Geschichten von Fliese und Träne

  • [Wenn es doch nicht der richtige Bereich ist, bitte den Thread verschieben.]


    LABORTIERE

    === streng geheim === === Bericht Aufklärungsabteilung, Hauptlabor B17, Station MZZ 1701-α === === streng geheim ===

    Aufzeichnung des Flugrekorders der Raumkorvette MZZK 5679-Δ

    Stille. Stille und Dunkelheit. Helle Punkte in der Dunkelheit. Sterne.

    Plötzlich schiebt sich eine riesige Tigerklaue ins Blickfeld. Sie wächst aus der Spitze eines orange-weiß-schwarz gestreiften Raumschiffs hervor.

    Eine Stimme ist zu hören: "Da, das ist so ein Schiff dieser Straßenkater."

    "Tarnmodus aktivieren. Raumsprung vorbereiten."

    "Warum bleiben wir nicht, Sir? Sie können uns nicht gesehen haben und wir haben doch den Auftrag, zu beobachten. Wir könnten den Dislokationsstrahl nutzen und einige der autonomen Objekte an Bord jenes Schiffs für Experimente sammeln."

    "Nein, Leutnant, es gibt strikte Anweisung uns von den autonomen Objekten der Tigerklasse fernzuhalten. Sie wissen doch, was bei Panthera-7 geschehen ist."

    "Aber, Sir, das war ihre ganze Heimatverteidigungsflotte, dies ist ein Schiff. Und nachdem Panthera-7 disloziert wurde, dürften ihnen Nachschub und Ersatz ausgegangen sein."

    "Wollen sie die Anweisungen des Wissenschaftler in Frage stellen? Wollen sie sagen, dass sie die Situation besser beurteilen können, als er? Wir haben den Anweisungen zu gehorchen, um die Forschungen nicht zu gefährden, auch wenn es keinem von uns gefällt. Aber eine Sonde können sie vorbereiten. Das ist immerhin nicht ausdrücklich verboten."

    "Aye-Aye, Sir! Yellowkirk und Bluespock, kümmern sie sich darum! Redscott, geben sie den beiden einen der neuen Lokator-Sensoren."

    "Aye Sir!" Bewegung ist zu hören.

    Die Stimme des Kommandanten: "Und beeilen sie sich, ich will schnell hier weg. Vielleicht schaffen wir es bis morgen Mittag zurück. Ich habe gehört, wir bekommen Nachschub. Proviant, Getränke und die neue Ausrüstung für Labor 2 sollen übernommen werden."

    "Das sind gute Nachrichten, Sir! Die Crew kann es kaum erwarten, das Labor endlich komplett zu haben."

    Eine offensichtlich über einen Lautsprecher übertragene Stimme: "Die Sonde ist bereit, Sir, wenn wir sie später per Funk starten. Das dürfte schneller gehen, als die Automatik zu programmieren."

    "Gut gemacht, Yellowkirk! Und nun raus mit dem Ding!"

    "Ja, sir!"

    "Leutnant, sobald es geht, aktivieren sie die Sonde. Steuermann! Sobald das geschehen ist, bringen sie uns auf den Rückweg!"

    "Aye Aye, Sir!" erklingt es doppelt.

    "Sonde abgesetzt!" erklingt es aus den Lautsprechern.

    "Aktivierung in 30, 29 , 28 ..."

    "Sir, etwas erfasst die Sonde. Das sieht fast aus wie einer unserer Dislokationsstrahlen."

    "Reden sie keinen Unsinn, Leutnant. Diese Technik steht nur uns zur Verfügung, keinesfalls den Untersuchungsobjekten."

    Ein Knistern.

    "Sir, wir scheinen erfasst zu werden. ... Sir, wo sind sie? Verdammt. Schilde hoch."

    Noch ein Knistern.

    "Redscott übernehmen sie die Sicherheitsstation."

    Und noch ein Knistern.

    "Sir, Redscott wurde disloziert."

    Ein Knistern.


    "Computer, Notruf Rot 3 initialisieren!"

    Ein letztes Knistern.

    Nach einer Weile gerät das orange-weiß-schwarz gestreifte Raumschiff allmählich wieder aus dem Blickfeld der Kamera.

    Helle Punkte in der Dunkelheit. Sterne. Sterne und Stille.

    Ein Knistern und ein Rauschen im Bild. Dunkelheit auf dem Bildschirm.

    === Ende der Aufzeichnung ===

  • Skurrile Schriften, Rami, Bundesverschwörungsamt, Träne


    Heute gibt es einen Dreiteiler. Zum einen ist da die Längenbegrenzung, zum anderen hatte ich das sowieso in drei Etappen geschrieben.


    Teil 1/3


    Die Punkt-Strich-Quadrat-Schrift


    1- Beschreibung


    --- Zwischenbericht b-238745-x ---


    --- Streng geheim ---


    --- Arbeitshypothese Entzifferung Fliesenchip, Kurzfassung zur Übermittlung an die Einsatzgruppe Forschungskomplex MZZ-1701-α ---


    Bei der Punkt-Strich-Quadrat-Schrift entsprechen die Punkte Konsonanten:


    1 Punkt entspricht t / d,

    2 n,

    3 m,

    4 r,

    5 l,

    6 j / dsch,

    7 k /c,

    8 v / f,

    9 p /b.

    Ein Kreis entspricht s.*


    Bis zur sechs sind die Punkte wie beim Würfel angeordnet. Zwei Punkte können auch als Strich, vier als zwei Striche, drei als gestrichener Strich, sechs als zwei gestrichene Striche und fünf als ein x oder ein Kreuz geschrieben werden. Auch die Striche können verschieden angeordnet sein: horizontal oder vertikal. Bei den Zahlen über sechs stehen über dem Symbol für die 6 weitere Punkte. Die sechs kann dann auch durch ein Quadrat angezeigt werden. Bei der sieben steht ein Punkt darüber, bei der 8 zwei Punkte, meist horizontal angeordnet oder ein Strich und bei der 9 drei Punkte als Dreieck mit der spitze nach oben oder ein Dach, seltener sind Dreieck oder ein gestrichener Strich. Diese Zeichen werden innerhalb eines gedachten Quadrats oder Rechtecks geschrieben. Nur als besonders aufwendige Kalligraphie wird auch das Quadrat dargestellt.


