[2023-04] Die Mückenhäuser des Südens

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  • [2023-04] Die Mückenhäuser des Südens*


    Brunnenwasser soll sauber sein. Brunnen werden darum gerne von Brunnenhäusern geschützt. Und im Süden der Träne sind diese besonders prächtig. Denn hier waren sie einst lebenswichtig. Die heute ausgestorbene rötliche Brunnenmücke, von der eine Verwandtschaft zur Arsenmücke angenommen wird, pflegte ihre Eier in Wasserlöchern und Brunnen abzulegen und deren Überreste vergifteten das Wasser. Die dagegen errichteten Brunnenhäuser schützten nicht nur das Wasser, sondern trugen auch zum Aussterben der Mücken bei und sind wie diese im Südland, in der Südhälfte des Westlands und im südlichsten Teil des Hochlands verbreitet.


    Mitunter sind die Brunnenhäuser immer noch mit stilisierten Mücken und Eiern geschmückt oder es findet sich an mehr oder weniger auffallender Stelle eine entsprechende Darstellung. Das berühmte Brunnenhäuschen des Naturkundlichen Instituts von Kallimare ist mit der vergrößerten realistischen Darstellung verschiedener Mücken- und Insektenarten bedeckt und die berühmte Darstellung des Mückenwasseranschlags aus dem Märchen vom Mückenröschen am Brunnenhaus von Ciendaport wurde durch zahllose kitschige Kopien auch zu einer häufigen Verzierung an Brunnenhäusern des Südens. Natürlich gibt es auch Verzierungen ohne Bezug zu Mücken sowie ganz schlichte Brunnenhäuser.


    Bevor wir zu den lokalen Stilen kommen, sei kurz erwähnt, dass natürlich auch die über die ganze Träne verbreiteten Stile bei den Mückenhäusern zur Anwendung kamen und es immer noch reine Zweckbauten, teils sogar ganz unansehnliche Bretterbuden gibt. Aber selbst bei abgelegenen Wasserlöchern ist das Fehlen von Mückenhäusern eine Seltenheit. Die Quelleinfassungen und Quellhäuser dieses Teils der Träne werden Brunnenhäuser oder -häuschen genannt. In Fließgewässern waren Brunnenmücken, die fließendes Wasser zur Eiablage mieden, schließlich kein Problem. Abgesehen vom Fehlen der Abbildungen von Mücken, gilt für sie das zu den Mückenhäusern gesagte sinngemäß.


    Als Beispiele für den Zuckerbäckerstil müssen der Muffin mit Erdbeere auf dem Knickmarkt von Ciendaport und das Kirschtörtchen von Mediafori erwähnt. Der Angebissene Glasierte Apfel von Compsagasuter stellt ein berühmtes Mückenhaus aus der Phase der Kritik am Zuckerbäckerstil dar.


    Klassizistisch sind einige Mückenhäuser in Form von Rundtempel mit Säulengängen oder Pfeilervorlagen. Die durch diese Gestaltung entstehenden Felder sind häufig für Werke der bildenden Kunst genutzt. Neben Helden und Herrschern, Symbolen und Allegorien werden hier auch Wasser, Quellen und natürlich Mücken thematisiert. Berühmt unter diesen ist das Haus des Lebensquell in Vimonte, an dem - vom berühmten Künstler Bernado da Linci - die Phasen des menschlichen Lebens dargestellt wurden. Schlachtszenen verzierten das zerstörte Mückenhaus auf dem Campo Hadu, wo heute inmitten der Trümmer ein sehr kleines, schlichtes Mückenhäuschen aus einigen Trümmern und Feldsteinen steht, während vor den Toren von Castell d'Aqua immer noch Wasser aus dem "Schlachthaus" geholt werden kann.


    Das Zwergenhaus auf dem Marktfeld wiederum ist ein Zeugnis zwergischer Kunst und zeigt berühmte Zwerge. Auch das schwarze Mückenhaus aus dunklem Gestein soll von Zwergen errichtet sein. Das Mückenrelief aus weißem Marmor wurde später ergänzt.


