Posts by Gwen

Liebe Bastler, die Weltenbastler-Olympiade hat begonnen, das WBO-Tool ist vorbereitet. Bitte meldet euch schnell an. Viel Spaß dabei!

    Aloha!


    Ist ein Weilchen her seit dem letzten Update.


    Für Leute, die die Rants auf Englisch (und ohne Wayback Machine) lesen wollen, gibt es diese Links: hier und hier.


    Die Übersetzung wird bald wieder fortgesetzt, allerdings weiss ich noch nicht, mit welcher Regelmässigkeit hier neue Rants gepostet werden.

    Es gibt seit 5 Tagen ein englischsprachiges Video-Essay namens "Dirt on the Camera Lens" (Dreck auf der Linse der Film-Kamera), dass gut zu diesem Thema passt.


    Wer das Video nicht ansehen mag, kriegt hier die Kurzzusammenfassung:

    Schurken


    Zuerst einer meiner liebsten (und einfachsten) Verse aus Swinburne, aus "Hertha".


    Ich sage dir aber: sei;
    Ich brauche nicht zu beten;
    Ich brauche dich frei
    Wie deine Münder meiner Luft;
    Damit mein Herz größer in mir sei, meine Frucht fair zu urteilen.


    Einiges davon habe ich schon gesagt, aber meistens an anderen Orten verstreut, nicht in einem einzigen Rant.


    Mehr Einräumen von Vorurteilen meinerseits: Ich denke, dass Fantasy ohne Teilung der Welt in Dunkel und Licht perfekt auskommen kann, und dass es den besten Autoren, die ohne sie schreiben- Kay, Martin, Berg, Pratchett, Brust - auch gelingt, ihre "bösen" Charaktere zu verkomplizieren und uns mit ihnen sympathisieren zu lassen (manchmal mehr als mit den Helden). Aber es hat große Anziehungskrauft, die Welt aufzuteilen und ich denke, es kann gut gemacht werden.


    Ich wünschte nur, die Leute würden diese Dinge meiden:


    1) Scheinbar sind hässliche Schurken eine Notwendigkeit.


    So denken zumindest die dunklen Herrscher mit ihren Schwärmen von Orks und Trollen und Goblins über die Sache. Das ist ein billiger Trick um dem Publikum seine Sympathien vorzuschreiben. In den seltenen Fällen wenn ein guter Charakter schlecht aussieht haben sie stattdessen „innere Schönheit“, aber niemand sucht nach innerer Schönheit von Orks. Drachen sind die einzige Ausnahme, die mir einfällt bzw. es gibt auch Glen Cook’s Dark Lady (die in der 1. Trilogie viel mehr als Illusion als in echt vorkommt) und manche Schurken tragen falsche Schönheit um die guten auszutricksen. Aber in Wahrheit sind sie hässlich.


    Muss das sein?


    Ich glaube nicht. Klar, die bösen Charaktere wunderschön zu machen löst nicht alles, aber so lange Fantasyleser auf Äusserlichkeiten fokussiert bleiben ist es ein Schritt in die richtige Richtung – die da wäre, den Lesern einfache Sympathien wegzunehmen und sie ein bisschen denken zu lassen. Wenn es einfach ist Goblins zu hassen aber nicht Elfen, dann macht die Elfen böse und guckt, was passiert.


    2) Gib ihnen auch ein bisschen erfolgreiche Intelligenz


    Es ist nicht sonderlich sinnvoll, wenn nur Leute mit nichts in der Birne die Welt erobern. Entweder sind Schurken in Wahrheit insgeheim intelligent bis der Held erscheint, wo ihnen plötzlich nichts intelligentes mehr einfällt oder ihre Erzfeinde, die in den Jahrhunderten zuvor das Böse bekämpften waren monumentale Idioten. Der Held scheint oft nicht nur klüger als sein Erzfeind zu sein, sondern deutlich intelligenter.


    Wie ist es dann gekommen, dass der Erzfeind dann der Erzfeind wurde?


    Denk das durch. Wenn die dunklen Herrscher der Fantasy in ihren Plänen ständig miserabel scheitern, wie es bei ihrer Konfrontation mit den Helden passiert, müsste ihre Herrschaft eigentlich schon vor Jahrhunderten geendet sein, als sie beispielsweise ein großes offensichtliches Problem in ihren Plänen übersahen, sodass die Gegenseite diese Schwachstelle ausnutzen konnte. Ein Mangel an Intelligenz macht sie zu Clowns. Und die Spannung in der Geschichte wird zu Wackelpudding. Niemand wird sich bedroht fühlen, niemand sollte sich bedroht fühlen, von jemandem der dem Helden all seine Pläne erklärt und dann scheitert.


    Oh und wo wir dabei sind...


    3) Vermeide die generischen Signale, die als blinkende Neonzeichen das BӦSE ankündigen.


    Einschließlich aber nicht beschränkt auf: hämisches Gelächter, sich am Unglück weiden, überall und immer schwarz tragen, Leute einfach so aus Spass foltern, vor einer Hinrichtung die eigenen Pläne dem hinzurichtenden Helden haarklein erklären, den Helden auf eine Weise "testen"die ihm die Flucht erlaubt, und im Grunde eine Reihe von anderen Dingen auf der Evil Overlord Liste. Wenn du keine Parodie schreibst, ist das geradezu albern und im besten Fall kommt des als herbeigezwungener Plot rüber und unterbricht den reibungslosen Fluss deiner Geschichte.


    Natürlich kann es genauso die Geduld eines Lesers zermürben, wenn man zum anderen Extrem geht und die Guten schwarz tragen. Versuche stattdessen, einzigartige Schurken zu schaffen. Hey, das machst du für die Helden, ok? Wenn du die Geschichte eines Helden von Anfang bis Ende kennst und dir Zeit genommen hast, um dessen Persönlichkeit zu verstehen, warum nicht dasselbe für einen Bösewicht tun? Allzu oft konzentrieren sich die Kapitel, die aus der Sicht eines Schurken geschrieben wurden, darauf, wie böse er ist oder die Kapitel sind nur da ist, um als "Fliege an der Wand" auf das zu schauen, was die Mächte der Finsternis tun, während sich die Kapitel der guten Charaktere auf sie als Menschen konzentrieren. Um ganz kitschig zu sein: Schurken sind auch Menschen.


    4) Wenn die Helden abgedrehte mächtige Magie bekommen, sollte der Dunkle auch abgedrehte mächtige Magie bekommen.


    Ich bin immer verwirrt, wenn ich eine Fantasy-Geschichte lese, in der die Helden magische Schwerter praktisch aus der Luft zu ziehen scheinen, während der Dunkle Herr eine immense Menge an zeitaufwändiger Forschung und gefährlichen Ritualen durchmachen muss, um eine Waffe zu bekommen, deren Macht sich nie wirklich materialisiert, bevor die Helden ihn töten. Es ist noch schlimmer, wenn es eine halbarschige "Rechtfertigung" gibt wie einige Waffen, die nur durch reine Herzen blah blah blah nutzbar sind. Viel besser ist, den Helden einen wirklichen Grund zu geben, den Dunklen Herrn zu fürchten. Hätte Sauron keine anderen Waffen gehabt, um den Krieg in HdR zu führen als den einen Ring, wäre er eine erbärmliche Figur gewesen. Stattdessen gab Tolkien ihm den Nazgúl und machte den Ring zu etwas, das noch mehr Schrecken verursachen würde, wenn Sauron ihn in den Griff bekäme, nicht zur einzigen Quelle des Terrors.


    Das ist das Problem, Dunkle Herrscher als immense Schattenfiguren zu haben, eine Bedrohung als Potenzial statt in der Realität. Wenn sie noch nichts getan haben, warum haben die Helden dann so viel Angst?


    5) Mach die Pläne des Dunklen Herrn nicht durch Zufall rückgängig.


    Dies kommt alles zurück auf das Hinterlassen von den oben erwähnten Schlupflöchern, aber geht über dumme Pläne hinaus. Es gibt einige Pläne, die so klingen, als ob sie funktionieren würden - außer dass der Dunkle Herr etwas vergisst, was jeder andere auf der Welt weiß, etwa ein Kind, das zu einer bestimmten Zeit geboren wird, um ihn zu entthronen, oder sonst versäumt er es, eine bestimmte Person oder Handlung zu stoppen, obwohl du denkst, dass er alles in seiner Macht stehende in Bewegung setzen würde, um die Konsequenzen zu vermeiden.


    Hätte jemand wirklich tausend Jahre lang regieren und ein dunkles Imperium aufbauen können und dann diese unbequeme Prophezeiung vergessen können, die besagt, dass das kleine Mädchen, das am ersten Apriltag um Mitternacht geboren wurde, eines Tages ihren Zauberstab schwenken und ihn wegblasen wird? Einfach nicht auf die Kinder achten, die an diesem Tag geboren wurden, und sie alle töten, egal was es kostet? Der Dunkle Herr wird die meiste Zeit als rücksichtslos dargestellt, aber irgendwie ist er nie rücksichtslos genug, wenn es um solche Umstände geht.


    Wenn dem Herrscher diese Prophezeihung verschleiert wurde kann das einen möglichen Ausweg bieten, aber je länger das Geheimnis erhalten bleibt, desto offensichtlicher ist die Skala zu Gunsten des Guten gekippt. Könnte eine Prophezeiung wirklich tausend Jahre lang geheim bleiben? Es wird mit jedem Jahrzehnt unwahrscheinlicher,würde ich sagen oder sogar jedes Jahr. Das gilt vor allem, wenn die Guten in einer viel kürzeren Zeitspanne in Erfahrung bringen, was der Schurke plant.


    Lasse die Schurken wirklich eine Bedrohung sein, gib ihm in Eisen gekleidete Pläne, gute Spionagenetzwerke, intelligente und komplexe Notfallplän. Eure Helden werden härter arbeiten müssen, um das zu bewältigen und das böse zu besiegen, aber es wird so aussehen, als hätten sie ihren Sieg verdient.


    6) Lass deine Schurken sich nicht als böse betrachten.


    Fantasy scheint voll von Bösewichten zu sein, die sich darin erfreuen, niederträchtig zu sein, die sehnlichst darüber nachdenken, all das Gute in der Welt zu zerstören, die in der Lage sein sollten, die die lange Erfolgsbilanz des siegreichen Guten betrachten sollten und darum zögern, aber es scheint ihnen egal zu sein.


    Das erinnert mich an das Argument, dass Atheisten wirklich an Gott glauben und wissen, dass sie in die Hölle geschickt werden, aber trotzdem weiter gegen Gott sind. Beides Greifenscheiße. Wer würde sich gegen eine Kraft wenden, von der sie wussten, dass sie gewinnen würde? Es muss Raum für ehrliche Zweifel geben, welcher Kurs am besten ist - in den Köpfen der Schurken, wenn nirgendwo sonst. Und so viel wie möglich sollten die Schurken glauben, dass das, was sie tun, richtig ist. Dies gilt insbesondere dann, wenn...


    7) Die moralischen Standards ohne ersichtlichen Grund schlampig sind.


    Irgendwie sind Aktionen, die das Gute ergreift, in Ordnung, auch wenn diese Aktionen Folter oder die Tötung von Kindern beinhalten. Die Guten mögen eine Weile ängstlich sein, und manchmal - nicht sehr oft - gibt es eine böse Folge oder zwei, aber alles ist gerechtfertigt, weil es "zum größeren Guten" oder "für das Ungeborene" oder für die gesichtslosen, amorphen Massen (die Massen, deren Rettung so viele Aktionen in der Fantasy rechtfertigt) getan wird.


    Wenn der Bösewicht eine Person quält, ist das das Ende. Es gibt kein Zurück mehr, und es gibt keine Entschuldung.


    Ich möchte diese Philosophie vom höchsten Turm, den ich finden kann, runterwerfen lassen. Was in Conan’s Namen geschieht hier? Wie können moralische Standards für die Guten relativistisch sein, aber für die Bösen absolut?


    Oh, wartet, ich weiß es. Die Guten sind es, mit denen der Autor sympathisieren möchte. Daher sind die Ängste und die grauen (Un)taten für die "Charakterentwicklung" notwendig, aber sie dürfen meine Meinung über die Guten in keiner negativen Weise beeinflussen. Daher die ganzen Rechtfertigungsversuche.


    Persönlich denke ich, dass es albern ist, der Ordnung eines Universums einen moralischen Kodex zu unterstellen und, dass Rechtfertigungen und moralische Standards in den Köpfen der Charaktere existieren sollten, aber nicht darüber hinaus. Aber wenn du nach moralischen Standards im Universum streben willst, dann um Himmels willen sei konsequent damit, auf wen sie zutreffen. Folter, Mord, Vergewaltigung oder Sklaverei sollten nicht aufhören, falsch zu sein, nur weil die Helden es tun.


    Es ist erstaunlich, wie oft in letzter Zeit meine Zähne beim Gedanken an die Guten knirschen.

    Zwerge


    Ich denke, Zwerge haben andere Probleme als Elfen. Sie haben Eigenschaften, mit denen sie einzigartig und interessant werden könnten, aber sie dürfen sie nur selten zur Schau stellen. Ich gebe die Schuld den Leuten, die in die Idee von Elfen verliebt sind.


    1. Wenn Zwerge Technologie haben, gib ihnen eine Chance sie zu nutzen.


    Die einzigen Dinge, die Zwerge jemals zu machen scheinen, sind Waffen, Rüstungen und manchmal Dekorationen, die in den Häusern anderer Rassen auftauchen. Es wird verschiedentlich gemunkelt, dass sie Ingenieure, Pioniere und erfahrene Technologienutzer sind, aber wo sind diese Erfindungen? Fantasy-Autoren scheinen sich zu scheuen, sie zu zeigen.


    Dies ist voll und ganz die Schuld der Elfen-Liebe.


    Ich denke, aus dem selben Impuls beschreiben so viele Autoren ihre Elfen als glückliche, naturverehrende Ludditen. Das eskapistische Element der Fantasy beinhaltet oft einen Horror der modernen Welt und postapokalyptische Geschichten, Science Fiction und Fantasy finden die Schuld bei der Maschine. Was ja schön und gut wäre, aber wenn Zwerge bei dir Technologie verwenden, um ihren Mangel an Magie zu kompensieren, dann zeige sie doch mit ihren Erfindungen, gerade weil das Nicht-Zwergen nicht leicht zugänglich ist. Ich denke, die Höhe der Zwergerfindungen, die ich in der Fantasy gesehen habe, war eine Art Aufzug, und aber nicht selten gibt es generell Aufzüge (ohne das der Aufzug zwergisch wäre). Warum nicht die Zwerge eine Rolltreppe erfinden lassen?


    2. Und was ist falsch daran, dass Zwerge Magie haben?


    Vielleicht möchtest du wirklich nicht über Technologie schreiben oder hast nicht genug Informationen, um akkurat darüber zu schreiben. Also gut. Was ist also mit Zwergen, die Magie haben? Es scheint in vielen Fantasy-Werken geradezu "unnatürlich" zu sein, aber dann neigen diese Werke auch dazu, sich auf die üblichen Verdächtigen wie Zauberstäbe und murmelnde Beschwörungen zu verlassen, von denen sie sagen, dass Zwerge nicht genug Zeit haben, um sie zu erlernen.


    Was ist mit Magie durch Felsen, Metalle oder Edelsteine? Erdmagie könnte unglaublich stark sein, wenn man darüber nachdenkt. Stell dir einen Zwergmagier vor, der die Kraft hat, ein Erdbeben zu verursachen, wenn er irritiert ist, oder eine Kluft in der Erde zu reparieren, wenn er sich wohlwollend fühlte. Vielleicht könnten Zwerg mit Wünschelrute nach Metallen und Edelsteinen statt nach Wasser suchen. Sie würden wahrscheinlich unglaublich reich dabei werden. Andere mögliche Formen der Magie sind Schlammlawinen, die Schaffung von Tunneln als Fluchtwege (etwas, das viele Adlige und Royals in der Fantasy ständig brauchen), vulkanische Ausbrüche verursachen oder sie daran hindern, Bäume schnell zu fällen, indem sie Umwälzungen in der Nähe ihrer Wurzeln verursachen und so weiter. Es scheint, als ob Zwergmagier entweder sehr hilfreich sein oder eine Menge Chaos verursachen könnten, aber sie sind dazu verdammt, in ihren Höhlen zu sitzen und erst herauszukommen, wenn die Autoren wollen, dass sie barsch werden oder so etwas.


    Und das ist noch eine Sache:


    3. Wo sind all die Zwerge mit mehr als einer Persönlichkeitsfacette?


    Alle Zwerge sind grimmig (mit Ausnahme von Peter Jacksons Gimli, der einfach nur seltsam ist). Barsch und freundlich oder grimmig und griesgrämig, aber stets grimmig. Ich denke der einzige Autor, der seinen Zwergen Variationen gibt, während er die Grimmigkeit glaubhaft beibehält ist Guy Gavriel Kay in seinen Fionavar-Büchern. Tolkien hat ein wenig mehr Abwechslung im kleinen Hobbit, aber da Gimli mit der einzige Zwerg ist, den wir in HdR selbst sehen, denke ich, dass die Leute dazu neigen, ihn als Prototyp für all ihre Zwerge auszuwählen.


    Dasselbe gilt für Zwerge wie bei Elfen. So wie es irgendwo dumme Elfen geben muss (auch wenn die höflicheren sie eingesperrt halten, wenn Gäste vorbeikommen), muss es irgendwo offene Zwerge, feige Zwerge, weinerliche Zwerge und Zwerge mit einem frechen Sinn für Humor geben. Ich denke, es könnte einen großen Unterschied machen und Lesern und Autoren helfen, wenn wir uns von Zwergen als Klischeegerüst entfernen, um diese Vielfalt einzuführen.