    Die Vokale werden** durch Striche dargestellt: Strich links, Strich rechts, Strich oben, Strich unten und eine Diagonale. Im Unterschied zur mittigeren Darstellung der Konsonanten sind die horizontalen und vertikalen Konsonanten die Seiten des gedachten Quadrats. Wird das Quadrat gezeigt, sind die entsprechenden Seiten hervorgehoben.


    Diphtonge können auch als entsprechende Kurven oder Wellen in einem Vokaldreieck oder Vokaltrapez geschrieben werden.


    Tonhöhen, Betonung, Akzente und Tonlängen können durch Striche, Kurven oder Wellen über den einzelnen Zeichen angezeigt werden. Striche sind allerdings meist eine Nachlässigkeit, da diese mit v/f und b/p und verwechselt werden können.


    * Diese irdische Übersetzung entspricht dem Zifferncode nach Aimé Paris, damit es leicht zu merken ist.

    ** Diesmal ist es als irdisch-deutsche Übersetzung gedacht. (a,e,i,o,u)

  • Teil 2/3

    Die Punkt-Strich-Quadrat-Schrift, fliesisch-irdisch

    2- Bundesamt für Verschwörung und Metatechnologie, Operationsleitzentrale, Labor, irgendwo im Wald, irgendwo bei B**l*f*ld:


    "Seien sie vorsichtig, diese Objekte sind klein, mikroskopisch klein."

    "Hören sie endlich auf mit dem Unsinn, Igorsky. So klein kann keiner schreiben. Sie benehmen sich wie ein unverständiger Student. Außerdem kann ich mit Objektträgern umgehen. Frechheit!"

    "So werfen sie doch einfach einen Blick ins Mikroskop, Professor Orkmeyer! Natürlich haben sie uns da wieder Blödsinn aufgetischt, aber da sind Zeichen, kaum zu erkennen. Es sieht nach einem Zahlencode aus."

    "Na gut, aber wenn ... Das kann doch ... Was ... Gut, da sind Zeichen. Sicher maschinell erstellt. Von wegen "geschrieben". Erstellen sie eine Vergrößerung und geben sie die an die Kryptographieabteilung."

    "Die Vergrößerung ist schon vorbereitet. Ich kann sie gleich rüberbringen."

    "Gut, und ich werde mich diesmal persönlich beschweren. Wie sollen wir effektiv arbeiten, wenn wir immer erst herausfinden müssen, welche Information ernst gemeint sind. Ganz kleine intelligente Wesen, die uns ganz kleine "Schriftchips" überlassen? Das nächste mal wollen sie wissen, wo Lilliput liegt!"

    Zwei Stunden später:

    "Igorsky, lange mache ich das nicht mehr mit. Ich gehe zurück an die Uni. Lieber freche Studenten als dieser Spott. Lange hab ich nicht mehr zum Ruhestand. Eine erdferne Forschungsstation? Ja, schwierig, aber möglich. Aber dann ging es los! Ein ganzer Forschungskomplex, Dyson-Sphären? Eine "bewohnte Fliese" in einer Teeküche? Mikroskopisch kleine Bewohner? Das hier ist ein Bundesamt, nicht Disney-Land! Wir sollten solche Theorien widerlegen und nicht daran glauben. Und dann diese Dr. Totila!* Sie sollten wirklich nicht mehr mit ihr ausgehen, Igorsky. Welten in einem Zylinder? Eine größere Verbreitung dieser Schrift? Reisen unserer Agenten über Lichtjahre? Und sie schien zu erwarten, dass ich das glaube. Noch bin ich nicht senil, Igorsky. Was finden sie überhaupt an der?"

    "Sie ist geistreich und eigentlich sehr seriös. Sind sie sicher, dass es kein Missverständnis ist?"

    "Halten sie mich etwa auch für senil? Ach, sie sind jung und geblendet von Schönheit! Sie werden noch merken, dass das nicht alles ist. Diese Frau hat keinen Respekt und ... Ah, Dr. Totila, was machen sie denn hier?"

    "Herr Professor, ich glaube, wir müssen ihnen einiges zeigen. Fred, mach doch mal kurz die Augen zu."

    "Was ist das für ein Ding und warum ...."


    *Dr. Totila ist die Gegenspielerin von Dr. Teja aus dem Wiener Labor.

  • Teil 3/3

    Die Punkt-Strich-Quadrat-Schrift, tränisch

    3- Die Fliesenhöhle:

    Arkanes Institut, Mittelstett:

    "Eure Magnifizenz, der ehrenfeste Bürgermeister Schwartzwijk ist schon wieder da."

    Professor Magobrosius Audissimus Gandholt rollte mit den Augen. Schon wieder. Erst die Sache mit der Löhneaue, dann das Verschwinden von Professor Geisterberg und die Vorfälle bei den Ausgrabungen waren auch noch nicht Geschichte. Und schon wieder offizieller Besuch.

    "Bringen sie ihn herein."

    Gandholt stand auf, begrüßte den Bürgermeister, der auf der anderen Seite des Schreibtischs Platz nahm. "Schön, sie schon wieder zu sehen, Mirkbert. Wie kann die Magie heute der Stadt nutzen?" fragte er, während er sich selbst wieder setzte.

    "Sie meinen wohl, wie sie uns wieder gefährden können, Magobrosius."

    "Was heißt hier gefährden? Schützen wir nicht viel eher die Stadt vor Schwarzer Magie und magischen Unfällen?"