    Elfenkunst sind einige der hölzernen Mückenhäuser des Nordost-Südens, auch wenn die Anfertigung durch Elfen bei einigen Schnitzereien nicht belegt werden kann, es sich wohl oft nur um Nachahmungen lokaler Volkskünstler handelt. Eindeutig elfischer Herkunft sind drei Mückenhäuschen aus lebenden Bäumen, aus Eiche, Linde und Buche, sowie eines aus Haselsträuchern, die als dichtes Flechtwerk gewachsen sind.


    Singulär ist das nördlichste Mückenhaus. Das manchmal Orkenhaus genannte Bauwerk stellt ein typisch orkisches Häuptlingszelt samt verzierender Spitzen und Stoßzähnen dar. Seine Entstehung ist unbekannt. Es wirkt zu filigran für eine Steinmetzarbeit, eher wie ein versteinertes Zelt.


    Als singulär gilt auch der seltsam verdrehte Turm von Quetorr, der so wirkt, als sei einer der noch zu erwähnenden Türme lebendig geworden, nur um wieder zu erstarren.


    Der Turm von Quetorr zählt schon zu den typischen Stilen des Südens, wo einst in kriegerischen Zeiten einige Mückenhäuser als kleine Wehrtürme ausgebaut waren. Hieraus entwickelten sich die Mückentürme. Einige nahmen andere Stile auf, doch typisch sind urtümliche, einfache und fensterlose, sich nach oben verjüngende Bauten mit gemauerten Spitzen oder Kuppeln als Abschluss und selten nur richtigen Dächern. Oft mussten Strebepfeiler ergänzt werden, um diese Bauten zu stabilisieren. Andere wurden sofort mit Strebepfeilern gebaut. Schließlich entstanden auch Bauten mit rundbogigen Fenstern, bevor sich die Architekten mit gewagten, durch dünne Strebepfeiler gesicherte sehr hohe Bauten mit großen, meist spitzbogigen Fenstern Denkmäler setzten. Obwohl die Entwicklung offensichtlich erscheint, konnten diese Mückentürme bisher nicht in eine klare und eindeutige Chronologie eingeordnet werden.


    Beispiel für Mückentürme als Wehrturm sei der Turm von Campo Limesi. Original ist der untere Teil, während die leicht vorkragende Turmstube samt Zinnen eine moderne, der Ästhetik verpflichtete Ergänzung ist. Bei keinem dieser Wehrmückentürme ist der obere Teil erhalten, nur einige sind nicht romantisierend, sondern, wie vor den Mauern von Pudotat als Wehrturm ergänzt, andere dienten sogar als Gefängnis, wie in der Burg Prämonti. Ein Teil ist auch nur als hohler Zahn, nicht immer mit Notdach erhalten. Demgegenüber sind die so urtümlich wirkenden Urmückentürme in der Regel gut erhalten. Bei einigen wenigen stehen mit gräßlichen Fratzen, Ungeheuern und seltsam weichen Glyphen verzierte, in der Regel etwa mannhohe Steine. Die Drei Nebelgleichen als nördlichste Mückentürme im Westland und die Sieben Brunnen, ganz im Süden des Orklands geben jeweils nah beieinander gleich mehrere gute Beispiele. Für die auch als Himmelstürme bezeichneten eleganten, hochstrebenden Mückentürme gilt der Turm bei Aqville als besonders schönes Beispiel, allerdings im Gegensatz zur Regel mit rätselhafter Bildersprache. Der höchste dieser Türme soll auch am höchsten stehen: Er ist auf einem Vorgebirge über einer funktionslosen Zisterne funktionslos erbaut und verdankt sein Dasein dem Ehrgeiz von Bauherrn und Architekt.