    4. Wo wir dabei sind, was ist mit weiblichen Zwergen?


    Ich habe sehr wenige davon in Fantasy-Büchern gesehen, aber meistens für Comedy verwendet. Fantasy-Autoren scheinen Tolkiens Beispiel dabei sklavisch zu folgen; er gab an, dass weibliche Zwerge sehr selten waren und nicht oft das Haus verlassen. (Das war die Hauptursache für das Verschwinden der Zwergenrasse, da sie nicht genug Kinder hatten, um ihre Zahlen hoch zu halten). Wenn weibliche Zwerge genau wie die Männer aussehen, könnten sie wahrscheinlich ihre Heimat verlassen und ohne Erkennung oder Schaden kämpfen oder auf die gleiche Weise Abenteuer unternehmen. Und wenn sie nicht genau wie die Männer aussehen – wie es Frauen anderer Fantasy-Rassen tendenziell nicht tun –, dann könnte es noch interessanter sein.


    Terry Pratchett benutzt die Zwerge auf der Scheibenwelt, um darauf hinzuweisen, dass die Balz sehr heikel ist; sie müssen genau herausfinden, welches Geschlecht der andere Zwerg unter all den Kettenhemden hat. Die Zwergengesellschaft wird auch von Skandalen erschüttert, wenn weibliche Zwerge beschließen, Lippenstift zu tragen und keinen Med zu trinken. Es ist sehr witzig, aber es provoziert auch ein Zusammenzucken, wenn man wieder zu typischen Fantasy-Büchern übergeht und merkt, wie oft und wie extrem Pratchett mit dieser Persiflage ins Schwarze trifft.


    5. Für einen Zwerg wäre Kurzsein normal.


    Mehr noch als Vergleiche zwischen kurzlebigen, schnell denkenden Menschen und langlebigen, langsam denkenden Elfen zeigen die Vergleiche zwischen Menschen und Zwergen den anthrozentrischen Blickwinkel, den viele Fantasy-Werke einnehmen (auch wenn sie angeblich von Nicht-Menschen erzählt werden). Die meisten Fantasy-Menschen können nicht darüber hinwegkommen, wie kurz Zwerge sind. Es ist angeblich niedlich in irgendeiner Weise- oder zumindest seltsam- und Menschen scheinen nie darüber nachzudenken, wie sie aus der Sicht der Zwerge aussehen.


    In einer Welt, in der Mitglieder verschiedener Rassen seit Jahrzehnten oder Jahrhunderten Seite an Seite leben, ist es wahrscheinlich, dass sie anfangen würden, Dinge aneinander zu bemerken, die nicht bloss mit Körpergröße zu tun haben. Selbst wenn es eine Welt ist, wo Menschen nicht oft Elfen oder Zwerge sehen, dann ist die Fremdheit verständlicher, aber du kannst trotzdem versuchen, dich auf etwas anderes jenseits der Körpergröße der Zwerge zu konzentrieren.


    6. Die Unterscheidung von Zwergen nach Kultur ist eine gute Möglichkeit, sie auf andere Weise zu differenzieren.


    So wie Elfen die meiste Zeit herumzusitzen scheinen, um sich die Hände zu ringen oder melancholische Lieder zu singen, scheinen Zwerge Rüstung und Waffen zu schmieden und zu kämpfen [hier bitte den bösen Feind der Woche einzufügen]. Aber es gibt sicherlich andere Teile ihres Lebens. Wenn du eine Geschichte mit einem Zwergencharakter schreibst, warum nicht Musik, Kunst, das Kochen, Waffentraining (etwas, das auch nicht oft auftaucht), Unterricht der Kinder, Verhandlungen oder Liebesangelegenheiten? Manchmal scheint es, als ob Menschen die einzige Rasse in der Fantasy sind, die sowas haben.


    Der gemeinsame Einspruch gegen diese Idee ist, dass das Zeigen von Zwergen oder Elfen oder einer anderen Fantasy-Rasse sie zu nahbar und menschlich machen würde. Doch wenn man bedenkt, wie oft Zwerge Stereotype sind oder einfach kurze Menschen mit Bärten, denke ich, dass es Platz dafür gibt, diesen Effekt der Unnahbarkeit dadurch zu erzielen, dass die Zwergenkultur so seltsam wie möglich rüberkommt.


    7. Zwerge hätten auch eigene Schönheitsstandards.


    Vielleicht ist einer der Gründe, warum viele Fantasy-Autoren eine schwierige Zeit damit haben, Zwerge zu schreiben der, dass Zwerge nicht so ansehnlich wie Elfen oder Drachen sind, zumindest nach der Art und Weise, wie Fantasy-Leser idR denken. Dies ist eine weiteres Problem, das in Luft auflösen würde, wenn der Blickwinkel des Texts nicht mehr aus menschlichen Augen schaut. Wenn diese Augen ausschließlich menschlich bleiben, oder ausschließlich die Augen des "allwissenden" Autors, der in menschlichen Parametern urteilt, dann ja klar, ist es wahrscheinlich, dass das vermeintliche Problem der Hässlichkeit bestehen bleibt.


    Das mag meine rein persönliche Meinung sein, aber ich denke, es gibt zu viel Konzentration auf äußere Schönheit in der Fantasy. Die bösen Kreaturen sind überwältigend hässlich, die guten Charaktere überwältigend schön, und nur wenige, wenn überhaupt, sind gewöhnlich und durchschnittlich. Wenn die Menschen und Elfen der Inbegriff der Schönheit bleiben müssen und die Orks oder Kobolde der Inbegriff von Hässlichkeit bleiben müssen, dann könnten die Zwerge vielleicht der Durchschnitt sein. Oder vielleicht können sie auf eine ganz andere Art und Weise schön sein. Stärke kann ebenso schön sein wie Schlankheit. Wenn Zwerge in der Nähe von Fels und Stein sind, könnten sie so schön sein wie es Berge sind oder wie Steinsäulen sind. Diese sind nicht einmal schlank, aber Autoren können über sie rhapsodisieren. Warum nicht ab und zu über Zwerge Rhapsodien singen, vor allem, wenn du aus ihrer Sicht heraus schreibst?


    Irgendwann möchte ich immer noch ein Zwergen-Epos schreiben, alles aus ihrer Weltsicht heraus, und wenn ich das tue, werden die Menschen die seltsamen sein.

    Elfen



    Ein paar weitere Zeilen aus "Tristram von Lyonesse", etwas passend zur heutigen Diskussion.


    Sie suchte und zog den goldenen Becher hervor und lächelte
    Staunte, mit einem so leichten Wunder wie ein Kind
    Das hört von frohem traurigem Leben in magischen Ländern;
    Und trägt es zurück zu Tristram mit reinen Händen
    Haltend die Liebesdürre, die für Flammen sorgen sollte
    Um aus ihnen zu brennen Furcht und Glauben und Scham,
    Und vor den Augen aller ihnen das Leben erleichtern,
    Und sie traurig machen für immer.


    Elfen sind einige der Fantasy-Kreaturen, die am meisten leiden, wenn Autoren ihre Fantasywelten erschaffen. In den meisten Fällen greifen die Autoren nicht auf eine der Varianten aus alten Legenden zurück, sondern auf eine bestimmte Quelle: "Tolkien" und dann auch nur eine blasse Version von Tolkien.


    1. Elfen scheinen immer zart und zerbrechlich schön zu sein.


    Das mag eher aus Vorstellungen von Feen und Fantasybildern hervorgehen als von Tolkiens Elben, da diese stärker waren als das Menschengeschlecht und durchaus in der Lage, schwere Waffen zu schwingen, aber es ist trotzdem alltäglich. Ich weiß nicht warum. Es scheint keinen besonderen Grund zu geben, warum Elfen nicht in der Lage sein sollten, einen Kriegshammer zu heben oder jemand anderen herumzuwerfen, es sei denn, der Grund hat mit Feen-Schmächtigkeit oder RPGs zu tun, wo Elfen schwächer sind als Menschen, so dass Menschen eine faire Chance haben. Aber diese Trope bahnt sich ihren Weg in die Fantasy, die nicht auf Rollenspielen basiert und auch nicht Heimat irgendwelcher Feen ist.


    Wenn du zarte Elfen hast, überlege dir, warum sie so sind. Hat es eine Grundlage in den Wurzeln deiner Welt oder war es nur etwas, das du angenommen hast "denn so sind Elfen?" Wenn Letzteres, dann erkenne, dass es eine Menge von Elfen da draußen gibt, die genau gleich aussehen. Welchem Zweck dient diese Trope? Es macht nicht einmal viel Sinn, wenn du willst, dass deine Elfen Bogenschützen statt Schwertkämpfer sind, da eine Menge Kraft in den Oberarmen und im Körper erforderlich sind, um einen Langbogen zu ziehen.


    2. Elfen haben immer spitze Ohren.


    Dies scheint das wichtigste Elfensignal zu sein. Manchmal scheint es das Einzige zu sein, was Elfen erkennbar zu Elfen macht, weil sie sonst genauso handeln wie Menschen.


    Warum?


    Wenn du deine Elfen unsterblich machst oder ein längeres Leben als Menschen verpasst, wird das sie an sich beeinflussen, wahrscheinlich viel tiefer, als wenn du spitze Ohren hast. Aber das ist das erste, was alle Menschen in der Geschichte die meiste Zeit bemerken, das Hauptsignal wenn Halbelfen entdeckt werden oder sich zu erkennen geben, und etwas fest in der Konzeption von Elfen verankert ist, ohne guten Grund. Frage dich doch, was die spitzen Ohren deiner Elfen dort tun? Sind sie eine evolutionäre Anpassung, und warum? Wenn deine Elfen von anderen Arten von Fey oder Feen abstammen, hatten diese auch spitze Ohren, und warum? Wenn deine Menschen und Elfen gemeinsame Vorfahren haben und die Ohrenform ist eine Abweichung, warum?


    Diese besondere Trope finde ich weniger beunruhigend als die Vorstellung von Empfindlichkeit und Fragilität, aber sie funktioniert immer noch wie eine Hinweis-Karte in vielen Fantasy-Werken: "Gut, sie haben spitze Ohren, sie sind Elfen, und das ist es, was du von ihnen erwarten sollst!" Es ersetzt die Charakterentwicklung, genauso wie jemandem rote Augen und ein schwaches Kinn zu geben, um sie als böse darzustellen.


    3. Elfen sind überwiegend blasshäutig, auch ohne Grund.


    Die einzigen wirklichen Ausnahmen, die mir ohne viel Grübelei einfallen, sind die dunkelhäutigen Drow der Vergessenen Reiche, und sie werden als meist böse dargestellt (rote Augen und so weiter). Das hat wahrscheinlich viel mit Tolkien zu tun; Mittelerde hat offensichtlich nicht viel Vermischung zwischen den Rassen. Dennoch gibt es keinen Grund für Elfen in allen Fantasy-Büchern, "so blass wie Alabaster" zu sein, oder nach welchen Gleichnissen auch immer es den Autor giert. Wenn sie in der Natur mehr zu Hause sind als Menschen, wie fast alle Elfen dargestellt werden, dann schließt das vielleicht auch die Anpassung an ihre Umgebung ein. Warum nicht Elfen, die in Wüsten mit sandfarbenem Fell bedeckte Haut entwickelt haben oder Elfen, die wie die Bäume in Wäldern gefärbt sind, oder wie große Katzen, wenn sie überwiegend Jäger sind? Es ist schwer zu erkennen, in welchen Umgebungen Alabaster-Haut ein großer Vorteil wäre, außer im hohen Norden, und blasshäutige Elfen werden oft als zu zerbrechlich gezeigt, um dort zu überleben.


    Wenn eure Elfen so von den Göttern erschaffen wurden und nie eine Zeit durchmachen mussten, in der sie nicht in Städten lebten und alle Vorteile der Zivilisation hatten, warum dann? Wollten die Götter der Elfen nicht, dass sie eine evolutionäre Anpassung durchlaufen? Und warum werden Menschen dann in der Regel so dargestellt, als müssten sie durch Etappen klettern, in denen sie in Höhlen oder in einfacheren Häusern lebten, als sie es jetzt haben? Warum sind die Götter des Menschen und der Elfen offenbar unterschiedliche Wege beschritten? Alles interessante Fragen zum Nachdenken und Beantworten.


    4. Elfen werden oft mit der Natur in Verbindung gebracht - aber nur einigen Aspekte der Natur.


    Typische Elfen leben in Wäldern und auch in tja, in Wäldern, wie bereits gesagt. Manchmal haben sie große Städte, aber sie scheinen fast nie Bauern zu sein. (Aber sie essen irgendwie trotzdem gut, und nicht nur die Produkte der Wälder). Es gibt auch manchmal Seeelfen, obwohl Oberflächenbewohner nicht wirklich sehen, wie deren Häuser aussehen. Elfen werden in der Regel auch dargestellt als hätten sie ein stärkeres Bewusstsein für Tiere und Bäume als die Menschen und Technologie ist ihnen ein Horror. Das ist natürlich sehr schön in einer Art New Age, aber es wird nach einer Weile langweilig. Metall ist nicht unnatürlich. Ebenso wenig Feuer oder Eis und Schnee, Tundra und Taiga oder dicke Dschungel. Wo sind die Elfen, die in solchen Gebieten leben? Sie hätten sich wahrscheinlich auf mindestens einer Fantasywelt entwickelt. Aber es scheint die meiste Zeit kein Indiz für deren Existenz zu geben.


    Es könnte einen Grund dafür geben, Elfen nicht mit Metall zu assoziieren, wegen der alten Legende, dass Eisen ihnen schadet. Die meisten Fantasy-Bücher scheinen jedoch nicht auf diese Legende zurückzugreifen. Sie greifen nur auf das Klischee von Elfen als fröhlich tanzende singende Waldkreaturen zurück und sagen nichts über eine tatsächliche Verletzlichkeit oder Allergie gegen Eisen.


    Wenn du Elfen in Wäldern hast, denk versuchsweise darüber nach, warum sie da sind. Menschen leben in den meisten Fantasywelten an verschiedenen Orten. Wenn Elfen längere Leben haben und zu großen Leistungen fähig sind, werden sie dann wirklich zu dumm sein, um Wege zu finden, an Orten zu leben, die Menschen ohne weiteres besiedeln können?


    5. Elfen werden von ihrem längeren Leben betroffen sein.


    Dies ist ein weiterer Grund, sie zu Menschen zu machen, die bloss mit Spitzohren geschmückt sind. Sie sind wahrscheinlich erfahrener als Menschen im Umgang mit Feinden und werden nicht in die Falle der Wiederholung der Geschichte geraten, weil sie Zeitzeugen werden. Sie reagieren möglicherweise nicht so gut auf plötzliche Krisen.


    Das ist jedoch kein Grund, den Menschen jedes Mal als ultimativen Retter der Welt darzustellen. Angeblich wollen Elfen in der Fantasy so tun, als habe sich nichts geändert, und so werden sie von der Weltgeschichte zurückgelassen. Aber das macht keinen Sinn, wenn sie Jahrhunderte durchlebt haben und Zeit hatten zu sehen, wie sich die Welt verändert hat. Tolkiens Elfen versuchen sicherlich, die Zeit mit ihren Elfenringen zu behindern und trauern um das Vergehen der sterblichen Welt, aber das ist zumindest teilweise, weil sie wissen, dass sie dazu verdammt sind, mit dieser Welt zu verblassen oder in ein unsterbliches Land zurückzukehren. Die meisten Elfen in der Fantasy stehen gar nicht vor so einer Wahl.


    Wenn deine Elfen so sind, beantworte dir (und deinen Lesern) eine Frage: Wie haben sie jemals eine große Zivilisation aufgebaut oder sie überhaupt verteidigt?


    6. Elfengesellschaften müssen keine Monarchien sein.


    Die meisten von ihnen sind jedoch genau das, und der König oder die Königin sind in der Regel menschenfeindlich, oder sie leben zurückgezogen von der Welt und sind am verblassen. Gewiss hätten die langlebigen Elfen im Laufe der Zeit die Probleme von Monarchien erkannt und einen Weg gefunden, sie zu vermeiden. Einen minderbemittelten oder verächtlichen Monarchen auf dem Thron zu haben scheint mir ein ausreichend großes Problem zu sein.


    Wahrscheinlich ist kein Regierungssystem perfekt, und es könnte einen legitimen Grund für Elfen geben, Monarchien zu haben, vielleicht weil das historisch so gewachsen ist. Aber oft scheinen sie alle Nachteile eines langen Lebens in ihren Zivilisationen zu haben - umständliche Traditionen und unwillige Veränderungswillen - ohne die Vorteile - vergangene Erfahrungen und die Einsicht, die aus dem eigentlichen Leben durch die Geschichte entsteht, während andere Spezies zu schnell sterben, um die langfristigen Folgen ihrer Entscheidungen zu sehen. Versuche beides zu zeigen, nicht nur die langsam abnehmenden und sterbenden Gesellschaften, die die Norm zu sein scheinen, während Elfen herumstehen und ihre Hände ringen und nicht wirklich wissen, was sie tun sollen.


    7. Elfengesellschaften müssen auch nicht der Inbegriff von Empfindlichkeit sein.


    Wenn sie in Städten leben, scheinen Elfen dazu neigen, in Minarette und zarten Türmen und Kuppeln zu leben, oder Baumdörfer, die durch Holzstege miteinander verbunden sind. Doch egal, wo sie leben, sie sind nie schmutzig, sie produzieren keinen Müll, und es scheint keine Elfennachttöpfe oder elfische ungewaschene Leinen zu geben.


    Das ist nicht realistischer als eine menschliche Gesellschaft, die auf die gleiche Weise funktioniert. Der Unterschied ist, dass Autoren, die menschliche Gesellschaften in der Fantasy schreiben, manchmal in Richtung Realismus blicken und einen Nachttopf oder Müll auf den Straßen mal erwähnen. Elfengesellschaften werden jedoch immer noch in antiseptische Visionen verwandelt, und das alles ohne den Nutzen von Antiseptika.