    "Sie meinen die Unfälle und magischen Effekte, die sie selbst verursachen? Nun, heute geht es eher um eine Entdeckung, für die sie wahrscheinlich nicht verantwortlich sind. In den Bergen südlich der Stadt bei Bargelheim wurde eine Höhle mit Inschriften entdeckt. Eigentlich hatten wir einige Zwerge gebeten, sich das mal anzuschauen, aber..."

    "Was heißt hier Zwerge? Für Inschriften und Artefakte sind wir zuständig."

    "Nur hat in letzter Zeit ihre Reputation hinsichtlich des sicheren Umgangs mit Magie etwas gelitten. Aber wir fragen sie ja jetzt trotzdem. Die Zwerge wollen ein magisches Siegel nicht lösen."

    "Verstehe, sie wollen uns alle um eines möglichen Profits wegen gefährden und dann dem Institut die Schuld zuschieben."

    "Wir dachten eher daran, durchsickern zu lassen, dass Zwerge das Siegel aus Versehen beschädigt haben und unser Arkanes Institut die Gefährdung beseitigt. Schließlich gibt es schon Forderungen, das unprofitable und gefährliche Institut zu schließen. Sie brauchen dringend einen Erfolg, mein lieber Magobrosius."

    "Was heißt hier unprofitabel? Ohne unsere Analysen wäre ein guter Teil der importierten Artefakte unverkäuflich und ..."

    "Schon gut, schon gut! Schicken sie einfach jemanden nach Bargelheim, der dafür sorgt, dass nichts passiert."

    "Dr. Gigantus ist unser Experte für unterirdische Forschungen."

    "Aber ist Nekronimus Gigantus nicht für den Wiedergänger-Vorfall verantwortlich?"

    "Sie meinen, dass er die Stadt vor Nekromantie schützte? Ihn mit der Expeditionsführung zu betrauen ist billiger als ihm die Investitur für den ihm schon zugesprochenen Lehrstuhl zu erteilen. Solange der Lehrstuhl für Unberatene Schriften nicht besetzt ist, muss die Stadt nichts dafür zahlen. Und mit dem nötigen Bericht dauert das dann sicher noch ein Jahr, bis wir den Lehrstuhl dann besetzen können."

    "Gut, die Stadt ist ja sowieso nicht für Personalentscheidungen des Instituts verantwortlich."

    Eine Höhle, irgendwo bei Bargelheim:

    Schlechtgelaunt ging Dr. Nekronimus Gigantus den Gang entlang. Wieder einmal musste er irgendeine langweilige Ruine untersuchen und die Folgen irgendwelcher alter Magie eindämmen, statt ruhig im Institut an seinem eigenen Magnum Opus zu arbeiten. Dabei hätte er schon längst in seinen eigenen Lehrstuhl investiert werden sollen. Dann könnten ihn allenfalls Studenten kurz stören und niemand ihn mehr zu irgendwelchen Funden schicken. Von einer kleinen Höhle hatten sie geredet! Höhle! Die Zwerge hatten ein Gangsystem freigelegt! Wenigstens waren die meisten Gänge eingestürtzt und nur eine Tür zu untersuchen.

    Kurz nachdem das umgebende Erdreich durch Felsgestein abgelöst wurde, führte der Gang durch einen kleinen, quadratischen Raum, der anscheinend als Lager oder Garderobe gedient hatte. In den Wänden waren lange Ablagen ausgespart, die die Zwerge jetzt als provisorische Schlafschlitze nutzten. Natürlich hatten sie die Funde auf den Grabungsschutt geworfen und nur einige Metallartefakte behalten. Nun, so konnte sich keiner beschweren, dass er die beiden Studenten, die ihm als Hilfskräfte gewährt worden waren, nur kurz den Schutt untersuchen ließ. Aussagekräftiges war da kaum zu erwarten.

    Jetzt waren es nur noch 30 Schritt, bis sich der Gang trichterförmig erweiterte. Gigantus blickte auf die gegenüberliegende Steintür, die von den Laternen beleuchtet wurde, die die Zwerge hier angebracht hatten. Die Tiefen Zwerge waren eindeutig Profis und gut für die Gefahren der Tiefe ausgebildet. Ein wohltuender Gegensatz zu den abgehalfterten Söldnern und Abenteurern, die das Institut bezahlen konnte. Der noch sparsamere Magistrat hatte ihnen neben einer Fundbeteiligung die Möglichkeit eines unterirdischen Rastplatzes schmackhaft gemacht und vielleicht einen Gefallen eingefordert.

    Neben der Tür ihm gegenüber waren Tafeln mit Zeichen aus Punkten, Strichen und Quadraten aus dem Fels herausgearbeitet, während auf der Tür drei Quadrate hervorgehoben waren, in denen schmale Rinnen ein Art Muster aus Kreislinien und Schlaufen bildeten, dass sich auf jedem dieser drei Quadrate wiederholte. An einer Seite der Tür befanden sich zwergische Schriftzeichen. Ein magisches Siegel war nicht zu sehen und er spürte auch die Kraft nicht.

    Jetzt bemerkte er die Zwerge, die neben ihm standen und auf ihn gewartet hatten. Die Expedition war abends eingetroffen und außer Begrüßung, Vorstellungen und der Durchsuchung des Schutts war noch nichts besprochen.

    "Einen Guten Morgen, wünsche ich. Sagen sie, es war die Rede von einem magischen Siegel. Ich kann aber keines erkennen."

    "Das war wohl ein Übersetzungsfehler, Dr. Gigantus." Thybor, der Anführer dieser tiefzwergischen Lakrimanauten, zuckte mit den Schultern. "Ich selbst war nicht da, als das Schreiben an ihren Bürgermeister abging, weil ich die Handelsmöglichkeiten in Bargelheim erkundete. Erstaunlich vielfältig für einen so kleinen Ort abseits der Handelswege."