    Weit verbreitet sind auch die niedrigeren, acht- oder rechteckigen, selten auch unregelmäßigen oder dreieckigen Mückenhäuser aus Steinquadern oder Ziegelsteinen, die sich im Rahmen der regionalen Architektur weiterentwickelten. Zur Küste hin und im Südteil des Südens stellen Ziegel den typischen regionalen Stil dar. Ziegelbauten sind oft mit vorwiegend blauen oder grünen Zierziegeln verkleidet. Typisch bei Stein und Ziegel ist auch heller Putz und Darstellungen in hellen Farben, wie beim südlichsten Mückenhaus bei Waldstrand, dessen Brunnen seit Jahrzehnten nur Salzwasser enthält und das nur noch seiner Schönheit zuliebe erhalten bleibt. Typische Beispiele sind weit verbreitet, das Mückenhaus von Frontital gilt als besonders gelungen.


    Ganz im Süden fehlend und an der Küste selten sind Mückenhäuser aus Fachwerk. Sie entsprechen im Stil dem südlichen Fachwerkquartier, mit eher enger Setzung der Ständer. Lediglich in der Mitte des Westlands gibt es nördlichere Varianten. Ihre Konstruktion ist höchst individuell, wie der Brunnenstern von Kallimare zeigt. Sie können Türmen oder kleinen Häusern gleichen, prächtig oder funktional gestaltet sein. Während Fachwerkhäuser im Süden gegenüber den Stein- und Ziegelbauten selten sind und diese Konstruktion oft unter einem Putz verborgen wird, dient diese Konstruktion, auch im Verein mit Stein durchaus als Gestaltungselement. Als Turm in Taniano, verwinkeltem Bau in Foro Grado und geometrischen Körpern in Archimed dienen auch diese als Wahrzeichen.


    Für den zum Süden zählenden besiedelten Teil des Gebirges sind Holzbauten typisch. Die Mückenhäuser folgen im Stil den Wohnhäusern. Mit den Mückenstabhäusern wie in Montwardi gibt es aber auch einige, heute seltene, aufwendigere Bauten. Während im Westen Bemalung als Verzierung dominiert, sind im Osten Schnitzereien üblich. Mit farbig gefassten Schnitzereien überschneiden sich diese Möglichkeiten in der Mitte, wobei sich das Gebiet der Überschneidung allmählich vergrößert. Nicht zur Volkskunst zählen nur wenige Bauten wie das Mückenhaus des Paro Badar bei der Hütte am Halbwald. Oft sind die Wände in Tafeln aufgeteilt, die jeweils von einem Künstler oder einer Familie gestaltet werden.


    Beispiele


    * Es wurde beo den Namen ausführlicher Gebrauch von Stadthaltern gemacht. Nachdem ich meine Unterlagen zum Süden der Götterträne wiedergefunden, aber noch nicht gesichtet habe, will ich da erstmal nichts setzen, was ich dann evt. schnell wieder ändern muss. Bilder bekomme ich heute nicht hochgeladen, vielleicht folgen aber noch welche.

  • Es sei erwähnt, dass frühe Orks Wasserlöcher des betroffenen Gebiets mit Konstruktionen ais Fell und Holz schützten, während Elfen Pavillonartige Brunnenhäuschen nutzten. Beides hat sich nicht erhalten, da beide schon lange vor aussterben der Brunnenmücke außerhalb von deren Verbreitungsgebiet siedelten.


    Im Westland ändert sich die Architektur nach Norden allmählich* und die etwas stärker vom Süden bestimmten Mückenhäuser mit ihr. Eindeutig von Norden her beeinflusst ist dort eines im Stil von Schiffshäusern, die ursprünglich aus den umgedrehten Rümpfen von Schiffen entstanden. Und mittlerweile meist eher wie eine aus einem solchen Rumpf geschnittene Scheibe aussehen.


    *Es kann sein, dass im Zuge der Neuerschließung meiner Unterlagen dort wieder eine starrere Grenze eingeführt wird, doch sieht es momentan nicht danach aus, zumal es auf der kleinen Götterträne auch starke vereinheitlichende Tendenzen gibt. Deshalb habe ich eine ganze Fachwerkprovinz gestrichen. Und das ganz enge südliche Fachwerk geht über ein Fachwerk wie in der Normandie und einigen Teilen Englands schnell in Norddeutsches über. Um Mittelstett ist das dann ganz regelmäßig und nüchtern. In Teilen des Nordlands gibt es gar keine Rähmbauweise und in Dorfwell dafür lokal noch einige Pfostenbauten. Dafür ist die Raumaufteilung einheitlich uneinheitlich mit nur geringen Tendenzen, vielleicht von Dorfwell mit einer speziellen Warendörflich inspirierten Aufteilung abgesehen.