    Es könnte Spaß machen, zu versuchen, Erklärungen dafür zu erfinden. Haben die Elfen ein fließendes Wassersystem? Ist jedes Stück Müll, das sie produzieren, nicht vom Material ihrer Gebäude zu unterscheiden? Haben sie unsichtbare Diener, die die Wäsche waschen und die Nachttöpfe leeren, oder sind sie vielleicht zu verstopft, um Nachttöpfe zu brauchen? (Dies scheint ein häufiges Problem der Fantasyelfen zu sein). Es gibt Antworten, die zum Bild einer gut entwickelten Gesellschaft passen könnten, wenn auch vielleicht nicht zum Bild einer völlig natürlichen. Versuche sie zu finden.


    8. Schwing dich nicht ins entgegengesetzte Extrem, um aus Elfen die Retter zu machen.


    Das ist etwas seltener, als die Menschen zu Rettern zu machen, weil sie nicht verblassen, aber kommt es vor. Elfen sind so weise und besonders und wunderbar OhmeinGott, dass die anderen Rassen als ihre Kinder dargestellt werden. Diese Elfen sind Gurus, Weisen und Älteste und selbstgefällige Lehrer, die alle schlimmsten Stereotype von wissenden Hohenpriestern oder Mönchen passen. Die anderen Rassen haben praktisch nur Ehrfurcht vor ihnen und schwanken bei ihrem Anblick.


    Hör damit auf.


    Diese Elfen sind genauso nervtötend -oder mehr noch- als die schüchternen Vegetarier, die in ihren Wäldern kauern und sich die Hände ringen. Einige Leute würden zumindest wahrscheinlich Neid und Groll auf sie empfinden, oder durch ihre Lehre gelangweilt fühlen und weggehen oder zumindest einige der Lehren auf eigene Faust entdecken (besonders, wenn du andere langlebige Rassen wie Drachen oder Zwerge in deiner Welt hast). Doch das scheint nie zu geschehen. Einer der Gründe, warum ich es unmöglich finde, die Mithgar-Bücher von Dennis McKiernan zu lesen, ist, dass seine Mithgar-Elfen so sind. Ich habe Lust, sie zu erwürgen.


    Es muss wenigstens einige Elfen geben, die sich irren, die dumm sind oder die unterrichten können, ohne sich selbstgefällig zu verhalten. Perfekte Elfen sind spaßiger als die ineffektiveren Varianten.


    Es ist erstaunlich, wie wenige Menschen versuchen, Elfen zurück zu den ursprünglichen Legenden zu bringen, oder mit ihren eigenen Wendungen kommen, oder einfach etwas anderes tun, als zu imitieren.

    Leute, die mit Schitten auf dem Fluss fahren

    Mit wiebitte was? Schitten? :lol: Ich dachte erst du meinst Schlitten, aber wenn es einen Fluss geht, der von den Dingern befahren wird...sind Schiffe wahrscheinlicher. ;)

    Da frag ich mich, wie Limyaael sich das vorstellt. Auf einer detaillierten Karte kann es ja zig "Ungereimtheiten" geben, die alle möglichen Erklärungen haben können. Das ist genau das, was Karten für mich spannend macht, diese kleinen Fragezeichen, wo ich mir denke: Ah, diese Grenze sieht seltsam aus, da kann ich mir spontan diese oder diese Begründung vorstellen.


    Oder halt ein 20-seitiger Buchanhang, anscheinend.

    Es ist Spekulation meinerseits aber ich denke, um Limyaael's Perspektive zu verstehen stell dir einfach vor du erkennst, das eine Landkarte einfach so dahingeschludert wurde aber du versuchst, diesen Umstand in klare Regeln zu formulieren. Meiner Meinung nach geht das nicht wirklich, weil du ja erst aus dem Kontext heraus merkst, wie schluderig und schlumpig die Karte gemacht ist: du merkst es daran, dass im Buch selbst die politische oder interkulturelle Situation voll unklar bleibt und die Karte deshalb keinen Anhaltspunkt bietet, was in dieser Welt eigentlich los ist.
    Als Lim z.B. davon redet, dass ein Land eine Grenze hat, die einfach grundlos nicht dem Flussverlauf folgt, obwohl der Fluss nahe der Grenze ist, dann ist das eine Beschwerde, die mehr Sinn ergibt, wenn z.B. das mächtige Imperium locker diesen Fluss erobern kann...aber das Buch nie erwähnt, weshalb sie es unterlassen. Das kleine gallische Dorf hat den Fluss komplett auf seiner Seite der Grenze, aber das kleine gallische Dorf hat keinen Zaubertrank oder Obelix. Wenn du an diese Art von Situation denkst, hat Limyaael's Einwand durchaus einen Sinn.

    Bei den Mittelalter-Rants ... die sind echt so total prä-Game-of-Thrones.^^ "Mehr Frauenfeindlichkeit und mehr Schmutz bitte!" Ugh.
    Dabei hat sie "Mehr Kirche bitte!" ausgelassen.

    Ja! Ist das nicht faszinierend? Das Mittelalter soll super-authentisch sein, bitte mit viel Frauenfeindlichkeit und einer grossen atheistischen Bewegung. :lol:

    Mittelalterliche Gesellschaften


    Angesichts des Themas des heutigen Rants denke ich, dass ein paar Zeilen aus Swinburnes "Tristram of Lyonesse", einem langen Artusgedicht, angemessen sind.



    ... und aufgeht auf seinem Ross
    Sprang, von Kampfesmut erfüllt, Palamedius,
    Und mächtig im Aufprall von Pferd und Mensch
    Zurrten sie zusammen: und fair begann dieser Kampf
    Die Sonne ging auf im Himmel: hin und her,
    Mit Knien eng gestaffelt und stämmigen Köpfen niedrig gebogen
    Von jedem schnellen Stoß durch Speere auf beiden Seiten,
    Taumelten die starken Rosse stark, mit ausgezehrtem Blick
    Und zogen hoch mit Leidenschaft ihres Stolzes
    Als dünn die strammen Speere wieder anspannten, dann flogen
    Aufsplitterten: dann, sein Schwert, wie jeder Ritter ziehend,
    Blitzte auf und stieß zu königlich, so lang
    Das um des fairen Streites halber
    Ein Mann wohl willig aus dem Leben g’schieden wär
    Ein Jahr leeren Raumes bar jeder Liebe und jeden Streits.




    Natürlich hängt die Strenge dieser Anforderungen davon ab, wie nah deine Fantasygesellschaft dem wirklichen Mittelalter unserer Welt ist. Wenn es eine alternative Geschichte oder ein Fantastorien-Roman, der sich stark an irdischer Geschichte orientiert, wirst du natürlich mehr Forschung betreiben wollen, als wenn es nur das typische mittelalterliche Fantasyland ist. Aber auch dann gibt es einige elementare Dinge zu beachten.



    1) Halte die Folgen deiner Erbschaftsgesetze realistisch.


    Das häufigste System in der mittelalterlichen Fantasy scheint Primogenitur zu sein, das Erbe von allem durch den ältesten Sohn. Dies bedeutete jedoch in der mittelalterlichen Welt nicht, dass andere Geschwister mit nichts in den Taschen ausgestoßen wurden oder, dass für sie keine Vorkehrungen getroffen wurden. Ich habe ein paar mittelalterliche Fantasy-Werke gelesen, in denen edle Eltern sich nur um ihren ältesten Sohn kümmern und die anderen verhungern lassen. (Anm.d.Übs.: Diese Werke will ich sofort lesen.)


    Nicht so, wie es damals lief. Zusätzliche Kinder zu haben, war von Vorteil in der mittelalterlichen Gesellschaft, solange die Eltern es sich leisten konnten, sie zu ernähren. Es bestand immer die Chance, dass der älteste Sohn sterben würde, entweder in der Kindheit (die Sterblichkeit für Kinder war extrem hoch), oder im Krieg oder durch einen Unfall oder eine Pest. Es wären also mehr Erben nötig. Gelingt es dem ältesten Sohn ohne Probleme lange genug zu leben um zu erben, würden die jüngeren Söhne an anderen Orten Karrieren finden, oft in Positionen vor Gericht, solange die Familie dort gute Verbindungen hatte. (Anm.d.Übs.: Wir reden da eindeutig von Adligen...) Töchter würden verheiratet sein. Adlige Eltern könnten leicht versuchen, Verbindungen durch ihre Töchter zu knüpfen. Wer würde schließlich alle ältesten Söhne heiraten, wenn die Familie nur die ältesten Söhne zur Welt bringen würde? Die Eltern der Braut müssten eine Mitgift bezahlen, aber das könnte als geringe Ausgabe für die politischen Verbindungen angesehen werden, die sich ergäben, und die ihren Enkelkinder hohe Positionen ermöglichen.


    Wenn du ein anderes System hast, wie das komplizierte Schnäppchen, das Heinrich VIII. ausgearbeitet hat (sein Sohn erbt zuerst, dann seine erstgeborene Tochter Mary, dann seine zweite Tochter Elizabeth), dann halte die Folgen auch dort realistisch. Die anderen Geschwister werden vielleicht nicht so sehr geschätzt im Vergleich zu dem, der zuerst erben sollte, aber sie werden auch wahrscheinlich weder geschlagen noch in Schränken eingesperrt.


    2) Charaktere werden nicht so viel wissen.


    Die meisten Menschen im Mittelalter wussten nicht, wie man liest oder schreibt. Für die meisten Menschen wurde es als irrelevant für ihr tägliches Leben betrachtet; Die Bauern waren nicht in der Gewohnheit, Briefe oder Bücher zu verfassen, und die Adligen konnten sich ausgebildete Schreiber in den seltenen Fällen leisten, wenn Nachrichten notwendig waren. Das Kopieren von Büchern wurde den Mönchen in Klöstern und manchmal den bezahlten Schreibern überlassen. Zum Beispiel liebte Eleonore von Aquitanien das Lesen von Romanzen, und da sie viel Geld hatte, konnte sie dafür bezahlen, dass sie geschrieben oder kopiert wurden. Aber die meisten Menschen in einem mittelalterlichen Fantasyland werden diese Art von Geld nicht haben.


    Selbst wenn es eine Welt ist, in der es z.B. Magierakademien mit einem Bedürfnis nach Büchern gibt, sollten diese immer noch selten und teuer sein, und ein zufällig dahergelaufener Bauer sollte nicht in der Lage sein, sie automatisch zu lesen. Das gleiche gilt für andere Disziplinen wie Mathematik, Alchemie und Magie, wenn sie formale studiert werden. Es gibt Menschen, die sie lernen können, aber das Wissen würde in keinem Haushalt aus dem Nichts erscheinen, und ein Charakter, der dieses Wissen lernen wöllte, müsste die Aufmerksamkeit eines Lehrers in irgendeiner Weise auf sich ziehen.


    3) Frauen sollten ohne einen sehr guten Grund nicht so viele Rechte haben. (Anmerkung der Übersetzering: Schönen Dank auch)


    Nur außergewöhnliche Frauen im England vor Elizabeth I. hatten viel Macht. Eleonore von Aquitanien wurde von ihrem Mann und ihren Söhnen wegen ihrer Einmischung in die Politik gefürchtet und blieb deshalb für einen guten Teil ihres Lebens eingesperrt. Andere Adelsfrauen gingen vom Vater zum Ehemann über, ohne je in ihrem eigenen Leben ein Mitspracherecht gehabt zu haben; wenn sie ihre Ehemänner überlebten, hatten ihre Söhne in der Regel Macht über sie. Bauersfrauen arbeiteten neben ihren Ehemännern, erzogen Kinder und bebauten den Acker und bereiteten Lebensmittel zu, ohne viel Gelegenheit zu haben, über gleiche Rechte nachzudenken. Ein Grund, warum der Feminismus den Schub bekam, den er lange nach dem Mittelalter machte, war die Verbesserung der Technologie, die einige Frauen lange genug von der Arbeit befreien konnte, um zu denken (Anm.d.Übs.: Das steht da), sowie die Verbesserung der Bildungsstandards (keine Priorität in einer mittelalterlichen Gesellschaft; siehe Punkt 2) und höhere Lebensstandards im Allgemeinen. Wenn du eine Welt mit einer Mittelschicht hast, könnte es realistischer für die Frauen sein, Zeit zu haben, über ihre Position zu philosophieren und eine Bewegung in Gang zu setzen, oder zur üblichen "Ich will keine Dame sein!"-Typin zu werden (die normalerweise nichts tun, um jemandem außer sich selbst zu helfen). Wenn deine Gesellschaft streng mittelalterlich ist, ist es jedoch schwer zu erkennen, wo Frauen die Zeit oder Bildung bekommen, um ihre Position in Frage zu stellen.


    Wenn du Änderungen an der mittelalterlichen Welt vorgenommen hast, so dass Hexen oder andere freie Frauen der Macht existieren, dann versuchen Sie, die Konsequenzen realistisch zu gestalten. Wenn andere Frauen immer noch als untergeordnet gelten, dann werden Männer wahrscheinlich die Macht dieser Frauen fürchten. Wenn die freien Frauen als besonders angesehen und nicht angegriffen werden, warum dann? Ist es die Angst vor ihrer Macht, der Deal mit ihnen, dass diese Frauen für Magie sorgen (oder was auch immer sie tun, um nicht das Leben gewöhnlicher Frauen leben zu müssen) oder etwas anderes? Und versuchen diese Frauen, andere zu befreien, und warum? Ein Punkt der Geschlechterforschung ist, dass Frauen bis vor kurzem nicht gelehrt wurden, andere Frauen als Verbündete zu betrachten; sie wurden gelehrt, sich selbst als Teil einer Klasse, einer Familie oder einer anderen Einheit zu sehen, die nichts mit dem Geschlecht zu tun hatte. Wenn du weibliche Charaktere hast, die für "Frauenrechte" sind, dann musst du erklären, woher diese Ideen kamen und wie es einigen Frauen gerade gelungen ist, die übliche Bildung und soziale Konditionierung zu zerschlagen, um diese Ideen zu erreichen.


    4) Denk daran, dass das mittelalterliche Leben nicht sauber war.


    Bis zu einem gewissen Grad habe ich dies im Teenager-Rant angesprochen; Warum haben all diese Teenager-Charaktere makellose Haut und sauberes Haar ohne den Vorteil von Gesichtscreme oder Shampoo? Aber es ist besonders wichtig in einer mittelalterlichen Gesellschaft, in der Magie nicht üblich genug ist, um für solche Dinge verwendet zu werden. Duschen waren unbekannt. Genug Wasser, um ein Bad zu nehmen, würde eine Menge Diener erfordern, um es zu schleppen, und da Diener andere Dinge tun müssen, würde dies wahrscheinlich auch nicht jeden Tag passieren. Parfüm würde verwendet werden, um die Düfte des Schweißes abzudecken, unter denen, die es sich leisten können. Diejenigen, die es nicht konnten (Bauern, Leibeigene und Freisassen) würden einfach mit dem Gestank leben.


    Ungeziefer auf Menschen wären auch ziemlich häufig, angesichts der Nähe, in der mittelalterliche Menschen zu Tieren lebten. Denk daran, dass die Schwarze Pest von Rattenflöhen verbreitet wurde, was etwas darüber aussagt, wie wenig diese Viecher durch den Menschen verjagt wurden. Ein Adliger hätte wahrscheinlich sauberere Lebensbedingungen als ein Bauer, aber Flöhe, Läuse und andere kleine Schrecken wären immer noch üblich, vor allem, wenn die Adligen ihre Häuser mit Tieren wie Hunden teilten. Die Böden in einem mittelalterlichen Haus werden wahrscheinlich mit frischen Binsen bedeckt sein, die viel Dreck absorbieren, aber immerzu stinken, bis sie ausgewechselt werden. Zahn- und Gesundheitsversorgung ist fast nicht vorhanden, was bedeutet, dass Menschen schlechte Zähne haben und früh sterben, vor allem in der Kindheit. Beengte Lebensverhältnisse bedeuten, dass sich Krankheiten wie die Pest sehr leicht ausbreiten. Probleme mit dem Wasser fördern Krankheiten wie Cholera. In einer Stadt, wenn man eine Gesellschaft hat, die mehr auf der Renaissance basiert, wird oft Müll auf die Straße gekippt, und nur wenige Städte könnten sich genug Menschen leisten, um die Straßen sauber zu halten.


    Bedeutet dies, dass alle dreckigen Details erwähnt werden müssen? Wahrscheinlich nicht. Bedeutet das, dass ich eine Erklärung für Krystalynne, die Prinzessin, die jeden Tag ein Bad nimmt und makellose Zähne und Haut und überhaupt keine Käfer in ihrem glänzenden Haar hat? Oh ja.


    5) Reisen ist selten und gefährlich und dauert lange Zeit.


    Wenn deine Charaktere in der Nähe des Meeres leben, wird es wahrscheinlich weniger Zeit als fast überall sonst dauern, aber die Mittel werden wahrscheinlich Segelschiff und Galeere sein. Das bedeutet, dass die Fahrten durch die Launen des Windes und die Stärke der Ruderer verzögert werden und auf Wind und Flut reagieren müssen; die Charaktere können nicht einfach gehen, wann immer sie wollen. Schiffe können auch Monate auf See verbringen, wenn sie auf einer Reise über einen Ozean sind, der so breit ist wie der Atlantik, und vom Kurs gesprengt oder vollständig von Stürmen zerstört werden. Es gibt auch das Risiko von Krankheiten an Bord des Schiffes und Meuterei von Matrosen, die nicht gut behandelt werden, und das Risiko der Piraterie. Seereisen sollten niemals völlig sicher sein.


    An Land und ohne Magie wird es zu Fuß Reisen geben; von Pferden und ähnlichen Tieren; und von Wagen und Kutschen, die von Tieren gezogen werden. Und das ist es. Wenn deine Charaktere Bauern sind, können sie sich wahrscheinlich keine Kutschen leisten, und jede Person von niedriger Geburt, die ein feines Pferd reitet, läuft Gefahr, als Pferdedieb angeklagt zu werden, auch wenn er es nicht ist. Pferdediebstähle waren ein schweres Verbrechen und konnten mit dem Tod bestraft werden.