    "Ja, selbst die Händlergilde hat aufgegeben, nach einer Erklärung zu suchen. Aber um was geht es hier? Warum haben sie die Tür nicht geöffnet? Die Inschrift neben der Tür scheint zwergisch zu sein."

    "Allerdings. Es handelt sich um eine Schrift der gemeinen Zwergensprache, ein altertümlicher Dialekt ähnlich dem der Tränenzwerge vom Ziegenberg. Sie warnt vor schlimmen Zerstörungen."

    "Ist etwas über die Art der Gefahr bekannt?"

    Thybor sah ihn seltsam nachdenklich an. "Selbstverständlich die Gefahren der Oberfläche. Die Fliesen sollen geschützt werden."

    "Fliesen?"

    "Hinter der Tür werden drei Fliesen aufbewahrt, wie die Tür sie zeigt."

    "Sie weigern sich die Tür zu öffnen, weil sie drei Fliesen vor den 'Gefahren der Oberfläche' schützen wollen? Ernsthaft?"

    Jetzt starrten ihn die Zwerge entsetzt an und sprach wie zu einem Kind. "Von oben kommt nichts Gutes. Hagel, Elfen und Schwarzmagier sind da noch harmlose Gefahren und schon ihre Kaufleute haben schon große Probleme verursacht. Trotz einer solchen Warnung eine Tür zu öffnen, wäre ... Kragnagrök ... undenkbar für jeden unbeleuchteten Zwerg."

    "Dass heißt, sie haben es nicht mal versucht?"

    "Natürlich nicht."

    Gigantus seufzte. "Ist etwas über die Schrift auf den Tafeln bekannt?"

    "Quaquop'rrhur'mi, vielleicht besser Punkt-Strich-Quadrat-Schrift in oberflächlicher Sprache, findet sich manchmal in hochgelegenen alten Bingen. Unsere Gelehrten und Priester werden mehr wissen. "

    "Nun, ich wurde geschickt, um die Tür zu öffnen und für Sicherheit zu sorgen."

    Gigantus trat vor und drückte gegen die Tür, die sich nach anfänglichem Widerstand erstaunlich leicht bewegen lies. Vorsichtig im Licht seiner Laterne ausspähend, trat er vor, bevor die Zwerge ihn k.o. schlugen.


    [Da 10.000 Zeichen wirklich wenig sind, gibt es einen Teil 3b.]

  • [Da 10.000 Zeichen wirklich wenig sind, gibt es einen Teil 3b.]


    Am nächsten Tag, Fliesenhöhle:


    Er war mit Kopfschmerzen aufgewacht und hatte den ganzen Tag gebraucht, die Zwerge zu überzeugen, dass es besser war, wenn sie sich um die Sicherheit der Fliesen kümmerten anstatt dies dem Zufall zu überlassen. Schließlich gab es keinerlei Hindernis zwischen Fliesenraum und Oberfläche mehr. Thybor mit seiner großen Erfahrung über die Verhältnisse und Sichtweisen an der Oberfläche war dabei eine große Hilfe gewesen.


    Jetzt war der quer hinter der Tür liegende langrechteckige Raum endlich nach Fallen abgesucht und mit Licht versehen. Ein Band, dass rund um die Innenseite der Wände lief, war mit der Punkt-Strich-Quadrat-Schrift kunstvoll beschrieben. Gut, dass war schnell zu kopieren. Gegenüber der Tür war ein Bereich ausgespart. In einem Rahmen, der nach oben und unten über das Band hinaus ragte, waren wohl einst hervorragend drei Fliesen, die dem Relief auf der Tür entsprachen, angebracht. Jetzt fehlte die mittlere und die linke - gelbe - lag zerbrochen am Boden. Die rechte - blaue - war ebenfalls gerissen, doch klebte der größte Teil noch an seinem Platz. Vom Rest der blauen Fliese waren nur zwei kleine Bruchstücke aufzufinden. Von der mittleren Fliese fand sich nur eine kleine Spur der Glasur, die auf die Farbe rot hindeutete. Die beiden Fragmente der blauen und die Spuren der roten Fliese waren schnell gesichert. Und die Studenten waren schon dabei, die gelbe Fliese auf einer Holzplatte wieder zusammenzusetzen. Die Zwerge hatten eindrücklich klar gemacht. dass die blaue Fliese in situ zu bleiben hatte. Also würde er sie zeichnen müssen.


    Leider befanden sich im Raum entlang der Wände mehrere große Vorratsamphoren, deren Inhalt wohl nur langsam zu untersuchen war. Die Zwerge arbeiteten schon daran, die Verschlüsse möglichst ohne Zerstörung zu öffnen. Es gab noch drei steinerne Lesepulte vor den Fliesen. Auf einem lag ein Haufen Rost. Auf den anderen beiden lagen Bücher aus Metall. Eines aus einer Kupferlegierung und eines aus Gold. Die Bindung war seit langer Zeit verrottet.


    War schon das Gold genug, um von einem großen Erfolg zu reden, gab es für Gigantus ein noch interessanteres Monument. In die Lesepulte waren zwergische Inschriften geritzt, die die neuentdeckte Schrift erklärten. Freudig kopierte er sie und notierte die Übersetzung Thybors. Traditionell musste sie der Inhaber des Lehrstuhls für Unberatene Schriften entziffern. Und er war schon seit zwei Jahren für diesen Lehrstuhl designiert. Da die Bearbeitung von Entdeckungen Vorrang hatte, um sicher zu gehen, dass Funde nicht ungenutzt im Depot schlummerten, konnten sie seine Investitur nicht weiter mit dringenden Missionen verzögern. Denn als Expeditionsleiter konnte er vor der Veröffentlichung der Ergebnisse jede weitere Sonderaufgabe ablehnen. Diese Erkenntnis hatte seine Laune schlagartig aufgehellt. Da nützte ihm die Habgier der Mittelstetter Pfeffersäcke endlich mal.