    Gemauert sind Zentralflur und entsprechende Ladenhäuser beliebt. In Teilen des Südens muss es Atriumshäuser und im Gebirge Rundhäuser gegeben haben, aber sonst eher mitteleuropäisch-mittelalterliches. Aufgrund der Entstehung der Götterträne als Sammelsurium von Weltenbestandteilen gab und gibt es wesentlich mehr, aber das sind die bestimmenden Tendenzen. Von luftgetrockneten Lehmziegeln z.B. verabschiedet sich in Ländern mit genug Regen jeder schnell.


    Blockhäuser sind noch zu erwähnen. Für die, die aktuell ins Gebirge oder zu Elfen und Orks vordringen. Im Gebirge ist die Lage so uneinheitlich, dass das nur im Zusammenhang der entsprechenden Gemeinschaften zu basteln ist. Damit ist auch eine allgemeine Übersicht gegeben, ohne die Festlegung von Stil- und Kunstepochen vorwegzunehmen. Denn das soll noch etwas offen bleiben, weshalb auch die Mückenhäuser meine Stars für dies Slowbasteln sind. Auch die sehr diverse und fragmentierte Architektur der Südlichen Inseln ist hier noch nicht akzeptabel festlegbar und für das Bundesamt, Bielefeld und Wien muss die Architektur nicht gebastelt werden und bei der erdfernen Raumstation MZZ 1701-alpha geht es um Raumschiff- und Raumstationsdesign und nicht um Architektur. Für die Fliesenwelt Rami trifft der Begriff auch nicht zu und die anderen Welten sind Resteverwertung, beim Slowbasteln nicht interessant. Für den Sprachenbrösel ist die Architektur schon gebastelt.


    Warumverkläre ich das alles? Nun, dank dieser Umstände habe ich zum ersten Mal ein Slowbastelthema samt Komplettübersicht systematisch beackert soweit sinnvoll.

  • Und als Pause eine kleine Begebenheit von der Dungeon-Quest-Expedition meiner Zwerge. Die sind, als das Speedbasteln noch jung war, zufällig von der Oberfläche in einen Dungeon gepurzelt, als sie es sich gerade in frisch gegrabenen Schlaflöchern bequem machten. Zu ihrer Überraschung fanden sie den Dungeon mit teurem Lapislazuli, Marmor und dergleichen, wertvoller als das aufgefundene Gold und Silber, ausgestattet, das Auszubauen einen hohen Ertrag versprach. Und bei diesem Thema Speedbastelthema muss ich unbedingt von einem besonderen Raum dort berichten. Im ersten Teil muss der aber erst einmal gefunden werden.


    Architektur aus dem Berg, Teil 1


    Halgrimm schlug nochmal gegen die Wand des Gangs. Ganz klar war hier ein Hohlraum, wie ihm das seine Ohren verrieten. Er wollte eigentlich nur prüfen, wie gut die Marmorplatten und Plättchen in diesem Bereich zu lösen waren und hatte mit genügend Licht Zierstreifen aus Lapislazuli entdeckt. Um einen Ansatz zum Ablösen zu finden, suchte er eine Stelle, an der der Kleber nicht richtig angezogen hatte. Statt dessen hatte er nun einen großen Hohlraum identifiziert.


    Sogar ein Loch, weniger als ein halbes Zoll im Durchmesser hatte er entdeckt, so kreisrund und glatt, dass es nicht natürlich sein konnte. Ein Geheimraum? Auf dem Boden hatten sie bei der ersten Erkundung vor ein paar Tagen einen kleinen Marmorzylinder gefunden, der passen müsste. Also musste er zurück zu ihrem Lager im großen Saal, wo sie ihre Funde stapelten.