    Edle Charaktere können sich wahrscheinlich Kutschen und Pferde ohne Probleme leisten, aber es ist immer noch eine unbequeme Art zu reisen und kann Tage oder Wochen dauern, um das Ziel zu erreichen. Es gibt auch Gefahren auf der Straße. Viele Ritter im Mittelalter unserer Welt haben es sich zur Gewohnheit gemacht, edle Geiseln zu entführen, um Lösegeld zu erpressen, und Wegelagerer würden rauben, vergewaltigen und töten, wenn sie damit durchkommen könnten. Frauen sollten niemals unbegleitet von Männern reisen, wenn sie nicht durch schwere Magie geschützt sind. Sie würden ein zu verlockendes Ziel für Raub und Vergewaltigung machen, und selbst wenn sie Adlige sind und Lösegelder im Spiel sind, werden ihre Entführer sie unwahrscheinlich sonderlich zimperlich behandeln, während sie sich in ihrer Obhut befinden.


    6) Denke daran, dass die meisten mittelalterlichen Gesellschaften sehr hierarchisch sind.


    Das bedeutet, dass keine zufälligen Bauern hereinkommen, um den König zu sehen, weil ihnen gerade danach ist. Ein Königsumschritt von Dorf zu Dorf wäre eine Sache, aber in den meisten gewöhnlichen Situationen wären die Bauern weit entfernt von den Machtzentren und können den König nur als Gerücht und als entfernten Namen kennen, wie den Papst. Wenn sie Leibeigene sind, wären sie an das Land gebunden und könnten es nicht einfach verlassen, um Gerechtigkeit zu fordern. Selbst Freisassen müssten wahrscheinlich viel mehr Geld für Reisekosten und mehr Zeit weg von ihren Feldern ausgeben, als es ihnen wert wäre.


    Adlige in einer absoluten Monarchie werden mehr Chancen haben, königliche Gunst zu gewinnen, aber sie werden sie immer noch gewinnen müssen. Wenn ein generisches feuriges Girl die Aufmerksamkeit des Königs auf sich zieht, nur indem sie feurig ist, suche ich in den Himmel der Fantasy-Welt nach fliegenden Schweinen ab. Ein besonders hübsches Mädchen könnte mehr Aufmerksamkeit gewinnen, aber da arrangierte Ehen in der mittelalterlichen Gesellschaft üblich waren, würde sie eher als Geliebte denn als Ehefrau enden. Bestechungsgelder, familiäre Verbindungen, Demonstrationen von Reichtum und Macht und Manipulationen wären das Mittel, um die Gunst des Königs zu gewinnen und in hohe Positionen zu klettern, und niemand sollte ohne jeden Grund anfangen, über soziale Klassen zu springen.


    Schließlich sollte es nicht so einfach sein, aus einer sozialen Klasse in eine andere zu übergehen. Zum einen: wie würden sie die richtige Kleidung bekommen? England hatte tatsächlich Luxusgesetze, die detailliert auflegen, was Mitglieder bestimmter sozialer Klassen tragen könnten und viele der feineren Tücher würden außerhalb der Preisklasse eines Bauern liegen. Bauern, die von Adligen stehlen, könnten schwere Gerechtigkeit erwarten, wenn sie überhaupt Gerechtigkeit erlangen. Ebenso war es Adligen verboten, sich als Bauern verkleiden. Zum anderen wüssten sie nichts über die Manieren des anderen. Dies wird in der Fantasy oft mit Bauern dargestellt, die auf komödiantische Art und Weise nichts von Dingen wie Besteck wissen, aber es funktioniert auch umgekehrt; Adlige auf landwirtschaftlichen Betrieben würden Schweine-Latrinen nicht richtig reinigen, geschweige denn eine komplexere Aufgabe.


    Ich habe wahrscheinlich nicht alles erwischt, aber ich denke, ich habe das meiste von dem ins Visier genommen, was mir an mittelalterlichen Fantasy-Werken am meisten nervt.

    Geographie
    Zuerst einige Zeilen von Swinburne, aus "Aholibah".


    Seltsame Roben, einer Braut gleich, bekleiden dich,
    Mit Seiden zum Tragen an Händen und Füßen
    Und Teller mit herrlichem Kupferstich:
    Wein machte dich froh, und du nährtest
    Dich von Honig und Fleisch, das du gerne verzehrtest.


    Und Die Fischer in der Mittleren See
    Sie bekamen den See-fisch und das See-kraut ins Schiff
    Von der Farbe wie die Robe die an dir ich seh;
    Und wundersames Handwerk aus geflochtenem Riff,
    Und Wolle, deren lebender Purpur blutet.


    Vom Rand deines Bechers kann ich erzählen
    Wie Männer wundersames schlugen golden und alt,
    Starke Schlangen ranken mit erhobenen Kehlen,
    Große Augen, auf denen Brauen sich hielten,
    Und Schuppiges, wo der Schleim bleibt kalt.


    Denn sie wehten mit sanftem Wind in Flöten
    Und mahlten Süßwurzeln für gerissenen Duft;
    Verlangsamt, denn es war viel Kitt vonnöten,
    In deinen Kammern zog der Wind in die Luft
    Darin kein Licht gewaltsam drang.


    1) Lasst euch nicht durch mangelnde künstlerische Fähigkeiten davon abhalten, eine Karte zu erstellen.


    Eine Karte ist manchmal das Letzte, was für eine Fantasywelt erstellt wird, aber du solltest von Anfang an versuchen, ein gutes Bild davon zu haben, wie deine Welt aussieht. Notiere dir eine Beschreibung, wenn du nicht glaubst, dass du eine gute Zeichnung machen kannst. Perfektion ist nicht zu erwarten, aber du solltest versuchen, die offensichtlichen Fehler zu vermeiden, so dass sie dich später nicht in Schwierigkeiten bringen.


    Wenn du feststellst, dass es besser für dich funktioniert, die Geographie deiner Fantasywelt im Laufe der Geschichte einzurichten, dann mach dir Notizen, wenn du ein wichtiges geografisches Merkmal erwähnst. Das wird dich davon abhalten, ein Gebirge zu vergessen oder zu vergessen, wo zwei Länder im Verhältnis zueinander liegen.


    2) Wähle logische Grenzen zwischen Nationen.


    Gebirge und Flüsse bilden natürliche Grenzen, ebenso wie Buchten und Binnenmeere. Wälder könnten als Grenze geeignet sein, wenn die Länder sich auf die Seite des Waldes einigen können, wo ihr Territorium beginnt. Wenn es jedoch lange Grünlandflächen gibt oder wenn beide Länder ein bestimmtes Stück Land beanspruchen, sind Grenzen bestenfalls eine Schätzung durch den Kartenmacher. Behalte das im Auge, wenn du so etwas wie die Flucht eines Kriminellen zwischen Ländern beschreibst. Er ist nicht sicher sobald er "die Grenze überquert hat", wenn es keine Möglichkeit gibt, zu sagen, wo die Grenze liegt, und wenn seine Verfolger überzeugende Argumente liefern, um ihn teilweise über die imaginäre Linie zu jagen.


    Es hat auch keinen Sinn, irgendwo eine Grenzziehung zu verordnen, nur weil jemandem danach ist, wenn geografische Merkmale dabei völlig ignoriert bleiben. Ich habe Fantasykarten kennengelernt, bei denen es keinen Grund zu geben scheint, warum ein Königreich sich bis zur Linie eines Flusses ausdehnen sollte, aber aus irgendeinem Grund hält die Grenze kurz vor dem Fluss, und beide Ufer des Flusses befinden sich im selben Land. In anderen Fällen beinhaltet ein Königreich eine Bergkette oder ein gutes Stück Wald, aber lassen ein winziges Stückchen Küste ihren Nachbarn. Wenn es historische Gründe gibt, die die geographischen Gründe außer Kraft setzen, solltest du dir diese vorstellen. Menschen haben in der Regel Gründe, die Grenzen der Nationen zu definieren und zu verteidigen; sie kommen nicht einfach aus heiterem Himmel.


    3) Schau dir die Strecken deiner Flüsse genau an.


    Manchmal wandern die Flüsse in alle verdammten Himmelsrichtungen und gleichzeitig sind weder ein See noch ein Meer in Sicht. Andere Male fließen sie in Richtung der Berge statt weg. Denke daran, dass Flüsse eine vernünftige Quelle benötigen. Berge sind wegen der Schneeschmelze sehr geeignet als Quelle. Flüsse brauchen auch ein vernünftiges Ziel. Auch hier ist ein Meer oder ein See möglich, oder sogar ein Delta, das sich ins Meer öffnet, aber nicht diese Ziele liegen nicht einfach irgendwo. Regenfälle allein können nicht mehr als eine vorübergehende Sturzflut in einer Schlucht produzieren, wie man sie in einer Wüste bekommt. Um einen Fluss allein aus Regen zu schaffen, müssten die Stürme mehr oder weniger konstant sein.


    Denkt auch daran, dass Flüsse bergab laufen, dank der Anziehungskraft der Schwerkraft. Flüsse können nach Norden fließen, wie der Nil in unserer Welt, aber sie können immer noch nicht bergauf gehen. Wenn deine Helden von einer Stadt am Fluss in die Berge gehen, brauchen sie Ruder oder einen starken Wind, da sie gegen den Sog der Strömung gehen. Zumindest sollten sie das.


    Diese Art von Detail ist etwas, das Leute in der Regel leicht als Konzept erfassen, aber es ist nur allzu einfach, in der Praxis dann über jemanden zu schreiben, der fröhlich mit der Strömung in die Berge schwebt.


    4) Setz deine Bergketten nicht zu sauber auf die Karte.


    Bereiche, die in einer geraden Linie ohne eine einzige Abweichung verlaufen, sind in der Fantasy allzu häufig, ebenso wie Bereiche im rechten Winkel zueinander. (Die Landkarte von "Rad der Zeit" stellt eine ausgezeichnete und sehr unnatürliche Darstellung solcher rechten Winkel dar). Es ist unwahrscheinlich, dass die Berge in irgendeinem Land mit normaler Entwicklung von Gebirgsketten so ordentlich verlaufen würden und die meiste Zeit gibt es wirklich keinen Grund, sie so aufzustellen, ohne besonderen Zweck für die Helden oder das Land. Autoren zeichnen sie einfach so, viel ordentlicher als in der Natur.


    Vielleicht hast du nicht das Gefühl, dass du in der Lage bist, jede Biegung und Drehung und Dehnung der Gebirgsketten auf deiner Karte zu zeigen, aber wenn du über sie in deiner Geschichte schreibst, erwähne, dass es abgelegene Gipfel gibt und einige, die viel deutlicher zu sehen sind als andere. Schreiben kann ein Gefühl von Natürlichkeit und Leichtigkeit vermitteln, die das Zeichnen nicht kann, besonders wenn du keine Kartographiekenntnisse hast (siehe Punkt 1). Wenn sich deine Helden den Bergen aber alle zur gleichen Zeit nähern, oder vor allem, wenn sie irgendwie direkt vom flachen Land in die Berge gehen, ohne zwischendrin an Ausläufern oder irgendeinen Anstieg im Boden vorbeizukommen, dann klingt es viel mehr wie ein ohne jede Subtilität einfach mal herbeikonstruiertes Land.


    5) Steck deine Sümpfe und Wüsten nicht einfach mitten ins Nirgendwo.


    Wüsten entstehen aus einer Vielzahl von Gründen. Wenn das Land überweidet ist, dann ist es wahrscheinlicher, dass der Regen die nährstoffreichen oberen Bodenschichten wegspült und der Boden auf diese Art unfruchtbar wird. Im Regenschatten der Berge wird das Land nicht so viel Feuchtigkeit bekommen und so kann die Wüste vorrücken. Land, das Teil von etwas anderem ist, wie Prärie, aber nicht viel Regen bekommt, kann auch anfangen, sich in diese Richtung zu entwickeln. Wüsten sollten jedoch nicht mitten im Nirgendwo stehen, insbesondere nicht neben einer wohlhabenden Stadt oder fruchtbaren Feldern ohne Übergang. Auch das erinnert an ein herbeikonstruiertes Land. Wenn du planst, eine Wüste einzubauen, frage dich, warum sie ist, wo sie ist, und ob es eine natürliche (oder magische) Erklärung dafür gibt.


    Bei Sümpfen ist das anders. Sie brauchen Wasser, einen niedrigen Platz im Boden, wo Wasser liegen bleibt, und oft auch Wärme. Wenn du einen Sumpf in weiter Entfernung von Wasserkörpern jeder Art hast, wie im Namen jener Gottheit die deine Charaktere anbeten, ist der Sumpf bitte dort hingekommen? Auch, wenn du einen Sumpf in der Nähe der Berge hast, wie kam er dorthin? Wahrscheinlich ist der beste Ort für einen Sumpf in der Nähe eines Deltas, wo Wasser aus einem Fluss ins Meer fliesst, der Boden niedrig ist, und oft ziemlich tropische Bedingungen vorherrschen. Sümpfe können an anderen Orten zu finden sein, sollten aber nicht nur in jede Himmelsrichtung gestreut werden.


    6) Denk daran, dass die Geographie die Siedlungen beeinflusst.


    Die idealen Orte für Städte, die nicht über ein hohes Maß an Technologie (oder Magie) verfügen, um sie zu erhalten, sind an Flüssen, in der Nähe von Ozeanen und in der Nähe von Orten, an denen Flüsse in Ozeane fließen. Dies bietet mehrere Vorteile, darunter Handel, einfache Reise, Essen und, in einer Flussstadt, Süßwasser.


    Wenn du eine Stadt mitten im Nirgendwo hast, warum ist sie dann da? Wie kann sie ihre Existenz aufrechterhalten? Woher kommt das Wasser, woher kommt die Nahrung, woher kommen Baustoffe? In solchen Fällen wäre eine Stadt fast vollständig von den Feldern um sie herum abhängig, und wahrscheinlich von denen, die Holz oder Stein aus großer Entfernung verkauften. Dies wäre ein fataler Nachteil, wenn eine erobernde Armee dorthin marschierte, es sei denn, die Stadt kümmerte sich darum, etwas Nahrung in Getreidespeicher zu legen, die allerdings Ziel von Unruhen werden könnten. Und der Wassermangel wäre jederzeit eine absolut inakzeptable Schwachstelle. Es müsste Wasser irgendeiner Art geben, auch wenn es aus unterirdischen Quellen stammt.


    Bauerndörfer können sich viel leichter ernähren, aber die Menschen dort widmen sich der Pflege des Landes und dem Anbau von Lebensmitteln, womit die Menschen in einer Stadt normalerweise nicht viel Zeit verbringen. Auch gibt es weniger Menschen, so dass sie leichter von dem Wasser eines winzigen Flusses überleben können, und die Häuser in einem Bauerndorf sind in der Regel einfacher, nicht aus den teuren Steinen gebaut, die viele Städte in Fantasyländern mit Selbstverständlichkeit verwenden. Bevor du eine Stadt auf einem Land errichten, das nur ein Bauerndorf aufrechterhalten könnte, frage dich, wie sie es überhaupt geschafft haben, es zu bauen, und was es für einen zwingenden Grund gab, dass die Stadt dort errichtet werden musste, und nicht an einem Punkt, der viel näher an der Küste liegt, wo der Fluss ins Meer mündet.


    7) Überlege, wie sich die Geographie auf den Handel auswirken wird.


    Wie oben erwähnt, ist es einfach, in Städte zu reisen, die einen Durchlass zum Wasser haben. Was passiert, wenn eine Stadt mitten im Nirgendwo liegt, oder sogar in den hohen Bergen oder einem anderen Ort, der nur durch lange Tage schwieriger Reisen zu erreichen ist? Es ist unwahrscheinlich, dass sie viele Besucher bekommen oder sich im Handel selbst unterstützen können. Die meisten der verkauften Waren wären wahrscheinlich Lebensmittel, und reiche Ornamente und andere Luxusgüter wären besonders selten. Wenn Händler sich ohnehin die Mühe gemacht haben, eine Handelsroute zur Stadt zu bauen, dann sollte deine Stadt in der Lage sein, einige prächtige Waren zu produzieren, sodass die lockenden Reichtümer das Risiko wert machen.


    Schau dir das umgebende Land an, auf dem du deine Stadt platzierst; das wird dir einige Ideen dazu liefern, was dort angebaut, produziert oder gefunden wird, um den Handel zu befeuern. Berge können Metall und Edelsteine liefern. Eine Stadt in der Wüste kann seltene Früchte anbauen - vielleicht haben die Menschen in anderen Teilen der Welt ein echtes Verlangen nach stacheligen Birnen, feinen Pferden und vielleicht Glas, wenn der Sand es hergibt. Städte inmitten fruchtbarer Böden werden Lebensmittel exportieren und lassen sich in erster Linie Waren liefern, die sie sich mit ihrer Technologie nicht selbst schaffen können. Standorte in der Nähe von Wäldern handeln mit Holz, Häuten und Fleisch und hängen deshalb beim Handel von diesen Dingen ab. Fluss- und Küstenstädte werden Fisch und andere Meeresfrüchte haben, und natürlich die Zölle, die sie von den Händlern selbst einstreichen. Und es gibt immer Magie, auf die man zurückgreifen kann. Vielleicht ist deine Stadt mitten in den Bergen, weil Magie von der Höhe in der Welt abhängt und dort am besten funktioniert. Die Magier könnten magische Dinge erschaffen, die die Händler für die gefährliche Wanderung mehr als entlohnen.


    Geographie kann die Antwort auf viele subtile Probleme in einer Fantasy-Geschichte sein, solange sie richtig gehandhabt wird.

    Diesmal kein Kommentar, wollte nur kurz vermelden, dass ich mir diesen Witz mit dem "Rennen" nicht verkneifen konnte und hoffe, damit niemanden allzusehr verwirrt oder genervt zu haben. Ist ja nicht ganz meine Zielsetzung, den Rant auf diese Weise zu verunzieren. :pfeif:

    Wetter


    Wieder gilt unser Augenmerk dem Himmel, aber zuerst ein Vers aus Swinburnes "Dolores", der sehr weit vom Himmel entfernt ist.