    Vollends betrachtete er die Expedition als Erfolg, als sich herausstellte, dass die Amphoren Gold, Edelsteine und weitere, gut konservierte Schriften enthielten. Es würde nicht nötig werden, die Tafeln des goldenen Buchs zu verkaufen. Schließlich entdeckte ein Zwerg weitere Amphoren in einem Raum hinter einer Geheimtür. Glücklicherweise war Gigantus anwesend und konnte die Zwerge stoppen. Denn die Amphoren trugen magische Zeichen. Er würde sie gut bewacht nach Mittelstett transportieren lassen, um sie innerhalb der sicheren Mauern von Stadt und Institut kontrolliert zu öffnen. Damit würde auch den Sicherheitsbedenken gegen das Institut ein Ende gesetzt werden. Es war schon zu Demonstrationen gekommen und der Magistrat machte dem Institut Schwierigkeiten. Und sein Name würde damit verbunden sein, es würde ein gigantischer Erfolg werden.


    --- --- ---


    Der Autor muss noch herausfinden, ob in Mittelstett zukünftig Erfolge oder Explosionen nach Dr. Nekronimus Gigantus benannt werden.


    Es wurde herausgefunden, dass die rote Fliese Rami heißt.


    Ja, Bargelheim ist nach dem Bösewicht aus dem Beispiel- und Einstiegsabenteuer des ganz alten D&D benannt.

  • ['Kriegskonventionen']


    Der Goldene Apfel der Tana

    "... und holen uns all ihr Gold!"

    "Sir, sie haben kein Gold."

    "Ist der Kriegsgrund nicht, dass sie unsere Kaufleute ausrauben?"

    "Ja, Sir, aber sie opfern alles ihren Göttern, indem sie es in den Schlund des Inselvulkans werfen. Ringopfer nennen sie das."

    "Aber unsere Soldaten kämpfen nur um Gold. Können wir ihnen irgendwie etwas zukommen lassen?"

    "Das ist schwierig, Sir. Sie opfern alles Gold, es sei denn, es komme von den Göttern, was aber noch nie vorgekommen ist."

    "Hm. Dann lasst einen Dieb Gold in ihrem Tempel platzieren."

    "Unsere Münzen würden aber sicher nicht akzeptiert, Sir."

    "Natürlich keine Münzen! Muss ich denn alles erklären. Lasst einen Gegenstand aus Gold dort ablegen. Einen Kunstgegenstand. Irgendwas einfaches. Einen Apfel vielleicht."

    Und so entstand die Tradition, dass die Tana vor dem Beginn eines Krieges einen goldenen Apfel in einem Heiligtum des Gegners versteckten, um bei seiner Eroberung sicher Gold zu erbeuten. Und mit der Zeit sprachen sie nicht mehr davon, all das Gold des Feindes zu holen, sondern seinen Goldenen Apfel zu erringen.

    Und, bevor dies als reine Formalie gesehen wurde, gelang es sogar einigen ihrer Feinde, den Goldenen Apfel rechtzeitig zu finden und über die Grenze zu den Tana zu bringen, so dass diese ihren Feldzug abbrechen mussten.

  • Das ist einfach richtig gut! Das gefällt mir. Also als Text wie auch als Brauch. Könnte mir auch super gut vorstellen das es ein bisschen wie bei dem Maibaumklau ist. Das richtige Pläne geschmiedet werden, wie und wann man die Aktion (in dem Fall den Apfel zu verstecken) durchführt. Zudem kann ich mir total gut vorstellen, dass sowas zu einer Art Sportart wird.

    Noch ein Gedanke dazu. Je nachdem wie lange dieses Volk Gold in den Vulkan geworfen hat, müsste sich die konzentration an Gold in der oberen Schlanke deutlich erhöht haben oder?

  • Danke! Ja, das ist eine Perle zwischen viel Mittelmäßigem bei meinen Basteleien.


    Auf der Insel gibt es kein Gold und wer weiß, dass es einem dort abgenommen wird, bringt keines mit. Im Grunde wird das Gold auch nicht "geopfert", sondern zurückgegeben. Aber das haben die Tana nicht durchschaut. Jedenfalls landet daher keine große Menge im Schlot. Wahrscheinlich könnte etwas an den Rändern gefunden werfen, da die Priester keine Zielübungen machen und der Abstieg Tabu ist.


    Die Militärführung der Tana war da schon recht professionell und rationalistisch. Die Pläne wurden also schon in einem Stab geschmiedet und geheim durchgeführt. Aber ich war tatsächlich versucht, es als archaischen Wettbewerb anzulegen, was sich auch gut in die südliche Inselwelt einfügen würde. Aber sie lebt auch von dem Gegensatz unterschiedlicher Entwicklung. Das ist etwa in folgender Geschichte zum Thema 'Organisiertes Verbrechen' zu sehen:


    Das Organisierte Verbrechen von Kirra

    Eines Tages erschien vor der Insel Gnarro ein Schiff und ankerte in einer kleinen Bucht. In der Hoffnung auf ein wenig Handel und Neuigkeiten erschien die Bevölkerung der kleinen Insel schnell am Strand. Doch an Land gesetzt wurden keine Händler. Es waren zwei Männer und eine Frau, die graue Kleidung trugen. Matrosen trugen drei kleine Tische und drei Klappstühle an Land und stellten sie unter in den Schatten der Palmen am Rand des Strandes. Erstaunt über das seltsam Steife verhalten der drei Graugekleideten bildeten die Bewohner der Insel einen Halbkreis um die Tische. Einer Matrosen war schon einige Male auf der Insel und verstand daher den dortigen Dialekt. Auf Fragen der Bewohner antwortete er, dass es sich bei den Graugekleideten um Gauner handelte, die allen ihr Geld abnahmen. Dies besorgte die Bewohner kaum, da sie kein Geld besaßen und nur Tauschhandel trieben. Eines Tages hatte ihnen ein Händler glänzende Metallscheiben für ihre Waren geboten, aber sie hatten abgelehnt, da diese keinen Nutzen zu haben schienen.