    Da sich der Weg kaum lohnte, brachte er den Zylinder erst zur nächsten Schicht mit, in der er mit der Vermessung dieses Abschnitts beginnen wollte. Der Effekt des Zylinder war es, dass zwei Platten angehoben wurden und er sie leicht abnehmen konnte. Auf die Länge von etwa zwei Schritt konnten die Platten der Wandverkleidung leicht aus einer seltsam einfachen Haltevorrichtung gehoben werden. Dahinter kam der anstehende Fels zum Vorschein, der normal aussah, aber seltsam metallisch klang, als er darauf klopfte. Auch der Abbau weiterer, normal geklebter Platten um den Rand brachte keine Lösung des Rätsels. Nur klang der Fels hier normal. Halgrimm musste überlegen und den Rat der anderen einholen.


    "Wir sollten die Haltevorrichtungen untersuchen. Metall wächst nicht einfach aus Felsen." war der Vorschlag auf den sich die Zwerge schließlich einigten. Halgrimm allein konnte die Vorrichtungen weder lösen, noch verschieben. Doch als mehr Zwergenhände es gleichzeitig versuchten, bewegten sich die Vorrichtungen plötzlich zur Seite und nach hinten.


    Und die Zwergenhände glitten in den Fels, als wäre es Luft. Schweigend starrten die Zwerge auf die Wand bis Halgrimm Luft holte. "Was soll's" dachte er und steckte den Kopf in und schließlich durch die Wand. Dahinter erblickte er einen seltsam fremdartig-bedrohlichen Raum, der in ein grün blinkendes Halbdunkel getaucht war. Bevor sich seine Augen daran gewöhnten, bewegte er sich plötzlich rückwärts. Ein Gefühl, als würde er fallen. War er dem Fels zu nahe gekommen? War das das Ende? Einige sagten, es fühle sich so an, als ob man in den Fels falle. Doch dann erkannte er, was passierte. Er wurde von Händen an den Schultern nach hinten in den Gang gezogen wurde. Dennoch fühlten sich seine Beine einen Moment weich an und er musste kämpfen, um nicht hinzufallen. Die anderen bestanden darauf ihn zu stützen und zwangen ihn, wie in einem Albtraum, sich zu setzen, statt zu versuchen, die Wand zu durchqueren. Er gab auf und es wurde trotz seiner Beteuerungen angenommen, dass er geschwächt war und sie Vorbereitung sowie zusätzliche Untersuchungen bräuchten, um hier weiter .vorzugehen.


    Es dauerte also einige Tage bis sie wieder im Gang vor der durchlässigen Felswand standen. Die Untersuchungen zogen sich in die Länge und als auch noch teure Alchimistische Tinkturen benutzt werden sollten, wurde es Halgrimm zu bunt. Dieser Sicherheitswahn war unzwergisch. Schließlich befanden sie sich nicht an der Oberfläche. "Ich habe doch gesagt, dass das bloß eine Gittertür mit Haken in der Illusion einer Wand war.", bekräftigte er laut und trat durch die Illusion, bevor er aufgehalten wurde. Dabei bemerkten die anderen Zwerge ein kurzes Flackern der Illusion.


    Als er zurückblickte sah Halgrimm keine Wand, sondern wie durch gefärbtes Glas die Zwerge im Gang. "Er dürfte recht haben." hörte er und musste lachen, worauf ein paar seiner Kameraden kurz zurückschreckten. "Kommt schon, das ist bloß eine Illusion." In dem Augenblick erspähte er über der Illusion ein dreieckiges, teils durchsichtiges Artefakt, dass er einfach aus der Halterung nehmen konnte. Es war seltsam leicht, fühlte sich erschreckend ungewöhnlich wie raue, metallische Seide an und nahm schnell seine Körpertemperatur an. In kleinen Zeichen war darauf ein Code vermerkt: MZZ 1701-α. Die Illusion aber war verschwunden und aus nur kurz flackernden Röhren an der Decke des Raums drang plötzlich grelles Licht.


    "Darüber reden wir später noch." musste Halgrimm sich anhören, doch die anderen betraten endlich auch den Raum.