    Sieben Sorgen geben die Priester ihrer Jungfrau Maria;
    Aber eure Sünden, die siebzigmal siebenzehn sind,
    Sieben Altersstufen würden sie nicht tilgen,
    Und dann verfolgten sie euch im Himmel:


    Grimmige Mitternachten und hungernde Morgenstunden,
    Und die Lieben, die vervollständigen und kontrollieren
    Jegliche Freuden des Fleisches, alle Sorgen
    Die verschleißen die Seele.


    Wie im Essay über die Astronomie geht es hier um sachliche Fehler. Wenn euch sachliche Fehler meinerseits auffallen, sagt es mir bitte.


    1. Gebt eurem Land kein unnatürliches Wetter, es sei denn, es gibt eine magische Erklärung.


    So offensichtlich dieser Tipp erscheint, manchmal opfern neue Fantasy-Autoren die Realität um der Bequemlichkeit willen, vor allem wenn ihre Helden auf einer langen Reise sind. Geht es durch die Berge? Kein Problem! Entfernt einfach den Schnee, der dort das ganze Jahr über liegt und macht so die Reise, selbst im Winter, einfach und angenehm. Geht es durch die Wüste? Kein Thema! Wasserquellen tauchen immer gerade noch rechtzeitig auf und scheinen nie durch die Hitze am Tag oder die Kälte bei Nacht in Gefahr zu sein, auch wenn niemand in der Gruppe jemals zuvor eine Wüste bereist hat. Oft sind die Folgen einer solchen Einmischung weniger dramatisch, aber sie garantieren immer noch, dass reisende Helden nie durch Wetterbedingungen reisen, die mehr bewirken als malerische Effekte.


    Behaltet ein Auge darauf, wie viel Zeit in eurer Geschichte verstrichen ist, sowie auf Aussagen, die ihr selbst darüber macht. Mitten in der Regenzeit ist eine drei-monatige Reise, bei der die Charaktere nie Regen begegnen, nicht sinnvoll. Hohe Gebirge sind auch im Sommer sinnvollerweise nicht leicht zu durchqueren. Wenn euch die Wetterbedingungen in einem Land nicht vertraut sind, forscht nach. Die Vorteile einer Art von Gelände ohne die Unannehmlichkeiten haben zu wollen, ist ein Versuch, alles auf einmal haben zu wollen.


    2. Vergesst nicht, welches Wetter gerade ist.


    Es passiert uns Autoren so schnell. Ich habe in einem Absatz ein Unwetter beschrieben und fast sofort wieder vergessen, als ich dann beschreiben wollte, wie die Sonne auf einer Oberfläche glitzert. Ich habe ein paar Bücher gelesen, wo ein Satz besagt, dass es schneit und ein paar Sätze weiter, dass die Helden in ohne weiteres bis zum Horizont blicken.


    Wenn es hilft, schreibt euch Notizen in der Mitte einer Szene, wie: "Vergiss nicht, es regnet." Dies mag offensichtlich und einfach erscheinen, aber einfache und offensichtliche Details, wie Helden, die sich inmitten brühender Sonne ohne Schatten kühl fühlen, erinnern die Leser unangenehm daran, dass alles Vorspiegelung und Phantasie ist.


    3. Vergesst auch nicht die Folgen des Wetters.


    Vielleicht ist die Vorstellung einer Reise durch Regen bei Nacht unangenehm, weil eben die Sichtbarkeit so schlecht ist. Also beginnen die Helden erst dann auf ihrem Weg, nachdem der Regen aufgehört hat. Allerdings hätte der Boden nicht aufhören sollen, feucht zu sein, nur weil der Regen nicht mehr fällt. Denkt an Zeiten, als ihr nach einem schweren Sturm nach draußen gegangen seid. Wenn ihr einem vollgepackten Feldweg folgt, wäre der nun Schlamm. Gras ist glatt und anfällig für stehende Pfützen in niedrigen Lagen. Die Wanderpfade sind an Hängen besonders gefährlich geworden, vor allem für Pferde. In einer Fantasywelt ohne Bürgersteige oder viele asphaltierte Straßen, wäre das Gehen noch rauer.


    Wenn ein Schneesturm aufgehört hat, ist es höchst unwahrscheinlich, dass der Schnee einfach wegschmilzt. Dafür braucht es starke Sonneneinstrahlung und wärmere Luft, und selbst dann wird der Schnee in tückischen Schlammhaufen liegenbleiben. In Fällen, in denen der Himmel bewölkt oder es sonnig und kalt ist, bleibt der Schnee überall und kann die Durchquerung sehr erschweren. Je tiefer der Schnee ist, desto mehr Aufwand ist nötig, um durchzukommen. Strecken, die unter um in trockenen Bedingungen stundenlang durchwandert werden, sind mit Schneedecke auf einmal eine Tagesreise. Schnee kostet die Helden Zeit oder sollte es zumindest. Wenn sie irgendwie in der Lage sind, eine Stadt schneller zu erreichen, als sie es könnten, wenn der Boden freigelegt wäre, stimmt etwas nicht. (Pferde werden auch durch Schnee gebremst und tauchen ihren Huf mit einiger Wahrscheinlichkeit in ein verstecktes Loch und brechen sich dabei ein Bein; sie können tatsächlich eher eine Hinderung als eine Hilfe sein).


    4. Das Wetter wird den Marsch der meisten Armeen beeinflussen.


    Nur wenige Fantasy-Armeen sollten im Winter angreifen, es sei denn, sie haben Tricks, um dem Schnee entgegenzuwirken. Und dies sollte nur geschehen, wenn sie aus Ländern kommen, in denen die Winter schwer sind, und sie daher Grund hätten, solche Tricks zu entwickeln. Traditionell ist der Frühling die Saison des Krieges, nicht nur aus dem Bedürfnis der Herrscher, ihre eigenen Vorräte und Soldaten im Winter zu erhalten, sondern weil es wirklich schwer ist, in Schnee eine Armee ohne Technologie zu manövrieren.


    Selbst nach Anbruch des Frühlings könnte es der Armee kaum gelingen, sich schnell zu bewegen. Bäche, die im Frühjahr dank Schneeschmelze angeschwollen sind, werden nicht leicht zu überqueren sein. Auch werden Soldaten nicht in der Lage sein, sich schnell in den heftigen Regenfällen zu bewegen, die der Frühling in die vielen Gebiete der gemäßigten Klimazonen bringt, samt den Schlammlawinen und Dreck, die Straßen aus Schmutz und den Landschaften, wo der Boden reich an Ton ist. Im Sommer stellt die brühende Hitze ihre eigenen Probleme dar. In einem Land wie einer Wüste oder einem Dschungel, in dem sich die Jahreszeiten weniger ändern, werden dies keine Probleme im gleichen Ausmaß sein, aber die Hitze und (im Dschungel), sowie die Dicke der Bäume und der Regen werden ihre eigenen Herausforderungen darstellen.


    5. Oft scheinen Helden nicht für das Wetter gerüstet zu sein.


    Es ist bemerkenswert, wie viele Fantasy-Charaktere in Sommerkleidung in Schneestürme gehen und dennoch mit nichts Schlimmerem als Erfrierungen auftauchen (Erfrierungen können sehr schwer sein und dazu führen, dass Menschen Finger und Zehen verlieren). Wenn eure Helden durch Berge trampeln, erwähnt zumindest im Vorübergehen warme Kleidung und Kletterausrüstung. Wenn sie Wälder durchqueren, werden sie wahrscheinlich Ausrüstung in Grün- und Brauntönen und Macheten wollen, um das Unterholz zu schneiden. Unter hellen Fahnen und in bunten Gewändern zu marschieren ist sehr fein, es sei denn, die Charaktere sind bereits Teil einer siegreichen Armee und können es sich leisten, sich Zeit zu nehmen, es ist jedoch für den größten Teil des Bodens, den sie überqueren, nicht praktisch.


    In ähnlicher Weise wird das Wetter die Verfügbarkeit von Vorräten beeinflussen, die die Helden brauchen. Wenn es den ganzen Tag geregnet hat, wird das Holz, das sie sammeln, nass und nicht so gut für ein Feuer sein. Ebenso werden sich viele Tiere an ihre Löcher halten, und es wird nicht einfach sein, zu jagen. Essen wie Beeren bei einem solchen Wetter zu sammeln, macht auch keinen Spaß. Wenn es schneit und der Schnee in schweren Verwehungen kommt, werden die Menschen zurückbleiben, während ihnen das Reh davonfliegt. Wenn der Schnee gefroren ist, mit einer Glasur auf der Oberseite, dann wird das Reh durchbrechen und gestrandet werden, aber auch die Pferde oder Menschen ohne Schneeschuhe. (Pumas können andererseits entlang der Oberfläche traben). Eure Fantasy-Helden sollten Pläne machen, damit umzugehen, sich nicht auf geheime Vorräte aus wundersam trockenem Holz und verstecktem Fleisch zu verlassen, oder bereit sein, für eine Weile auf Feuer und frisches Fleisch zu verzichten.


    6. Das Wetter kann auch ein Verbündeter sein.


    Wenn die Helden eine Wasserkrise in einer Belagerung haben, kann Regen eine Rettung darstellen. Sonnenlicht kann einen nassen Bereich austrocknen, so dass eine Armee wieder zuverlässig sein kann, aufzusatteln. Schnee kann eine feindliche Armee daran hindern, anzugreifen und eine verwundbare Gruppe kann dank Schnee ein wenig mehr Zeit zu gewinnen, um sich vorzubereiten. Solange es nicht immer (oder zu offensichtlich) den besten Interessen der Helden dient, ist das Wetter eine gute Möglichkeit, deinen Helden leid zu tun oder ihnen sogar einen Vorteil zu verschaffen. Als natürliches Phänomen ist Wetter glaubwürdiger als Magier, die in der Lage sind, magische Feuerstürme aus ihren **** zu ziehen. Wenn das Wetter magisch ist, dann ist es immer noch eine subtilere Art, den Feind zu bekämpfen als die immergleichen magischen Feuerstürme, und fügt auch etwas Abwechslung zu euren Actionszenen hinzu.


    7. Wenn ihr ungewöhnliche Orte in eurer Fantasywelt habt, überlegt, welche Art von Wetter sie haben.


    (Anm.d.Übs.: ich übersetze hier mal das Wort „race“ als Rennen, lol): Wenn ihr ein Rennen habt, das weit unter der Erde lebt stattfindet, werden sie die Teilnehmer des Rennens offensichtlich nicht viel über Jahreszeiten wissen, und sie hätten keinen Grund, Häuser mit Dachrinnen oder spitzen Dächern zu bauen, um Regen oder Schnee fernzuhalten. Elfen, die mitten in einem Wald bauen, müssen dagegen mit Blick auf Regen von oben bauen, und möglicherweise Schnee, wenn sie dafür weit genug nördlich leben. Wenn ihre Häuser Flachdächer haben, warum ist das dann so? Haben sie Dachrinnen oder eine andere, magische Methode, um die überschüssige Feuchtigkeit loszuwerden?


    Wenn ihr die Natur der Häuser komplett ändert und eine einzigartige Architektur für eine Rasse oder Eine Gruppe von Menschen habt, dann überlegt, wie das in das Wetter um sie herum passt. Vielleicht habt ihr eine Rasse von Menschen mit Adler-Vorfahren, die meilenweit in alle Richtungen blicken, so dass sie weit geöffnete Häuser auf Hügeln bauen. Dies macht sie jedoch anfällig für Wind und Wetter (für jegliches Wetter, dass der Wind zu ihnen trägt). Wenn die Hügel hoch genug wären, wären die Häuser auch nicht sehr warm. Haben sie vielleicht nichts gegen den Wind? Haben sie eine andere, magische Methode, der Kälte zu widerstehen? Oder leben sie an einem Ort, an dem diese Art von Wetter kein Problem ist, und warum? All diese Dinge sollten bei der Anpassung der Architektur berücksichtigt werden, damit ihr nicht mit einer Konstruktion endet, die in der Theorie absolut schön, aber in der Praxis nutzlos ist.


    8. Geografische Eigenschaften können das Wetter verändern.


    Es ist möglich, ein blühendes Ackerland an der Küste zu haben, auch wenn es im Rest eines Landes kalt ist, solange eine warme Strömung die Küste hinaufläuft und das Wetter dort lau ist. Ebenso ist es möglich, sehr gutes Land auf der einen Seite einer Reihe von Bergen und armen Boden auf der anderen Seite zu haben. Wenn Regenwolken über Berge ziehen, wird die Feuchtigkeit aus ihnen herausgedrückt, und der Teil eines Landes im "Regenschatten" des Gebirges wird nicht so schwer fallen wie das Land auf beiden Seiten. Dies könnte als Leitfaden dienen, das Wüstenreich zu platzieren, wo ihr es wollt.


    Berücksichtigt auch die Richtung des Windes. Wenn ihr einen Ozean in der Nähe habt, könnten Stürme von dort hereinschlagen. Wenn ihr ein bergiges Land habt, wird es in den Tälern ruhiger zugehen als in den Gipfeln, da die Massen der Berge helfen werden, die Täler vor dem schlimmsten Wind abzuschirmen. Auf der anderen Seite wird eine offene Ebene ohne Hindernisse für den Wind wahrscheinlich von unglaublichen Stürmen heimgesucht werden.


    Das waren nur ein paar weitere Details, um die Fantasywelt realistischer zu machen, und um zu wissen, ob eure Helden an einem bestimmten Tag Rehe jagen könnten oder aus welcher Richtung der Wind wahrscheinlich kommen wird.

    Ach stimmt, 'Miss Schund' gabs ja auch noch. Hatte ich schon wieder verdrängt. Ich hab mich echt gefragt, ob sie das ernst meint, oder ob das irgendein Insider war, den ich nicht verstehe. Wow, wie war das mit der Sympathie?


    Edit: Also es ist mir schon klar, dass das Deine Übersetzung ist, die ich da lese, aber ich hatte mir bislang noch keine Gedanken über Deine Übersetzungsprinzipien gemacht. Ich komme ja von Bibelübersetzungen (ich habe auch angefangen, Griechisch zu lernen, lang ists her), eigentlich müsste ich da sensibler sein. Naja. Wenn ich irgendwann wieder was von ihr lesen sollte, das mich stutzig macht, werd ich mal das Original angucken. Hoffentlich bereue ich das nicht ._.

    Im Original "Miss Sucky" vom Wort "sucks". Das Verb "suck" wird oft verwendet, wenn irgendetwas nervt oder schlecht oder mies ist. Wenn ich "Mr. and Mrs. Suck" ins Deutsche übersetze, dann sind das eben Herr und Frau ...Schlecht oder Rotz oder Mist oder Müll usw. Mir schien Limyaael's Wortwahl eventuell eine Anspielung auf die Protagonistin von True Blood- Sookie Stackhouse- zu sein (Sookie wird in etwa so ausgesprochen wie Sucky) aber inzwischen bin ich recht sicher, dass das ein Zufall ist. "Miss Schund" schien einfach sinnvoll als Übersetzung. :)

    @Gwee

    Gweeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeee :lol: :hops: :fluecht:

    Wenn eine Geschichte auf Tolkien-Klischees aufbaut (z.B. Elfen und Orks), dann ist es gut, zu wissen, was es in diesem Genre schon gab, damit nicht "nochmal das Gleiche" gebastelt wird.

    Aber TV-Tropes zeigt dir ja nicht in diesem Sinn "was es in diesem Genre schon gab". Bei kleineren Tropes gibt es zuviele Aspekte einer Geschichte, als das du sie auf TV-Tropes finden kannst. Bei Werk-definierenden Tropes, also bei Aspekten einer Geschichte, die das Werk sofort wiedererkennbar machen ("ah, das ist das Werk wo die Goblins eine hochelfenartige Hochkultur haben") kannst du mit TV-Tropes vielleicht juristischen Krach vermeiden. Aber es gibt mittlerweile so viele Werke, der Markt ist so riesig, dass dein Publikum vieles nicht kennt, obwohl es anderswo auch vorkommt. Und da du deine Idee auf endlose Art verfeinern und variieren kannst, wirst du auf keinen Fall versehentlich "nochmal das Gleiche" basteln, es sei denn, du hast die richtig richtig bekannten Werke nicht gelesen. Und da kannst du auch gleich diese richtig bekannten Werke (oder kostenlose Rezensionen davon) lesen statt TV-Tropes. :lol:

    Ach naja, also beleidigen tut sie ja nicht.

    Tut sie wohl. Ich zensiere manche ihrer beleidigenderen Aussagen, aber selbst in meiner Fassung kommen noch so Phrasen wie "Miss Schund" vor. Und dann allein schon die Meinungen zu Teenie-Autorinnen, die sind auch ziemlich beleidigend.

    Und das ist ja Sinn Deiner Übersetzung und dem Posten dieser in diesem Forum, dass man sich damit auseinandersetzt (denke ich).

    Yepp, stimmt genau.

    Keine Ahnung wann ich dazu komme, ich habe eigentlich genug zu tun.

    Ach, keine Eile. Nett das Leute noch lesen. :)

    Mein Eindruck ist, das Limyaael eine zeitlang wichtig war, aber es mittlerweile "bessere Rants" gibt, aus allen möglichen spezielleren Expertisen herkommend.

    Oh, da kenne ich mich gar nicht aus. Ich habe seit Ewigkeiten nicht mehr wirklich Kontakt mit "Fandom" gehabt, zu viel um die Ohren. Welche spezielleren Expertisen sind denn das?

    TV-Tropes ist zudem selbst ja noch viel einflussreicher, und dem steh ich kritisch gegenüber. Hab manchmal den Eindruck, Leute schauen sich zuerst hunderte Tropes an, bevor sie losschreiben, oder so, und ich hab das Gefühl, da werden Schienen im Kopf gelegt, die nicht sein müssten.

