass sich in dieser Zeit einige Geschichten und Märchen bilden konnten. Heute schleichen sie sich immer öfter in Häuser, doch Kinder werden in der gängigen Medizin nicht zu den Kranken gelegt, höchstens im bäuerlichen Brauchtum. Die Unpuki sind nicht immer so leicht zu vertreiben wie in dem Märchen und können sich auch schon mal wehren, wenn sie glauben gewinnen zu können. Auch kommen sie nicht immer alleine.
    Für Krankheiten sind sie allerdings nicht verantwortlich. Sie können diese nicht beeinflussen, die Gesundung der Frau in der Geschichte war wohl reiner Zufall oder hatte andere Ursachen.
    Sie sind nicht sehr klug und weithin spricht man ihnen nur eine tierische Intelligenz zu. Ich selbst reihe sie irgendwo bei den Affen ein, Paviane vielleicht.


    Sowas wie „Puki“ gibt es nicht, obwohl das natürlich ein gutes Wort wäre ^^ und die Vermutung von den Vokabellisten ist absolut richtig :D die fliegen hier in mehreren Version umher und müssten mal aktualisiert / geordnet werden. Furchtbare Zustände.

  • Mich erinnert das Stück auch eher an einen Ausschnitt aus einem Gruselhörspiel als an ein Märchen, einfach vom sehr gruselvorlesetauglichen Schreibstil her. Was ja eigentlich nicht schlecht ist, denn die Brüder Grimm können's ja nun nicht auf alle Welten geschafft haben. ;)
    Den Perspektivwechsel finde ich an sich eine gute Idee, aber die Umsetzung hakt für mich leicht - sie kommt sehr plötzlich und ist sehr kurz. Da fehlt mir bei einer insgesamt kurzen Geschichte etwas. Vielleicht eine Überleitung mit "und das Wesen sah das Mädchen mit seiner Nase an und zögerte" oder dergleichen, dass man nicht von einer in die andere Figur springt, sondern rübergleiten kann.

  • Eine gute Einleitung zu einer Beschreibung über die Viecher. :)

    " Durch die weiten, glühenden Ebenen ziehen sie dahin: gewaltige Herden, kaum weniger zahlreich als die Halme jener Gräser, die sie nähren. Zwei Dinge treiben sie voran: Trockenheit und mächtige Feinde, die nur darauf warten, ihren Hunger mit Fleisch zu tilgen. Keine Art außer einer hat hier ihre Heimat: die Morlochs, die Herrscher der Weite zwischen Erde und Himmel."
    Aus " Führer durch die Welt", von Lisari Biadaom, erschienen 1118 n.M.K.

  • Also ich finde, die Lehre der Geschichte kommt eigentlich sehr gut durch. Hübsch gruselig und dafür dass es eine sehr kurze Geschichte ist kann man meiner Meinung nach auch sehr gut mit dem Mädchen mitfühlen.

  • Quote

    Original von Dorte
    Mich erinnert das Stück auch eher an einen Ausschnitt aus einem Gruselhörspiel als an ein Märchen, einfach vom sehr gruselvorlesetauglichen Schreibstil her. Was ja eigentlich nicht schlecht ist, denn die Brüder Grimm können's ja nun nicht auf alle Welten geschafft haben. ;)
    Den Perspektivwechsel finde ich an sich eine gute Idee, aber die Umsetzung hakt für mich leicht - sie kommt sehr plötzlich und ist sehr kurz. Da fehlt mir bei einer insgesamt kurzen Geschichte etwas. Vielleicht eine Überleitung mit "und das Wesen sah das Mädchen mit seiner Nase an und zögerte" oder dergleichen, dass man nicht von einer in die andere Figur springt, sondern rübergleiten kann.


    Schön dass du das sagst :) ich mag Grusel


    Du hast recht, ich werde noch eine kleine Überleitung einbauen :D Da hab ich gar nicht dran gedacht

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