    Dieser war mit Metallpanelen verkleidet, an vier Stellen der gegenüberliegenden Wand blinkten vier kleine Lichter und der zentrale Bereich war durch Metallpanele abgegrenzt. Als die Zwerge diesen Bereich betraten, um Lichter und Wand zu untersuchen, verschwanden sie plötzlich mit einem lang andauernden Flackern.

  • Zwischen den Pausen der Unterricht:


    Berühmte Architekten von der Götterträne


    (aus: Hans Guckkunst (Hrsg.), Goldene Tränen, Zuckerkuchen und - Unsere Künstler, 4. Auflage, Mittelstett im Jahr der großen Tortenschlacht.)


    Aldrik Eldon, den Schöpfer des Zuckerbäckerstils muss ich hier nicht mehr vorstellen, sein Leben und sein Werk wurde schon mehrfach betrachtet.


    Der geniale Künstler Bernado da Linci* hingegen wurde zwar schon ob seiner Reliefs und Statuen erwähnt, doch schuf er auch Gebäude. Wenige seiner Kunstwerke sind je fertig geworden und noch weniger erhalten und sein Lebenslauf wimmelt von entäuschten Auftraggebern. Aufgewachsen im Süden zeigen seine Werke als Hintergrund stets die Landschaften seiner Heimat. Neben seinen wenigen Kunstwerken stehen seine zahllosen noch wenig bekannten Skizzen von Flora, Fauna, Mensch und Technik. Er bereiste nicht nur alle Teile der Träne, sondern hinterließ in jedem mindestens ein Gebäude. Der Bauhof von Mittelstett wurde von ihm neu errichtet und wird als ideale Werkstatt gelobt. Im Orkland improvisierte er, als ein Wagenzug von Orks bedroht wurde, eine Stadtmauer, die noch heute auf einer einsamen Ebene steht. Im Wettstreit mit Baumeistern der Elfen schuf er sein berühmtes Baumhaus: Statt ein Haus auf und in einem Baum zu bauen, konstruierte er einen Baum in und auf einem Haus, was ihm den Sieg eintrug. Im Nordland wird ihm ein Tempel zugeschrieben und in Dorfwell eine Burg. Im West- und Südland gehen mehr Bauten auf ihn zurück. Zu nennen sind vor allem sein Stadthaus in Kallimare und sein Landgut im Westen. Im Gebirge schuf er einen Bogen als Zugang zu einem bewohnten Tal. Es ist auch von unterirdischen Gebäuden die Rede.


    Arundiel Federstein ist berühmteste Architektin der Elfen. Berühmt ist das Federsteinhaus, dessen Steine durch magisch veränderte Äste und Zweige gehalten werden. Während ihre hölzernen Bauten meist vergangen sind und ihre lebend geformten Pflanzen zumeist verwilderten, werden einige ihrer spektakulären Schöpfungen von anderen gepflegt, da die flatterhafte Elfe sich anderen Berufungen zuwandt. Der große Elbensaal aus einem ganzen Wäldchen ist nicht nur beeindruckend, sondern gilt auch als Beispiel für den elfischen Missbrauch der Natur, der allem nur den elfischen Willen aufzwingt.


    Arbeitsam und praktisch schuf Andhelm Finkenfarn aus einer Nebenlinie dieser Mittelstettischen Patrizierfamilie, zahllose Bauten. Seinen Schaffensdrang begriff er als Sucht, die er ebenso vergeblich wie verzweifelt bekämpfte. Je nach seiner Stimmung schuf er gnadenlos-brutal wirkende, rein der Ästhetik der Funktion folgende oder wunderbar elegant-ästhetische Bauten.


    Ein Desiderat der Forschung sind die Namen und Lebensläufe der Architekten der zahlreichen zwergischen Bauten. Aktuelle Forschungen lassen hoffen, dass zukünftige Auflagen hierzu Auskunft geben können.


    *Definitiv ein Platzhalter. Auch die Ähnlichkeiten zu Leonardo da Vincis Biographie.