    TV-Tropes hat aus meiner Sicht genau eine sinnvolle Verwendungsweise: wenn du auf eine Trope klickst, bekommst du diverse Werke angezeigt, die diese Trope beinhalten und dadurch kannst du Dinge finden, die zu deinem Geschmack passen. Das eignet sich sowohl für's Schreiben (nachschauen, wie andere Leute dasselbe Ding umgesetzt haben) als auch für Leseratten (Kunden die dieses Buch mochten, mochten auch...).




    Ich weiss nicht, ob das Problem mit TV-Tropes unbedingt "Schienen im Kopf" sind, denn die Tropes sind ein einziges Wirrwarr. Ich bin mir nicht sicher, ob irgendjemand auch nur ansatzweise irgendeine Theorie daraus bilden kann.
    Das Problem mit TV-Tropes ist aus meiner Sicht (führt jetzt vielleicht am Sinn dieses Limyaael-Threads vorbei...) ist halt, dass die Website die Wahrnehmung erzeugt, dass diese Tropes in sich irgendeine Bedeutung haben. Ich kann das auch fachlicher sagen: TV-Tropes regt zur Essentialisierung an. Ich meine, sagt uns diese Trope zum Beispiel irgendwas? Oder diese Trope? Oder diese? Das sind doch alles einfach nur...Dinge, die in Geschichten manchmal auftauchen. Und wir lernen daraus wenig bis gar nichts. Es ist einfach ein wiederkehrendes Ding...aber die Versuchung, in solchen Tropes irgendein Muster erkennen zu wollen ist stark. Und manchmal gibt es so ein Muster, aber manchmal nicht. Letztlich lernen wir aus TV-Tropes nicht, wie wir den Unterschied erkennen. Oder wie wir irgendwas erkennen...ausser Dinge wiederzuerkennen. Wieder und wieder wiederzuerkennen. "Ah ja, diese Sache gibt es mindestens in diesen 20 Werken!" Tja, mehr lernen wir nicht. ;D


    Das halt also das Resultat, dass sich manche Leute super-schlau vorkommen, weil sie jahrelang diese Website gelesen haben. Und eigentlich haben sie nur gelernt, was alles so in Geschichten vorkommt...und vielleicht auch ein Haufen Schlagworte, die jedes dieses vorkommenden Sachen benennt. :lol:

    (Auf der anderen Seite macht es Geschichten sicher spannender, wenn Leute wissen, was es schon gab, und darauf aufbauen.)

    Da widerspreche ich mal ein bisschen.
    Es gibt Momente, wo ich von einer Geschichte erwarte, dass sie Neuland betritt: wenn die Charakterisierung dadurch besser wird. Zum Beispiel wenn die Musik nicht einfach dieselbe generische Musik ist, die Leute in gruseligen oder lustigen oder epischen Momenten abspielen, sondern Wagnisse eingeht und konkreter zur Situation im Film / Videospiel passt. Zum Beispiel wenn eine Mentor-Figur nicht von Anfang an wie eine Mentor-Figur erscheint, sondern unter einem interessanten (zur Geschichte passenden) Vorwand auftaucht und dann nach und nach organisch die Mentorenrolle annimmt. Und so weiter.
    Aber das lernst du nicht von TV-Tropes.


    Ich meine klar, wenn du eine Dekonstruktion eines Genres schreibst...oder eine Persiflage...dann ist es gut, die bereits existierenden Klischees zu kennen. Weil da musst (!) du auf bestehenden Klischees aufbauen, sonst ist weder eine Dekonstruktion noch eine Parodie denkbar. Eine Parodie, die nicht das kennt, was sie parodiert, ist nutzlos.
    Aber wie sieht es mit quasi jedem anderen Genre aus? Muss ein Hospiz-Roman auf anderen Hospiz-Romanen aufbauen? Wenn ich Tiefseetaucher-Historienromane schreibe, recherchiere ich da nicht lieber die Tiefsee und den historischen Kontext, statt auf TV-Tropes rumzugammeln? Ein Piratenfilm muss nicht die Tropes aus Klassikern wie der Schatzinsel oder Fluch der Karibik kennen "und darauf aufbauen" sondern eine eigene Stimme finden und das Leben der Piraten irgendwie dem Filmpublikum so kommunizieren, dass das Publikum damit etwas anfangen kann. So eine eigene Stimme bildet sich von allein, mit oder ohne Vorkenntnis anderer Genre-Vertreter.


    Viele Geschichten scheitern sogar weil sie versuchen, immerzu auf vorigen Dingen aufzubauen. Die Serie Supernatural versuchte immer, den Fans einen Strich durch die Rechnung zu machen und wenn die Fans spekulieren "oh, bestimmt passiert jetzt X" machen sie mit Absicht Y, was zur Ursache eines der unzufrieden stellendsten Finales aller Zeiten wurde. Genauso erging es Game of Thrones. Viele Geschichten imitieren beliebte bereits existierende Werke, in der Hoffnung, auf diese Weise erfolgreich zu sein: Du musst bloss tolkienesk schreiben, damit du die nächste Tolkien wirst, also ja nicht vom Schema abweichen, ok?

    Ich bin mir soo sicher, dass ich irgendwann eine Mondphase oder Mondgottheit oder ein Mondsymbol auf Ngiana einbauen werde, und mich zu spät erinnere, dass Ngiana keinen Mond hat. Das wäre dann wirklich eine "klaffende Wunde".

    Tu das auf jeden Fall. Denk an Nightvale. :lol:

    :hail:

    Ich möchte mal kurz einwerfen: Danke, dass du dir die Mühe dieser Übersetzungen machst!!

    Sehr gerne. Es ist ein Mammut-Unterfangen, denn es gibt ca. 420 Essays und wir sind erst bei ca. 35 Essays. Ich habe sicherlich lange Pausen eingelegt und habe keine genaue Zeitvorgabe, aber es ist wirklich ein grosses Projekt und ich freue mich, wenn jemand dem etwas abgewinnen kann. :)

    Also je mehr ich von dieser Limyaael lese, desto unsympathischer wird sie mir. Ich bin gerade am Bahnhof, also erwartet gerade keine dolle Analyse, aber sie beurteilt Dinge mit einem Selbstbewusstsein, als hätte sie die Literatur erfunden.

    Hm. Ich meine ich kann deine Reaktion schon verstehen. Aber in dem Fall empfehle ich dir, die Rants nicht zu lesen. :lol: :-*
    Ich meine die ersten 100 Rants von Limyaael (wenn du es genau wissen willst, die ersten 107 Rants) sind ihr zu peinlich und sind nicht mehr auf ihrem Livejournal-Blog zu lesen. Deshalb sind die Links zu den einzelnen Essays und sogar zur gesamten englischen Essaysammlung alle auf der Domain CuriosityQuills, deren Betreiber vergeblich versucht haben, mit Limyaael in Kontakt zu treten.


    Dieses Projekt dient in erster Linie dazu, die Sprachbarriere kaputt zu machen und es einem deutschsprachigen Publikum leichter zu machen, sich mit Limyaael's Rants auseinander zu setzen. Da sie auf der Seite TvTropes (zumindest vor einigen Jahren) so eine Art Schutzheilige war, die angebetet wurde, weil ihre Rants angeblich das beste sind, was irgendjemand lesen kann, um Fantasy schreiben zu lernen, hat Limyaael einen besonderen Rang in der Fandom-Kultur, genau wie die Evil Overlord Checklist, die Eragon Sporkings, der Tough Guide to Fantasyland und andere pseudo-obskure Formen von Rezensionen. Ich ziehe Limyaael's Kram eindeutig "Kritikern" wie Nostalgia Critic oder CinemaSins vor...und ich denke auch, dass Lim's Obsessionen unglaublich produktiv waren, nur eben in eine falsche Richtung.
    Wenn du dich darauf einlassen kannst, hat Limyaael viel Fachwissen...manches davon ist falsch ( ;D ), aber hier im Thread haben wir ja bereits einige Faktenchecker angelockt, die zumindest manche Fehler korrigieren. :thumbup:


    Ich will keine Versprechungen machen (denn dieses Projekt wird sich lange hinziehen), aber mein Plan sieht vor, nach Limyaaels Rants die Essays von Film Crit Hulk einzudeutschen. Hulk hat auch nicht immer Recht und ein fast diametral entgegengesetztes Weltbild, aber ich werde um Erlaubnis fragen, wenn ich soweit bin und schauen, ob ich euch damit eine Freude machen kann -- bei Limyaael ist das soweit ich weiss nicht machbar, weil sie vom Erdboden verschluckt wurde, aber falls sie mich je kontaktiert und diesen Thread weg haben will, richte ich mich danach. Wenn ich Hulk's Essays nicht übersetzen darf, werde ich versuchen, einige seiner wirkungsvollsten Essays zu paraphrasieren. ;D
    Limyaael hat ein Riesen-Ego, gibt Schreibtipps und hat gleichzeitig ausgerechnet von diesem Thema (dem Schreiben von Geschichten) eine komplett irrige Vorstellung. Ich kann absolut verstehen, dass dich das nervt. Dieser Thread ist aber auch nicht gedacht, damit sich alle Leute jeden Essay antun. Ich will auch nicht Leute mit der Hoffnung in den Thread locken, dass vielleicht diese Woche ein supercooler Essay zu lesen sei und die dann jedesmal entsetzt merken "Oh Gott, die Ranterin ist wie jedes Mal arrogant und autoritativ, gleichzeitig lernt sie nicht aus besseren Gegenperspektiven (wie die, die im Thread zu lesen sind) und dann beleidigt sie mich und andere Leute auch noch". Ich kann komplett verstehen, dass das nicht angenehm ist. :autsch: Ob dies ab Rant #108 anders wird, wage ich zu bezweifeln.

    Astronomie


    Dies ist eher eine Liste einfacher Fehler die Autoren unterlaufen und nicht so sehr eine Liste der Dinge, die meiner Meinung nach vorhanden sein sollten. Ich habe nichts gegen Welten mit ungewöhnlichen Zahlen von Monden (oder Sonnen) oder ordentlichen Sternenmustern. Aber da die Astronomie in vielen Büchern anscheinend der der Erde ähnlich sein soll, irritiert es mich, wenn diese Dinge geschehen.


    1. Stellt sicher, dass ihr den Überblick über die Mondphasen behaltet.


    Ich habe mehrere Bücher gelesen, in denen der Vollmond scheinbar Monate oder sogar Jahre andauerte. Man würde denken, jemand würde irgendwann bemerken und daraufhin anfangen, das Ende der Welt zu verkünden, aber offenbar ist es nicht weiter wichtig.


    Wenn ihr nicht sicher seid, wie ihr die Mondphasen berechnen sollt, solltet ihr sie euch aus einem Erdkalender ausleihen. (So berechnete Tolkien die Mondphasen in LOTR, indem er den Kalender für die Jahre benutzte, von denen sein erster Entwurf handelte). Und dann vorsichtig die Zeit im Auge behalten. Wenn euer Buch an einem Vollmondtag beginnt und das nächste Mal, wenn ihr den Mond erwähnt, eine Woche später ist, sollte da der Mond weder voll noch neu sein, es sei denn, ihr habet bereits festgestellt, dass eure Welt nach anderen astronomischen Regeln läuft. Wenn ihr die genaue Zeit nicht nennt, aber sicher davon auszugehen ist, dass mehrere Tage vergangen sind, dann werden beschreibende Phrasen wie "die Sichel des Mondes" euch sicher in eine gute Richtung geleiten. Da die Mondphasen so weithin bekannt sind, ist dies nicht nur ein weiteres Loch, durch das die Realität eurer Fantasywelt gießen kann, wenn ihr das zulasst; es ist mehr wie eine klaffende Wunde. (Anm.d.Übs.: Ist wirklich jeder Fehler beim Bauen einer Welt so ein grosses Drama? Ich habe den Eindruck, dass in ziemlich vielen Rants bisher zahlreiche Probleme so beschrieben werden, als ginge durch konkret dieses Problem die gesamte Welt kaputt. Fast als wetteiferten all diese Probleme miteinander, welches Problem das allerschlimmste in einer Welt sei.)


    2. Wenn ihr mehrere Monde habt, sollten ihre Phasen die gleichen sein – es sei denn, ihr habt auch mehrere Sonnen.


    Also: eine Welt mit zwei (2) Monden. Damit ein Mond voll ist und sich im ersten Quartal befindet, müsste er das Licht von verschiedenen Sonnen reflektieren. Das kann möglich sein, aber dann müsste man die Welt fest aus den astronomischen Regeln der Erde herausbewegen und in Richtung einer völlig anderen Gruppe von Regeln und dem Bemessen die meisten Autoren keine Bedeutung. Wenn diese Monde in der gleichen Phase sind, dann sind immer noch viele verschiedene Dinge denkbar -- Monde mit anderen Farben als Weiß, was in unserem eigenen Sonnensystem möglich ist, ohne die Suspension of Disbelief zu opfern.


    3. Geht nicht davon aus, dass der Mond jede Nacht zur gleichen Zeit aufgeht.


    Tut er nicht. Der Vollmond steigt oft kurz vor Sonnenuntergang in unserer eigenen Welt auf und der Neumond gegen Mitternacht. Dies muss nicht in eurer Welt passiert, gerade wenn ihr einen Grund habt, den Mond zu verschiedenen Zeiten aufsteigen zu lassen, oder wenn ihr mehrere Mondaufgänge haben wollt. Sobald es jedoch einen Zeitplan gibt, bleibt dabei. Insbesondere eine Fantasywerk (Amateurfantasy), das ich las, liess den Mond jedes Mal um Mitternacht aufsteigen, unabhängig von Jahreszeit oder Mondphase. Das schien in erster Linie der Bequemlichkeit der Helden zu helfen, die die Tageszeit schnell wissen wollten.


    Dies ist wieder so ein Fall wo ich daran erinnern will, dass Teile der Fantasy-Welt außerhalb eurer Helden existieren. Wenn ihr weder magische Regeln noch Naturgesetze für eure Helden schrumpfen würdet denken bitte daran, das auch nicht mit Astronomie zu tun.


    4. Behaltet den Überblick über das Wetter.


    Es mag ziemlich offensichtlich erscheinen, aber ohne den Überblick zu behalten, ist es erstaunlich einfach, in einem Absatz zu sagen, dass es bewölkt und regnerisch ist und ein paar Zeilen darauf, dass die Helden irgendwie die Monde und Sterne sehen können. (Ich weiß wovon ich rede. Ich habe das selbst auch verbrochen). Wenn es regnet, hagelt oder stürmt, sollte die erste Sorge der Helden sein, Deckung zu finden. Sie werden in dieser Nacht keine erstaunlichen astronomischen Phänomene beobachten und sie haben auch allen Grund, sich mit etwas anderem zu beschäftigen.


    Wenn ein Kometen, eine Mondfinsternis oder etwas anderes von großer Bedeutung eintritt, sollte das in einer klaren Nacht auftreten. (Anm.d.Übs.: Nein! Das ist unrealistisch und immersionsbrechend! Viel zu viele Amateur-Fantasy, die ich nie gelesen habe, handelt von Kometen, die gut sichtbar am Himmel sind! Sucht euch eine bewölkte Nacht, wo die Helden am Himmel nix erkennen und lasst an so einer Nacht den unglaublich plotrelevanten Kometen über den Himmel streifen!) Und wenn es etwas ist, das sich wiederholen wird, wie ein Komet, der über einen Zeitraum von mehreren Tagen oder Monaten am Himmel sichtbar ist, dann denkt daran, dass eure Helden, auch wenn sie oft danach suchen, sie nicht die ganze Zeit sehen können (es sei denn, sie leben zufällig in einer Wüste).


    5. Sonnenwende und Tagundnachtgleiche sind nicht nur da, um Feiern zu markieren; sie markieren auch die höchsten, niedrigsten und gleichen Punkte des Sonnenlichts.


    Keine langen Tage im Winter und keine kurzen Tage im Sommer. Natürlich könnten eure Charaktere in eurer südlichen Hemisphäre leben, aber solange ihr immer noch Regeln befolgt, die in etwa denen der Erde entsprechen, entschuldigt das sie nicht davon, immer noch eine Prozession von Jahreszeiten und Variationen des Sonnenlichts zu haben. Näher am Äquator ist der Wechsel der Jahreszeiten weniger spürbar und das Wetter konstanter, aber wenn es eine Sonnenwende ist sollten Tag und Nacht immer noch nicht gleich lang sein.


    Dies ist dann beachtenswert, wenn eine Jahreszeit, in der die Handlung stattfindet, entschieden ist. Oft lese ich Geschichten, die in einer anderen Jahreszeit genauso gut hätten funktionieren können, oder solche, in denen ich denke, dass der Autor die Jahreszeit in erster Linie für den malerischen Effekt gewählt hat. Versucht, die Saison zu einem integralen Bestandteil eurer Geschichte zu machen, und überlegt, was es wirklich bedeutet, dass sie da ist. Wenn ihr im Winter aufbrecht, könnt ihr all den schönen Schnee haben, der herumwirbelt, aber es bedeutet auch kälteres Wetter, extrem kurze und blasse Tage und lange kalte Nächte.


    6. Behaltet die Zeitzonen im Auge.


    Ein Charakter, der nicht weit vom Nordpol eurer Welt lebt, wird nicht zur selben Zeit die Sonne aufgehen sehen wie ein Charakter, der mitten auf der südlichen Hemisphäre eurer Welt lebt. (Anm.d.Übs.: Oh Gott, ich will eine Vampirromanze, wo die Geliebte des Vampirs gleichzeitig mit ihm aufwacht und die Sonne aufgehen sieht und der Vampir geniesst die Sonne (die Sonne! Der Vampir!) in den USA und seine Geliebte ist in Australien, wo im selben Moment die Sonne aufgeht. Das ist ein romantischer Moment!) Im Falle einer Fantasy, bei der die Handlung auf Geschwindigkeit beruht, könnte es verlockend sein, zwei Gruppen von Charakteren an zwei wild unterschiedlichen Orten gegen die Uhr zu fahren, aber wenn sie wirklich den gleichen Punkt zur gleichen Zeit erreichen müssen, muss man eine Frist haben, die ein paar Stunden vor oder hinter der anderen liegt. Wenn beide Zaubersprüche bei Sonnenaufgang ausführen müssen, dann hat die Gruppe, die hinter der anderen steht, etwas länger als die erste Gruppe.