    Mithilfe des Matrosen machten sie die drei Graugekleideten verständlich. Die Bewohner sollten ihr Einkommen offenlegen und ihre Steuer leisten. Nach kurzer Beratung liefen einige jüngere Bewohner Gnarros zum Strand, fuhren mit Einbäumen auf die See hinaus und kamen zurück. Stolz erklärte der Fürst der Insel, dass so geschickt weder die Bewohner von Knarro, der nördlichen Nachbarinsel, noch die Bewohner von Rakko, der südlichen Nachbarinsel in ihre Buchten zurück kämen. Das mit dem Steuer verstanden sie besser. Jedem Besucher der Insel, der sein Ruder verlor gaben sie gerne Ersatz, damit er seinen Einbaum wieder zur Heimat steuern konnte. So war es auf den Inseln üblich. Diese seltsamen Drei hatten zwar keinen Einbaum, aber für die Unterhaltung hatten sie eine Belohnung verdient. Daher gab der Inselfürst ihnen ein schön mit Motiven aus der Stammessage beschnitztes Ruder als Anerkennung. Er erwartete einen angemessenen Dank und eigentlich auch eine kleine Gegengabe.

    Aber die drei graugekleideten Gäste schienen sich nicht auf zivilisiertes Benehmen zu verstehen. Sie reagierten verärgert und schrien die Bewohner an. Der grinsende Matrose übersetzte. Die Insel sei integraler Bestandteil des Reichs und sie müssten Geld geben, damit die Straßen, Häfen, Schulen und Krankenhäuser finanziert werden können. Nach einigen Erläuterungen des Matrosen erklärten die Einwohner, dass dies Unsinn sei. Auf der Insel gebe es keine Straßen, die Bucht sei ein guter natürlicher Hafen, die Kinder würden schon durch das Beispiel der Erwachsenen lernen zu fischen und die Früchte der Palmen zu sammeln. Den Rest würde man ihnen schon gratis zeigen. Und wozu sollte sie Häuser für Kranke brauchen? Der Medizinmann betonte, dass es wichtig sei, die Patienten in ihrer eigenen Hütte zu behandeln.

    Daraufhin verlegten sich die Graugekleideten auf Drohungen. Der starke Arm des Reichs von Kirra würde über das Wasser bis nach Gnarro reichen und die Einwohner hart bestrafen. Wer immer dieser reiche Kirra sei, er solle sich besser von der Insel fernhalten, antwortete der Häuptling. Denn mit Räubern würde man kurzen Prozeß machen. Sie seien alle mutige und kräftige Krieger und ließen ich nicht so einfach berauben. Die Antwort, dass die graugekleideten Besucher nun eine Strafgebühr gegen die Bewohner verhingen, verstanden die Bewohner zwar nicht, doch fanden sie es unwillkürlich komisch, dass die drei Graugekleideten sich offensichtlich anmaßten, sie zu bestrafen.

    Entweder waren sie verrückt, dreiste Verbrecher oder beides. Also ließ der Häuptling sie ergreifen und in einen Käfig sperren. Die Befragungen, bei denen der sichtlich wegen des gerechten Geschehens zufriedene Matrose weiterhin dolmetschte, ergaben, dass sie nicht verrückt waren, aber einer großen Organisation angehörten, die von den Einwohnern der meisten der südlichen Inseln Geld erpresste. Die härteste Strafe schien angebracht. Als die graugekleideten Angeklagten ihre Schuld weiterhin abstritten und betonten, ihr erpresserisches Tun sei gerecht, fragte der Inselfürst den Matrosen, ob ihr tun denn nicht auch auf den anderen Inseln als Räuberei bezeichnet würde. Grinsend antwortete er, dass es sogar als organisierte Räuberei bezeichnet würde, man aber nichts dagegen tun könnte.

    In Furcht um ihr Leben durchwachten nun die Graugekleideten ihre vermeintlich letzte Nacht. Am nächsten Morge erklärte denn auch der Inselfürst, dass die härteste Strafe für die Übeltäter beschlossen worden sei. Leider könne man für die anderen Inseln nichts tun, aber man werde die befreundeten Inseln vor ihnen warnen. Denn die schlimmste Bestrafung auf Gnarro bestand im Exil. Und so wurden die Graugekleideten Verbrecher mit dem Schiff davon geschickt, mit dem sie bekommen waren.

    Die Inselbewohner entginge der Bestrafung durch das Reich von Kirra, weil die Matrosen des Schiffs die Geschichte überall erzählten und der Schatzbewahrer des Kaisers diese Geschichte vergessen machen wollte, um den Respekt vor den Steuerbeamten in der Bevölkerung zu erhalten. Doch seit dieser Zeit wird die Steuerbehörde von Kirra auch "Das Organisierte Verbrechen von Kirra" genannt.

  • ('Verfolgung von Minderheiten')


    [Ich bin noch unentschieden, ob die folgende Geschichte auf der Götterträne oder in den Mittlanden spielt. Vielleicht auch beides oder es ist in einer Welt ein Märchen.]


    Die Bettlerspeisung von Talburg


    Einst zogen in jedem Jahr Bettler durch das Tal entlang des Talflusses, um beim alten Heiligtum von Beta, dem Gott der Mildtätigkeit um das eigene Überleben zu bitten. In Talburg war das Betteln verboten und Arme, auch wenn sie aus Talburg stammten, waren harten Regeln unterworfen. Wer zu lange arm blieb wurde schließlich der Stadt verwiesen. Und es galt als Verbrechen, einem Bettler eine Gabe zu geben. So wurden in jedem Jahr, wenn der Zug der Bettler sich näherte, die Wachen der Tore verstärkt, damit kein Bettler in die Stadt gelangen konnte.