  • Aber Pausen sind ja auch wichtig:


    Architektur aus dem Berg, Teil 2


    In einem langen Flimmern erschienen Zwerge in einem Saal. Ihre Hände hielten sie wie Pantomimen, die so tun, als ob sie eine Wand untersuchten. Einen kurzen Moment wirkten sie wie erstarrt, bevor sie die Hände herunternahmen. Während einige interessiert in den Saal blickten, nahmen andere Haltungen an, wie sie der Verteidigung dienten oder griffen nach Waffen. Einer tastete sich selbst ab, als ob er feststellen müssten, ob sein Körper wirklich vorhanden ist.


    "Darum, Halgrimm, sind wir in den Hallen von Magiern vorsichtig. Ab jetzt noch vorsichtiger. Lassen wir uns nicht wieder hinreißen, unserer Neugier nachzugeben."


    Die Zwerge betrachteten den mit den schon bekannten Metallpanelen verkleideten Raum, blieben aber in dem abgegrenzten Bereich, wo sie erschienen waren, während sie sich umsahen.


    "Es gibt keinen Ausgang."


    "Ich sehe nur Vitrinen mit Lichtern und Knöpfen."


    "Also gut, schauen wir uns das an. Aber berührt nichts."


    In einigen der Vitrinen waren Modelle von Gebäuden und Brücken ausgestellt, in anderen ganze Dörfer und Städte. Die Städte und Dörfer waren mit leuchtenden Zeichen beschriftet, "Bielefeld" etwa, ein seltsamer Name für eine Stadt. Irgendwie unwirklich. An einer leeren Vitrine stand "Mittelstett". Klar, Mittelstett befand sich im Norden, nicht in einem magischen Stollensystem. Eine Stadt bestand fast nur aus hohen Gebäuden mit riesigen Fenstern, die zusammengenommen wie ein Bergmassiv aussahen. Andere sahen selbst für einen Zwerg gewöhnlicher aus. Das so unwirklich wirkende Bielefeld empfand Halgrimm als in der Mitte der so gebildeten Skala befindlich. Eine Stadt aus teils glasierten Lehmziegeln mit Stufenpyramiden wirkte ebenso wie eine Gruppe großer Halbkugeln mit kleinen Fenstern wie ein seltsamer Ausreißer.


    An Gebäuden waren da z. B. ein großer, auf das Zentrum hin gestalteter Palast, eine große, rot gestrichene Hängebrücke aus Metall und riesiger Turm, der ganz aus Glas zu bestehen schien.


    Andere Gebäude waren ihm durch Berichte von der Oberfläche bekannt oder er hatte Exemplare schon selbst gesehen. Bockwindmühlen und andere Mühlentypen sowie Schmieden, Tempel und Burgen waren nicht ungewöhnlich. Die Bienenwabengebäude der Großfeen und die kleinen Bienenkorbhäuser der Berggnome waren hingegen so selten wie ihre Bewohner. Und Lehmziegelbauten sowie luftige Langhäuser auf Stelzen sollte es nur auf einigen der Südlichen Inseln geben. Runde Fachwerk- und Lehmbauten konnte er nicht einordnen. Die Baumhäuser der beleuchteten Elfen kernte schon jeder Jungzwerg zu erkennen. Neben dem unvermeidlichen Zuckerbäckerstil gab es auch gewöhnlichere Stadthäuser und Dorfwellsche Schiffshäuser. Ganz fremdartig wirkte dann wieder ein weiß verputztes Haus mit glänzenden blauen Dachziegeln, geradezu riesigen Fenstern, vor dem ein lackiertes vierrädriges Metallgefährt ohne Vorrichtung zum Anspannen von Zugtieren stand.


    Als Halgrimm einen Knopf streifte, verschwand ein Dorf namens Alftalen mit dem schon bekannten Flackern. "Drückt nicht auf die Knöpfe, sonst verschwinden die Modelle." Zu Aussagen Fragen wie "So?" und Aussagen wie "Glaub' ich nicht." verschwanden einige weitere Orte und Gebäude.


    "Hört auf damit, in einigen der Vitrinen bewegen sich ganz kleine Wesen. Unter meiner Lupe sehen sie wie Menschen aus. Wir sollten ihnen helfen."