    Natürlich muss dies nicht so sein, wenn eure Welt keine exakte Kopie der Erde ist und ein anderes Umlaufmuster für die Sonne hat, eine andere Größe oder keinen 24-Stunden-Tag. Aber auch hier muss frühzeitig festgestellt und der Überblick behalten werden. Steven Brust, dessen Welt Draegara dreißig Stunden an einem Tag und 289 Tage im Jahr hat, erwähnt das immer wieder, damit seine Leser es nicht vergessen und anfangen zu denken, dass dies die Erde ist. Wenn Sie ein anderes System erstellen, erwarten Sie nicht, dass Ihre Leser es intuitiv verstehen, oder entschuldigen Sie alles, was aus diesem Grund ein Fehler zu sein scheint.


    7. Verwende keine vertrauten Konstellationen, es sei denn, deine Welt ist wirklich die Erde.


    Tolkien konnte damit durchkommen, denn Mittelerde ist angeblich irgendwann in der fernen Vergangenheit unsere eigene Welt. Alternative Geschichten oder alternative Zukünfte können dasselbe erreichen. Aber manchmal nehmen Fantastiker einfach Konstellationen wie Ursa Major, Namen wie Polaris oder Legenden wie die von Andromeda an, obwohl ihre Welten definitiv nicht die Erde sind.


    Dies scheint einfach zu sein, um den Hintergrund auszufüllen, ohne sich die Zeit zu nehmen, einen völlig separaten Hintergrund richtig zu erstellen. Eure Welt kann immer noch Konstellationen haben, aber versucht, mit einzigartigen Namen, Formationen und Legenden zu kommen, um sie zu erklären. Wenn ihr die vertrauten verwendet, werden eure Leser oft anfangen, nach Verbindungen mit der Erde zu suchen, die ihr vielleicht nicht vorschlagen möchtet, vor allem, wenn eure Welt in einem völlig separaten Universum sein soll.


    Alternativ kann eure Welt sehr wenige sichtbare Sterne am Himmel haben, aus welchem Grund auch immer, oder Konstellationen könnten viele verschiedene Namen an vielen verschiedenen Orten haben, ohne ein vertrautes und gut etabliertes System. Oder vielleicht schenken die Leute den Sternen einfach nicht viel Aufmerksamkeit. Wenn ihr keine Lust habt, ein Konstellationssystem zu erstellen, könnte dies der beste Kurs sein. Besser, das zu tun, als sorgfältig eine Welt zu erschaffen, die auf sich allein gestellt sein kann, und dann den kleinen Wagen in euren Himmel zwingen.


    8. Überlegt, wie die Himmelskörper euren Kalender beeinflussen.


    Wenn euer Kalender streng lunar ist, wäre es sinnvoll, die Phasen des Mondes zu feiern, aber es hat keinen Sinn, noch zwölf Monate zu haben, wenn es dreizehn Umdrehungen des Mondes in einem Jahr gibt. Wenn euer Kalender streng solar ist, wäre es sinnvoll, die Zeit von einem denkwürdigen Ereignis der Sonne zu zählen – vielleicht Tage von Sonnenaufgang bis Sonnenaufgang –, aber es hat keinen Sinn, einen Monat daraufhin danach festzustellen, wann der Mond voll wird. Wenn du einen Kalender willst, der die Zeit auf der Grundlage einer Methode zählt und dennoch Feiern der anderen Art hat, oder sogar eine andere Methode, die Zeit zu zählen, sollte dies durch die Geschichte deiner Welt gerechtfertigt sein. Es könnte sogar Spaß machen, mehrere Arten zu haben, die Zeit zu zählen, und zu zeigen, wie die beiden verschiedenen Völker, die sie benutzen, verwirrt werden, wenn sie in Konflikt geraten.


    Denkt auch daran, dass das Zählen der Zeit nicht so präzise sein wird wie in unserer modernen Welt (es sei denn, ihr habt eine hochmathematische Gesellschaft, wie die Mayas in unserer eigenen Welt). Da das Tempo des Lebens wahrscheinlich auch langsamer ist, müssen sich eure Leute nicht so viele Sorgen machen. "Nächster Vollmond" wird wahrscheinlich für viele Menschen eine praktischere Zeit sein als "die sechste Stunde nach Sonnenaufgang am zweiten Tag des Monats", vor allem, wenn Leute die Zeit nicht nach Stunden zählen oder Monate nach einem Mondkalender haben.


    Nun, das wurde länger, als ich dachte. Es ist irritierend zu sehen, dass Fakten ignoriert werden, um etwas Schönes zu machen, obwohl, oder sogar, um Autoren zu haben, die sich selbst widersprechen. Das, wie gesagt, macht einen Einstich in die Fantasywelt.

    Drachen


    Meine Stimmung ist im Moment ziemlich seltsam. Ich lese sowohl Stephen Donaldsons Der Spiegel Ihrer Träume als auch Stephen Kings Wolfsmond und sie vermischen sich auf seltsame Weise.


    Also einige ziemlich seltsame Zeilen aus "Madonna Mia", einem von Swinburnes seltsameren Gedichten:


    Niemand weiß, niemand versteht,


    Welche Blumen ihren Händen gleichen;


    Obwohl du danach suchst in allen Reichen


    In denen Zeit wächst,


    Welchen Arten von Schnee gleichen ihre Füße,


    Obwohl seine Augen vor Hitze brennen,


    Durch den Blick auf meine Süße,


    Doch davon weiß niemand.


    Und nun...


    Anders als Prophezeihungen ärgern Drachen mich nicht an und für sich. Aber falsche Verwendungen von Drachen schaffen es ganz nach oben auf meine Liste.


    1) Klischees sollten begründet sein.


    Drachen in der Fantasy neigen dazu, auf Goldhorten zu schlafen und Ritter zu hassen. Aber Schauplatz ist meist nicht unsere Erde, mit ihrem Komplex an Drachenlegenden, die solche Dinge verantworten. Meistens wird keine Erklärung angeboten; es heisst einfach "Nun, das ist ein Drache, und das tun sie nunmal."


    Viel Spaß kann man haben, wenn man versucht, mit Begründungen zu kommen oder die Drachen vom Üblichen wegzudrehen. Aus welchem Grund müsste ein Drache auf einem so harten, kalten Bett aus Metall schlafen, wenn er ein Reptil ist? Hält sein eigenes Feuer das Gold warm? Vielleicht hortet Ihr Drache warme Decken statt Gold...oder wenigstens Silber statt Gold. Was machen Drachen mit den Jungfrauen, die sie wegtragen? Was würde passieren, wenn ein Drache friedlich mit einem Ritter sprechen könnte? (Roger Zelazny schrieb eine sehr lustige Kurzgeschichte über eine Zusammenarbeit zwischen einem Ritter und einem Drachen, die ihre Freundinnen beeindrucken wollen; leider erinnere ich mich nicht an den Titel) (Anm.d.Übs.: „The George Business“). Oder vielleicht sind deine Drachen ganz anders, und horten überhaupt keinen Schatz. Es ist immer besser, ein wenig Gedanken in Ideen wie diese zu setzen, anstatt sie einfach zu übernehmen.


    2) Drachen müssen weder böse noch wohlwollend sein.


    Viele Amateur-Fantasy-Werke neigen zu dem einen oder anderen Extrem; die Drachen sind böse, reißende Monster, oder Kreaturen von mächtiger Magie und hoher Zivilisation so wie die Elfen in anderen Fantasy-Werken, die Menschen helfen wollen, das gleiche Niveau zu erreichen. Doch dies ignoriert einige grundlegende Wahrheiten, die tiefste ist, warum Drachen sich überhaupt mit Menschen beschäftigen würden. Sie haben nicht viel mit ihnen gemein; sie haben nicht die gleiche Größe (die meiste Zeit), die gleiche Form, oder die gleichen Kuriositäten und Antriebe (wieder, die meiste Zeit). Es braucht ein wirklich zwingendes Motiv, um Drachen und Menschen zusammenzubringen, Antriebe und Motivationen oder sollten es nicht und die meiste Zeit wird dieses Motiv nicht erforscht. Die Drachen haben den gleichen Mangel an Motivation, die andere böse Charaktere in der Fantasy ruiniert, oder sie wollen mit Menschen sprechen, ohne Grund. Ein goldenes Sprichwort dazu: "Das sicherste Zeichen dafür, dass es ein anderes intelligentes Leben im Universum gibt, ist, dass noch nichts davon uns kontaktiert hat."


    Reduziert Drachen im Grunde nicht auf Satelliten, die um die menschliche Sonne kreisen. Gebt ihnen eigene Motivationen; Motivationen, die erkennbar auf ihrer Psychologie und Körperlichkeit basieren und sich von den Beweggründen von Goblins oder Elfen unterscheiden. Ansonsten werden Drachen nicht voll ausgelastet. Sie könnten wunderbar einzigartig sein, wenn man bedenkt, wie verschieden sie von den meisten anderen Kreaturen in der Fantasy sind, aber das passiert selten.


    3) Geht nicht davon aus, dass Drachen ein Analogon für alles haben würden, was Menschen tun.


    Ich habe ein paar Amateur-Fantasy-Werke gelesen, in denen Drachen in Häusern lebten, ihre eigene Kleidung hatten und Stühle benutzten.


    Aber warum? Wie ich oben schrieb haben Drachen nicht die gleichen Formen wie Menschen und können nicht bequem in die meisten menschlichen Häuser oder Möbel passen. Sie sind nicht einmal humanoid, und so haben sie nicht die Ausrede von Elfen und Zwergen einfach mit menschlichen Besitztümern zu leben, die stilistisch nur anmutiger oder rauer sind. Es ist viel wahrscheinlicher, dass sie sich selber zufrieden stellen würden, statt die Menschen sklavisch zu kopieren.


    Jetzt hätten Drachen ihre eigene Form von Deckung vor dem Wetter: Orte zum bequemen Ausruhen und Häuser. Sie konnten Kunst betreiben und musizieren. Aber humanoide Vorstellungen ins Leben der Drachen zu verpflanzen macht eigentlich keinen Sinn. Um nur ein Beispiel zu nennen: Warum sollte ein Drache Hemd und Hose statt einer Ganzkörper-Abdeckung haben, mit Löchern für die Flügel, falls diese Drachen Flügel haben? Warum haben unterschiedliche Kleidung für das Männchen und das Weibchen, wenn die Weibchen wahrscheinlich nicht viele äußere Eigenschaften haben, um sie von den Männchen zu unterscheiden? Warum Drachen an einen Standard anpassen, der zu unserem eigenen passt, anstatt etwas, das sinnvoller wäre?


    Ich nehme an, das könnte für jede intelligente Fantasy-Spezies gelten: Versucht, darüber nachzudenken, was für sie sinnvoll wäre, anstatt nur für die Menschen, die sie besuchen.


    4) Die Drachen brauchen etwas, um sich den ganzen Tag lang zu beschäftigen.


    Dies ist ein Problem, das auch andere Fantasy-Rassen mit langen Leben, einem "hohen" Niveau der Zivilisation, und anscheinend keinem besseren Zeitvertreib, als herumhängen und Menschen helfen oder sie irgendwann stören. Was machen die Feen in ihren eigenen Gerichten? Was tun die Elfen, wenn sie nicht den Tod ihres Landes beklagen oder den Menschen kalt die Hilfe verweigern? Und was machen Drachen, außer jagen und schlafen?


    Es scheint bemerkenswert wenig Sinn für Drachen als Gesellschaft zu geben, auch wenn gesagt wird, dass sie eine Gesellschaft bilden. Ich habe nur sehr wenige Bücher mit Drachen gelesen, die Kunst geschaffen haben, die sangen, erforschten, die all jene interessanten Dinge taten, die Menschen zu denken scheinen, dass wir dazu in der Lage wären, wenn wir nur ein längeres Leben hätten. Denkt nur: Drachen sind in der Regel große Reptilien, und große Reptilien müssen nicht so oft essen. Sie schlemmen, wenn sie müssen, dann lassen Sie es in ihren Bäuchen verdauen. Und sicher würden intelligente und zivilisierte Drachen den Rest ihrer Tage nicht schlafen. Was tun sie? Und wenn sie Menschen unter sich aufnehmen, könnt ihr diesen Figuren zeigen, dass die Drachen etwas tun?


    Natürlich können Drachen nur Tiere in eurer Welt sein, oder die kleinen Partner von Menschen. Aber wenn sie es nicht sind, wenn sie allein intelligent und autark sind, dann hilft es nicht, das zu sagen und sie dann nur beim Essen und Schlafen zu zeigen. Wer bringt Drachenmüll heraus? (Anm.d.Übs.: Es ist eigentlich liebenswert, das Limyaael solche Fragen stellt. Ein bisschen wie die Frage von Werner Herzog in einem seiner Dokumentarfilme, als er einen Robo-Techniker fragt, ob sein Team den Roboter liebt. Die Frage kommt aus dem Nichts und die meisten Leute...denken einfach nicht in so eine Richtung. Wir können es Limyaael übel nehmen, dass sie unbedingt die Herkunft von Drachenmüll wissen will. Es ist leicht, sich darüber lustig zu machen—es ist witzig. Aber diese Frage sehr ernst zu stellen ist eigentlich ungewöhnlich und ich finde, wir sollten uns alle mal mit Drachenmüll befassen, sogar auf Welten ohne Drachen.)


    5) Es sollte nicht so einfach sein, einen Drachen zu töten.


    In Fantasy-Werken, in denen Drachen böse sind, ist es aber oft so. Einige davon werden als Ergebnis verzauberter Waffen und der Hilfe des Schicksals erklärt, wie Tolkien die Drachenmorde in seiner Welt behandelte. Aber sonst gehen die Leute herum, um diese mächtigen Bestien links und rechts abzustechen, und zu Recht gefürchtete Gegner werden auf das Niveau anderer "böser" Gefahren in der Fantasywelt reduziert.


    Wenn wir einen "Standard"-Fantasy-Drachen mit vier Beinen und zwei Flügeln vor uns haben, halten wir einen Moment inne und denken nach, wie viele Waffen dieses Tier hat, auch wenn es nur fünfundzwanzig oder dreißig Fuß lang ist. Zunächst einmal wird es enorm stark sein, viel stärker als jeder einzelne Mensch oder jedes Pferd. Wenn wir einen Drachen mit einem peitschenartigen Hals und Schwanz verwenden, kann es beide als Rammbock verwenden. Der Schlag eines Krokodilschwanzes kann einen Menschen töten. Was würde der Schwanz eines Drachen tun? Wahrscheinlich keine leichten Wunden verursachen.


    Es gibt natürlich die Klauen und Zähne, und wenn unsere Drachen schlangenartiger oder eidechsenartiger sind, sollten sie schnell genug sein, um sie zu benutzen, und zumindest einige Zeit wirkungsvoll zuzuschlagen. Versucht, die Fluchten eurer Helden wie Geschick statt Glück oder Wundersame Mächte des Ausweichens aussehen zu lassen. Die Flügel halten Drachen wahrscheinlich in der Nähe des Körpers gefaltet, da das Flügelleder in der Regel als ziemlich dünn und anfällig für Speere und Pfeile dargestellt wird, und nicht weit ausgebreitet, nur um ein einfaches Ziel zu bieten. Wenn jedoch die Flügel auseinander gerissen werden, dann haben eure Helden den Drachen nicht entmutigt; Wahrscheinlicher ist, dass sie gerade einen sehr wütenden Drachen zu Boden gebracht haben, wo er aus nächster Nähe zuschlagen kann. Wenn euer Drache Hörner und Spikes auf dem Kopf oder Schwanz hat, sollte er die Chance bekommen, sie auch zu benutzen, und er könnte auch mit seinen Pfoten stampfen.


    Schließlich gibt es den Atem, in der Regel ein Feuerodem. Entscheidet, ob es ein dünnes, konzentriertes Kielwasser der Zerstörung oder eine breite Explosion handelt. Einer Linie aus Feuer kann leichter ausgewichen werden ist wahrscheinlich eine deutlich heißere Flamme, und wer davon getroffen wird, geht wohl in Flammen auf, die sehr schwer zu löschen sind oder verdampft mit Haut und Haaren, wenn die Hitze stark genug ist. Es könnte am besten sein, tatsächlich eine ungefähre Temperatur für den Atem zu schätzen, so dass es keine Ungereimtheiten gibt, wie das die Flammen schmelzen Felsen im Umfeld schmelzen, dem Helden aber nur die Jacke schwelen.


    Als Schutz wird der Drache auch seine Schuppen haben. Wenn sie dünn und flexibel sind, dann kann sich der Drache als anfällig für Schwerter und Pfeile erweisen, aber er wird sich auch schneller bewegen als ein Drache mit dicken und schweren Schuppen. Ein Drache könnte mit zu dicken Schuppen unbeweglich sein, aber deine Helden werden es schwerer haben, ihn ohne Magie zu bekämpfen. Für jeden Vorteil gibt es einen Kompromiss, oder so sollte es sein.


    Und das passiert wenn du Magie schleudernde Drachen, intelligenzbegabte Drachen oder Drachen mit beiden Qualitäten hast. Offensichtlich sollte ein Drache kein einfacher Gegner sein, wenn es ans Kämpfen geht.


    6) Drachen ohne Hände sind nicht hilflos.


    Viele Male leben sogar Drachen mit einem hohen Zivilisationsniveau in rauen Höhlen, mit ihrem schlecht gestalteten Abklatsch menschlicher Gegenstände, die um sie herum verstreut sind. Schuld daran sind angeblich ihre fehlenden menschlichen Hände.