    Doch in einem Jahr öffnete Talburg seine Tore und bot allen pilgernden Bettlern auf dem Marktplatz Speiss und Trank. Auf einem unfruchtbaren Stück Land entstand ein neuer Friedhof und beim Tempel kam kein Pilger an. Die Priester dankten ihrem Gott, da die Pilger offensichtlich in ein Paradies entrückt worden waren. Da auch in den folgenden Jahren keine Pilger mehr kamen, verfiel der Tempel schließlich, während die Bettler an anderen Orten beteten.


    Und so entstanden Legenden. Viele Priester glaubten an die Geschichten um die entrückten Bettler. Viele Bettler erzählten davon, wie die Bettler verschwanden, da das alte Heiligtum durch die Völlerei der Priester seine Macht verlor. Einige sagten, sie seien vor den Priestern des Heiligtums errettet worden, andere, sie seien von den gierigen Priestern als Sklaven verkauft worden und wieder andere, sie seien vernichtet worden, weil sie an den Orgien teilnahmen. Die Talburger aber erzählten, wie sie den Zug der Ratten vernichtet hätten. Manche meinten durch vergiftete Lebensmittel, andere durch die Zucht spezieller Rattendackel. Denn vor Ort gab es eine besondere Dackelsorte, die ursprünglich wegen ihres Aussehens als Rattendackel bezeichnet wurden. Einige erzählten aber auch, Talburg habe ihnen ein Stück Land geschenkt, wo sie Ruhe fanden und keinen Schaden mehr anrichteten oder im Erdreich verschwanden.


    Als die ersten modernen Historiker in Erscheinung traten und kurz darauf die ersten Archäologen, erklärte Talburg seine Archive für geheim und archäologische Untersuchungen für illegal.


    [Und es kann bisher auch nicht ausgeschlossen werden, dass die Bettler den Spieß umdrehten und Talburg übernahmen.]

  • ('Schräge Vögel')



    Der Opernsturm von Mittelstett


    Auf die Bühne trat ein Sahnehäubchen mit einer Kirsche drauf. Plötzlich öffneten sich in der Kirsche Augen und ein Mund. Die Sängerin begann zu singen und das Publikum genoss die Zuckerbäckeroper. Als der jugendliche Tenor, verziert wie ein Kassinghofener Käsekuchen, die Bühne betrat, löste sich plötzlich ein Mechanismus und die großen Liebesperlen fielen vorzeitig auf die Bühne herab. Unerschüttert und professionell wollte der Sänger trotz des Raunens im Publikum anheben zu singen. Doch da wurde er mit Tomatensauce übergossen und eine ungezuckerte Gesangsgruppe okkupierte die Bühne.


    Der Sänger trug einen schwarzen Anzug mit etwas Silberglitter, die Sängerin ein dazu passendes schwarzglittriges Kleid. Der Chor trug schwarze Hemden und Hosen. Unruhe verbreitete sich im Publikum und als der Gesang begann, fielen einige Damen in Ohnmacht. Schließlich konnten einige der jüngeren Musiker aus dem Orchestergraben auf die Bühne gelangen und die Sänger zum Schweigen bringen. Eine Pause wurde ausgerufen und die Bühne aufgeräumt, um die Oper nach einer halben Stunde fortzusetzen. Lediglich die Liebesperlenkammern konnten nicht wieder aufgefüllt werden, so dass das Finale ohne Perlenregen auskommen musste.


    Am nächsten Tag berichtete der Mittelstetter Anzeiger:


    Schräge Vögel stürmen Oper


    Die Schrägen Vögel, die wohl militantesten Kritikern des Zuckerbäckerstils in Kunst, Musik und Dichtung haben gestern die Bühne der Mittelstetter Oper gestürmt und die Aufführung der Oper Zaubersahne unterbrochen. Die Vorführung konnte zwar fortgesetzt werden, doch mussten einige der empfindlicheren Gäste im Publikum medizinisch behandelt werden. Der Sänger der Schrägen Vögel konnte, bevor er abgeführt wurde, noch Kritik am Zuckerbäckerstil äußern und brachte als Rechtfertigung vor, alten Zuckerguß abstreifen zu wollen und jüngeren, freieren und unverbackteren Künstlern Aufmerksamkeit verschaffen zu wollen. Laut Annabella Milliwand, der Direktorin der Oper, zeige schon die verwendete Sprache der Schrägen Vögel auf, dass ohne den Zuckerbäckerstil keine zivilisierte Kunst möglich sei. Sie hoffe, dass nach diesem barbarischen Vorfall, die zuckerfreie Kunst der Schrägen Vögel und anderer ungebackener Gruppen endlich verboten und von den Bühnen verbannt würde.


    Wie wir heute wissen, erfüllte sich der Wunsch der Direktorin nicht und der Mittelstetter Opernsturm wurde später als Initialzündung für die Abwendung vom Zuckerbäckerstil beschrieben. Fortan zogen Tag für Tag jugendliche Sänger, Dichter und Vertreter der Bildenden Kunst durch die Stadt, bis die Verbote und Auftrittsbeschränkungen für andere Kunststile wieder aufgehoben waren. Und so begann die Gegenbewegung langsam zum Mainstream zu werden.

  • ['Kultbilder']


    Kult-Bilder


    Eine Glocke wird geläutet.

    Vor einem verhüllten Standbild - wahrscheinlich ist gut, dass nur unscharf und kaum zu erkennen ist, was aus der Verhüllung hervorragt - stürzen sich einige Kultdiener und Priester, die Dolche gezückt, auf einen Akulythen mit derangierter Robe.