    "Unser Problem ist jetzt erstmal der fehlende Ausgang. Anderen können wir helfen, wenn wir uns frei gegraben haben. Oder seht ihr hier irgendwo trinkbares Wasser?"


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    Währenddessen im erdfernen Forschungskomplex MZZ 1701-α:


    "Ein Teil des Labors im Experiment VeGH BLS 347-b/08 zur Anhäufung kleiner und mittlerer Inhalte bewohnter Welten in Zusammenhang mit Kulturentwicklung und Interspezieskommunikation* wurde aktiviert., her Professor. Anscheinend haben Zwerge eine automatische Versetzung ausgelöst."


    "Helfen sie mir doch auf die Sprünge. Das Experiment mit dem gefrorenen Tal?"


    "Ja, die Studenten nennen es Versetzungsträne. Es sollten alle Spuren unserer Präsenz beseitigt sein, aber sie wissen ja, manchmal ..."


    "Immer diese Studenten mit ihrem Spieltrieb! Seien sie doch so gut und kümmern sich darum. Keine Spuren, auch nicht unterirdisch. Diese verflixten Zwerge graben sich überall hin, wenn lange genug gewartet wird."


    Froh nickte die Assistentin, da nicht aufgeflogen war, dass sie selbst mit ein paar Freunden die Labore und auch das Stadtstudio weiterbetrieben hatten. Wie ging es am schnellsten? Klar, Fels statt Labor und Studio. Eine kleine Schatzkammer mit Geheimtür und Kopfschmerzen für die Zwerge. Aber wohin sollte sie bloß mit den dort verkleinert geparkten Städten und Gebäuden?


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    Kurz darauf unter dem Gebirge der Götterträne:


    Halgrimm öffnete die Augen. Und spürte einen gewaltigen Kater. Er erinnerte sich nur daran, in einen Saal ohne Ausgang gezaubert worden zu sein indem kleine Menschen in Vitrinen gefangen gehalten wurden. Er musste für solche Träume ganze Fässer allein geleert haben. Aber wieso lagen sie alle mit den geleerten Flaschen im Gang vor der Geheimkammer? Er rappelte sich auf und sah, dass sich auch die anderen Zwerge regten.


    In der Geheimkammer bemerkte er ein Flaschenregal, was ihren Zustand erklärte. Dasxheißt, erklären würde, wenn sie nicht alle Getränke erst gründlich auf Gift und Haltbarkeit untersuchen würden. Als er an dem Regal vorbeiblickte, vergaß er vom einen auf den anderen Moment seine Bedenken, denn er sah wunderbare Dinge.


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    Währenddessen an anderer Stelle des Gebirges:


    Der Hirte genoss den Ausblick über das enge Tal. Er war froh, seine Tiere hier einige Tage grasen lassen zu können. Es gab nur diesen Zugang, der gut zu kontrollieren war, was bedeutete, dass er Faulenzen konnte, sobald er seine Ausrüstung gepflegt und einfache Reparaturen durchgeführt hatte. Sein treuer Schäferhund würde ihn warnen, wenn Tiere sich dem Zugang näherten oder Raubtiere kamen. Doch zunächst würde er sich für einen Mittagsschlaf in der Sonne ausstrecken. Er genoss es in den blauen Himmel zu schauen, als dieser zu flackern begann. Schließlich war über ihm eine rot gestrichene metallene Hängebrücke erschienen, die vollkommen sinnlos die Kämme zweier Bergrücken verband.**


    Nun war ihm geschehen, wie es einst seinem Großvater geschah. Nur damals waren die ganzen vollkommen symmetrischen Kugeln, Würfel, Pyramiden, Zylinder und Quader aus schwarzem Stein erschienen, um die herum jetzt im Tal die Tiere friedlich grasten.***


    * Übersetzung: Träne der Götter

    ** Ja, so ähnlich ist eine ganze Menge Architektur auf die Träne gelangt.

    *** Und von denen einige mittlerweile wie berichtet auf dem Schwarzmarkt von Mittelstett stehen.

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