    Auch hier, vor allem, wenn die Drachen als hoch und anspruchsvoll präsentiert werden: denkt wie ein Drache. Es gibt viele Vorteile für Finger, aber es gibt auch Nachteile. Zum einen kann der Mensch ohne die Hilfe von Spezialwerkzeugen keinen Stein schnitzen, und selbst dann nicht leicht. Hier helfen Zähne und Klauen. Der Feueratem schnitzt bewohnbare Tunnel, vor allem, wenn er heiß genug ist, um Gestein zu schmelzen. Feuer, das stark ist, würde nicht viel nützen bei der Jagd, da es das Tier über die Essbarkeit hinaus verkohlen könnte, und Drachen würden nicht die ganze Zeit angegriffen werden. Denkt euch etwas auch. Wenn es euch gelingt, dann sind die Drachen wie Verkörperungen von sich selbst, anstatt Schatten der Menschen. (Dies ist das Problem mit vielen nicht-menschlichen Rassen in der Fantasy; sie werden bloss als Möglichkeiten dargestellt, die menschliche Gesellschaft zu kommentieren, positiv oder negativ, aber nicht als Menschen an sich).


    Um nur einen weiteren Nachteil der Hände zu erwähnen: Sie sind leicht geprellt oder gebrochen. Wenn die menschliche Magie in eurer Welt von Handgesten abhängt, was passiert dann mit einem Magier, der sich die Finger bricht? Wenn Drachen auch Gesten verwenden, hätten sie hier einen Vorteil gegenüber menschlichen Magiern. Ihre Gesten mögen ungeschickter, langsamer oder breiter sein, aber es wäre eine Höllenarbeit, ihre Klauen zu brechen oder zu binden.


    Der Rant war jetzt persönlicher als einige der bisherigen, aber Menschen, die Drachen als Schwertfutter oder Ersatzelfen benutzen, irritieren mich.

    Ich bezog mich da auch weniger auf den Genus und mehr auf den Kontext. Dass der Held sich offensichtlich als Frau verkleiden könnte, ist wohl das deutlichste Beispiel.

    Dieser Gedanke "der Mann verkleidet sich als Frau, um unbemerkt von A nach B zu gelangen" findet sich in fiktiven Werken dauernd, von der Furry-Variante in Video-Spielen bis zum Comedy-Blockbuster Baywatch. Bei Frauen, die sich als Mann verkleiden kenne ich eher das Szenario "die Frau ist die ganze Zeit als Mann verkleidet und lebt als Mann".



    Limyaael richtet ihre Kritik durchaus auf die Werke, die sie liest. Sie sagt uns selten, was sie da gerade eigentlich liest...aber das ist ihr Fokus. Und wenn Limyaael viele Geschichten vom Mann im Frauenkleid liest aber kaum Geschichten von der Frau im Manneskleid (oder der Manneshose) dann ist es doch ok, das sie dieses Element genau benennt und beschreibt, oder?


    Aber vielleicht sind da andere Beispiele, die mir jetzt nicht aufgefallen sind? Gut denkbar. :)

    Du verwendest übrigens das Wort "feist" falsch. Das deutsche Wort "feist" bedeutet soviel wie "dick". Ich vermute, im Original steht "feisty", das bedeutet "entschlossen" oder auch "lebhaft".

    Oh, gut zu wissen. Danke. :D


    Dieser Teil ist nicht gut gealtert.

    Ach, das war glaube ich auch damals eine total schlechte Idee. ;D


    Zumindest aus dem amerikanischen Kontext kenne ich viele Leute, die glauben, das bei diesem Thema erstmal wichtig ist, dass Verbrechen schlimm und Verbrechensbekämpfung edel ist...und die von den Biographien und Lebensumständen der Verbrecher nichts wissen wollen und vom Machtmissbrauch durch "Verbrechensbekämpfer" erst recht nichts.


    Allerdings habe ich Lim diese Beschwerde nicht angekreidet, weil ich finde, dass es grundsätzlich in Ordnung ist, Diebstahl und Gewalt als Probleme zu thematisieren, es kommt nur eben darauf an, wie. Und so ist es auch bei gutherzigen Wachleuten: es gibt sie und es ist nicht (per se) falsch, dass sie in Geschichten vorkommen. Sicherlich ist es aber absurd, dass ausgerechnet Limyaael, die immer mittelalterliche Gesellschaften dunkel, brutal und voller Tod und Gewalt will, hier händeringend nach friedfertigen Stadtwachen sucht. :lol: Ich meine, in der Weltgeschichte waren Stadtwachen nicht alle die Wächter des einfachen Volkes, Behüter der Armen und Schwachen...sondern mehr so wie die indische Polizei, wo Folter Teil jeder Investigativ-Routine ist oder wie die amerikanische Polizei, wo die "Stadtwache" einen Haufen Sadisten beinhaltet, denen nichts lieber ist als "Zivilisten" zu piesacken.

    Was mich auch verwirrt ist, dass der schurkische Held offenbar grundsätzlich männlich ist. Und die Wache auch.

    Limyaael benutzt, genau wie ich, gerne das generische Maskulinum. ...und bei ihr hat das auch damit zu tun, dass sie (in einigen Kontexten die mit dem Schreiben zu tun haben) auf Frauen herabsieht, glaub ich. Ich hingegen bin perfekt und mache nie Fehler. :P ;)

    Sorry das ich so lange mit der Realismus-Diskussion verbracht habe, statt neue Essays von Limyaael für euch zu übersetzen. :)


    Justiz & Rechtssystem


    Folgende Zeilen aus "Satia Te Sanguine" von Swinburne passen perfekt:


    Deine Hände nagelten Amor an den Baum,
    Du stahlst ihm die Kleider, geißeltest ihn mit Stangen,
    Und ertränktest ihn tief im Meer
    Das verbirgt die Toten und deren Götter.


    Und trotz all dem, sterben wird er nicht;
    Um ihn sieht ihn niemand, außer ich;
    Du kamst, gingst fort und hast ihn vergessen;
    Ich hoffe, ihm kommt eines Tages Frieden.


    Wusste ich’s doch, dass unser Lehrer uns das aus gutem Grund nicht im Unterricht lesen ließ. Da wären viel mehr Leute ausgeflippt als zu Swinburne’s Zeiten. *grins*


    Wieder muss ich ein Bias zugeben, wenn auch in etwas entgegengesetzte Richtung als zuvor: Ich liebe Schurken als Helden. Meine Kritik in diesem Essay gilt eher Amateurautoren, die ihren Schurken ein Rechtssystem entgegenstellen, dass nichts zu sagen hat oder kein Problem darstellt.


    Es gibt viele solcher unwirksamer archetypischer Figuren des Rechtssystems. Dazu gehören: der unfähige Gardist, der lüsterne Gardist, der endlos bestechliche Richter und der sadistische Wach-Captain. Es kann Leute im Rechtssystem geben, die unfähig, lüstern, bestechlich und sadistisch sind, aber es ist viel, viel zu simpel, wenn der Antiheld nur diesen Figuren begegnet. So täuscht er die Wächter, indem er sich als Frau verkleidet oder andere simple Tricks ausführt, lernt triumphierend, dass der Richter, der ihn verurteilen will, korrupt ist, und kann den Captain der Wache ohne Gewissensbiss töten.


    Irgendwo im Schlamassel verlor sich die Idee, dass der Schurke Verbrechen begangen hat, und wahrscheinlich nicht ganz unschuldig an vielen der gleichen "Sünden" ist, die der Autor den Stereotypen des Rechtsstaats unterschiebt. Die Idee, dass solch offene Korruption bemerkt und verhindert wird geht in diesem Schlamassel unter: Vielleicht wären die Leute, die die Offen Korrupten ersetzen, genauso korrupt, aber besser darin, das zu verstecken.


    Das geht zurück auf den Essay zu Nebencharakteren. Macht sie nicht dumm, damit die Helden im Vergleich glänzen. Eine nette Wendung könnte der Held sein, der sich selbstbewusst als Frau verkleidet, um sich an einem Wächter vorbeizuschleichen, den er für dumm hält, nur um von dem mit einem Tritt in die Leistengegend unschädlich gemacht zu werden und im Knast zu landen, während der Wachtmann erklärt, dass das bereits zwei Leute gestern versucht haben.


    Weitere Probleme bereitet mir der juristische Prozess: Richter und Jurys sind eine recht neue Erfindung, was reale Justizsysteme angeht; ebenso die Vorstellung, dass ein Angeklagter unschuldig ist, bis seine Schuld bewiesen wird; dass er ein Recht auf rechtliche Vertretung hat, und viele, viele andere Dinge. Die Miranda-Rechte in den Vereinigten Staaten etwa sind erst in den 1960er Jahren zweifelsfrei etabliert worden. Es ist unwahrscheinlich, dass eure Fantasywelt, insbesondere auf niedrigem technologischen oder magischen Niveau (wo der Lebensstandard nicht weit über dem Existenzminimum liegt), das gleiche Konzept der Menschenrechte haben würde wie unsere Welt.


    Zu viele Amateur-Fantasy-Werke haben Jurys und Richter, die unparteiisch sein sollen, auch wenn sie die Anzahl der Juroren variieren. Andere Male haben sie Helden, die empört sind, dass es solche Dinge nicht gibt, zum Beispiel, dass der Richter nicht unparteiisch ist, auch wenn die Systeme ihrer Welten sehr klar anders aufgestellt sind.


    Wenn es keinen guten Grund dafür gibt (etwa ein Held aus der modernen Welt), dann sollten moderne Gefühle und Bräuche nicht im Rechtssystem einer Fantasywelt auftauchen. Die mittelalterliche Welt umfasste viele Bräuche, die wir unfair finden würden, wie z. B. die Prüfung durch Folter, aber wenn "unfair" besser zu eurer Fantasywelt passt, dann nehmt sie an oder kommt mit etwas, das eurer Welt entspricht. Zwingt nicht moderne juristische Ideen in eine Welt, wo sie wie eine zweite Nase hervorstechen, nur weil die Empfindlichkeiten der Leser nicht schockiert werden sollen.


    Und dann sind da die Zellen im Kerker: Zellen sollten nicht so leicht zu entkommen sein! Egal wie gut Wächter ihre Zellen bauen, scheinen diese vermaledeiten liebenswerten Schurken immer ohne Weiteres zu entkommen.


    Es sollte nicht so einfach sein. Bedenkt: Der stereotype Fantasykerker hat auf drei Seiten eine Steinmauer, mit Eisenstangen entlang der vierten. Er ist am Boden von übel riechendem Stroh bedeckt. Die Zelle hat einen Nachttopf und vielleicht ein Gitterbett. Es gibt Ratten. Bestimmt auch Spinnen. Die Wachen lassen Essen und Wasser einmal täglich bringen. Der Gefangene hat keine Schlüssel.


    Doch die Leute schaffen es, die ganze Zeit dort herauszuspazieren.


    Die meisten der Tricks, die sie benutzen, sind transparent und hängen von der Unvorsicht und Einfalt der Wächter ab. Sie tun so, als sei jemand in der Zelle krank und bringen die Wachen dazu, allein hereinzukommen. Sie warten, bis Nahrung und Wasser geliefert werden, und greifen dann an. Sie werfen den Nachttopf und entkommen, während die Wächter das kleine Desaster handhaben. In den extremsten Fällen schaffen sie es irgendwie, sich durch festen Stein zu hacken oder die Schlösser mit Waffen oder Dietrichen zu öffnen, die die Wächter irgendwie übersehen haben.


    In einem Szenario, das entfernt der Realität ähnelt, ist es unwahrscheinlich, dass dies funktionieren würde. Wächter sollten es besser wissen, als jemanden allein reinzuschicken, wenn sie das Essen bringen. Der Nachttopf wird wahrscheinlich nicht als Waffe zur Verfügung stehen, und selbst wenn dem so wäre, gibt es keine Garantie, dass ein vom Schurken geblendeter Wachmann, der auf die Gefangenen einschlägt, jedes Mal danebenschlagen würde. Erfahrene Wächter hätten keinen Grund, einen Gefangenen nicht nackt auszuziehen und ihn sorgfältig nach Waffen zu durchsuchen.


    Vor allem, wenn die Helden verwundet sind, sollte Flucht nicht so einfach sein. Wir sollten annehmen, dass die Wächter zumindest das Mindestmaß an Intelligenz haben. Denn ohne dieses Mindestmaß würde der Kerker dichtmachen, weil alle Insassen inzwischen über alle Berge sind.


    Wie sehen die Menschen im Rechtssystem die Helden?


    Wenn die Hauptfigur ein Schurke ist und eine große Menge an Dingen gestohlen hat, werden die Wächterkapitäne und Richter wohl kaum an seinen Selbstbeweihräucherungen teilhaben. Versetzen wir uns in deren Schuhe und denken einen Moment nach. Wie würdet ihr reagieren, wenn in euer Haus eingebrochen wird, oder wenn ihr für den Schutz von Häusern verantwortlich seid, in die eingebrochen wurde? Wut und Hilflosigkeit sind verständliche Reaktionen, nicht dumme und das gilt auch für den Wunsch, sich dagegen zu wehren, den Schurken als Helden zu feiern.


    Wenn deine Helden keine Schurken sind, nur wandernde Abenteurer, versuche auch zu überlegen, wie ein Wachkapitän auf diese gefährlichen, sorglosen, verantwortungslosen Menschen reagieren würde, die durch eine Stadt laufen, die er verpflichtet ist zu schützen.


    Ich finde auch, die Helden sollten nicht die einzigen mit ungewöhnlichen Fähigkeiten sein. Wächter in der Fantasy scheinen fast ausschließlich aus waffentragenden, hart trinkenden Männern zu bestehen, die mit ihren Schwertern nicht sehr vertraut sind. Wenn ihre Waffen keine Schwerter sind, sind sie Piken oder Speere, und sie wissen nicht, wie sie diese verwenden sollen. Aber irgendwie haben sie es geschafft, effektiv gegen alle Feinde vorzugehen, bis die Helden kommen.


    Warum nicht gelegentlich Bogenschützen auftauchen lassen? Oder gute Schwertkämpfer? Oder ehemalige Diebe, die den Helden auf Dächern folgen und ihren Fallen ausweichen könnten? Magier wären interessant. So würden Frauen oder Wächter anderer Rassen, wie Elfen, die Fähigkeiten haben, die die Helden nur für sich besitzen. All dies hätte einen gewissen Anspruch auf Effektivität und würde den Helden eine Herausforderung geben, so wie intelligente Gefängniswärter es tun würden.


    Dann müssten die Helden doppelt so hart arbeiten, um sie zu besiegen. Wenn wenn sie trotzdem siegen würden, würden sie viel besser aussehen, als wenn sie nur die üblichen Jungs erobern würden, die sich beeilen, um wie Idioten zu Tode gehackt zu werden.


    Wachkapitäne und Richter haben wahrscheinlich Ressourcen.


    Zumindest werden sie in ihren Heimatstädten bessere Verbindungen haben als wandernde Helden. Das bedeutet, dass sie wahrscheinlich jemanden bezahlen könnten, um die Helden im Auge zu behalten, oder Berichte über ungewöhnliche Fremde von Städtern aufgreifen, die sie bereits kennen. Sie können sogar über ein vollwertiges Spionagenetzwerk verfügen. Es wirkt seltsam, wenn ein Held, der noch nie in einer Stadt gewesen ist, einem Wach-Captain unbemerkt vor die Augen treten und dann einfach verschwinden kann, obwohl dieser seit zwanzig Jahren die gleichen Wachen in derselben Stadt kommandiert.


    Auch das Oberhaupt der Wache und Richter werden die Stadt besser kennen als Neuankömmlinge. Sie werden die besten Verstecke kennen, die besten Kontakte in der kriminellen Unterwelt an die sich die Helden wahrscheinlich um Hilfe wenden würden, sie kennen sicherlich auch die berüchtigten Diebe. Die Autoritäten werden nicht einfach warten und nicht nach einem Dieb zu suchen, nur damit der Dieb schön Zeit hat um ein Haus auszurauben.


    Noch ein letzter Punkt: All diese feisten Helden sollten zumindest einen Teil der Zeit niedergeschlagen werden.


    Dies ist ein weiteres sehr häufiges Element in Geschichten: ein gewitzter heldenhafter Schurke, dessen jedes Wort die Wächter still werden lässt oder dumm aussehen lässt, wenn sie versuchen zu reagieren. Wenn dies wirklich in eurer Geschichte aus Plottgründen geschehen muss, werden die für Gewalt ausgebildeten Wachen zu Gewalt greifen, wenn schon nichts anderes. Dieser feiste Schurkenheld kann wahrscheinlich mit mindestens ein paar Prellungen und schlechter Behandlung in den Zellen rechnen, inklusive besonders spät gelieferter Kerkernahrung und einem Wassernapf, in den die Wächter aus Dankbarkeit für die cleveren Bemerkungen gepinkelt haben.


    Es könnte noch interessanter sein, einen feisten Wächter zu haben, der dreist antworten kann, oder jemanden, wahrscheinlich das Oberhaupt der Wache, die das alles schon einmal gesehen hat. Als gutes Beispiel dafür (und viele andere Möglichkeiten, die Stereotype über Wachen zu brechen), empfehle ich Terry Pratchetts Stadtwachengeschichten. Dort wird das ganze Theater aus der Sicht der Wachen beschrieben, vor allem ihres Kommandanten Sam Vimes, und die Verbrecher, die von ihrer eigenen Brillanz überzeugt sind, können aus Sicht der gegenüberliegenden Seite genauso töricht erscheinen.


    Von fiesen Eltern abgesehen scheinen Wächter die Zielscheibe der Wahl in der Fantasy zu sein. Ich weiß nicht wirklich warum, wenn man bedenkt, wie groß Probleme wie Diebstahl und Gewalt in unserer Welt sind. Vielleicht finden Autoren es einfacher, einen Schurkenhelden vom Schreibtisch-Sessel aus zu bejubeln, statt darüber nachzudenken, was es bedeuten würde, eine wohl eher unangenehme Begegnung mit solchen Leuten zu machen.