    "Cool, du hast den Kult der selbstsüchtigen xcxcxxxxc! Ich habe mal wieder nur den Kult des achtfältigen Waldgotts."

    Der Schüler hält eine Karte mit 8 Priestern in die Höhe, die um einem Altar auf einer Waldlichtung stehen und singen. Er wirft die Verpackung weg und knabbert an einem Keks.

    Entäuscht seufzt der dritte Schüler. "Besser als das hier. Milchopfer für die Meeressäuger. Da bräuchte ich hundert für die Selbstsüchtigen. Wenn ich wenigstens mal einen Dunklen Wächter fände."

    "Und den Magokraten im Berg habe ich auch schon." konstatiert der glückliche Besitzer des Selbstsüchtigen-Kult-Bilds. "Zusammen müssten wir bald alles haben."

    "Der Wissenskult von Ikasagan fehlt noch und das Schmiedeopfer der Zwerge."

    "Und von der 'Krippenszene' wissen wir nicht mal, was gezeigt wird."

    "Wahrscheinlich ein Tierkult."

    "Nein, die sollen Kinder opfern."

    "Das zeigen die nich im Leben."

    "Ja, die halten uns für Weicheier."

    "Nächstes Jahr soll es Zwerge geben."

    "Nicht schon wieder."

    "Nee, es sollen endlich die Tiefen Zwerge sein."

    "Cool!" erklingt es im Duett.

    "Schade, dass sie noch nicht dabei sind."

    "Ja, die opfern bestimmt Elfen in Vulkanschloten oder so."

    "Wenn ihr euch nicht endlich setzt, dann opfert ihr euren Hosenboden dem Rohrstock!", erklingt es vom Katheder, "Ich hoffe ich mal, ihr wisst noch, warum keine intelligenten Wesen geopfert werden sollen."

  • ['Klonen']


    Mittelstetter Klonen

    "Was brauchen unsere Frauen heute wieder lange!"

    "Und warum gehen sie immer zu zweit?"

    "Wir sollten untersuchen, was sie auf dem Klo außer dem Üblichen treiben."

    "Nur dürfen sie davon nichts erfahren, sonst gibt es Ärger."

    "Wir brauchen einen Namen für das Phänomen, dann könnten wir einfach von einer diesbezüglichen Untersuchung sprechen. Für unsere Arbeit haben sich die beiden noch nie interessiert."

    "Nennen wir es doch Klonen."

    "Das klingt passend."

    Einige Zeit später:

    "Worum geht es bei diesem Klonen eigentlich?"

    "Das ist kompliziert und langweilig, Schatz."

    "Behandle mich nicht immer, als ob ich blöd bin."

    "Ja Schatz, aber warum zwei Wesen dasselbe tun, wird doch nun wirklich erst interessant, wenn wir eine Erklärung haben."

    Und so verbreitete sich unter den Frauen in Mittelstett, dass es unter dem Namen einen Zauber gebe, der einen Zwänge, dasselbe zu tun, wie eine andere Person.

    [Nachbemerkung: Natürlich begannen kurze Zeit später Magier an einem neuen Zauber zu forschen.]

  • [Wir haben zwar Fronleichnam, aber bis nächste Ostern möchte ich nicht warten. Ich bin auch nicht ganz zufrieden damit.]


    Ostern, die Zwerge, die Hasen und die Eier


    Bekanntlich finden sich ganz tief unter den sieben Bergen und unter den sieben Minen noch die Stollen der ganz Tiefen Zwerge. Diesen Namen tragen sie, weil sie so tief unter der Erde leben. Und ein Tiefer Zwerg steigt nur ungern an die Oberfläche. Sie fühlen sich ohne Decke über dem Kopf sehr unwohl und wenn sie am Tag hoch oben am Himmel die Sonne sehen oder in der Nacht den Mond und die Sterne, dann fürchten sie sich vor der großen Höhe über ihren Köpfen. Und in einer solch gefährlichen und ungemütlichen Gegend wie der Oberfläche, so meinen sie, muss es vor Monstern und Ungeheuern nur so wimmeln. Darum geht so ein ganz Tiefer Zwerg nur dann an die Oberfläche, wenn es nicht anders geht, z.B. wenn sie mit den Oberflächlichen, wie sie uns Oberflächenbewohner nennen, einen Vertrag schließen müssen, um ihre Produkte zu verkaufen. Denn die ganz Tiefen Zwerge schürfen in ihren Stollen nicht nur nach Metallen und Edelsteinen, sie sind auch begnadete Handwerker, die Werkzeuge, Maschinen und auch Spielzeug in solcher Qualität herstellen, wie man sie nur selten findet.


    Doch in jedem Jahr gibt es eine wichtige Ausnahme. Zu Ostern nehmen die Zwerge an einer Feier in einem kleinen Ort tief in den Bergen teil, bei der ein Osterfeuer abgebrannt wird. Und weil der Ort so klein ist, helfen die Zwerge bei der Vorbereitung mit und liefern auch ihr berühmtes Bier. Denn gute Bierbrauer sind sie auch. Neben Starkbier, Pils und Dunkelbier bereiten sie auch ein hervorragendes Malzbier. Und so müssen sie in der Karwoche, der Woche vor Ostern, häufig an die Oberfläche und vom Ausgang ihrer Tunnel bis zu dem Osterdorf eine ganze Strecke unter freiem Himmel zurücklegen. Zwar stellen die Zwerge Wachen auf, damit sie nicht von Ungeheuern überfallen werden können. Doch sind sie jedesmal froh, wenn sie den Weg unbeschadet hinter sich gebracht haben.


    Nun begab es sich eines Tages, dass einige Tiefe Zwerge, die an einem Bauernhof vorbeikamen, Nester mit Eiern fanden. Die Nester gehörten zu den freilaufenden Hühnern, die vor den Zwergen geflohen waren. Und sie wussten zwar, dass man aus den Eiern wohlschmeckende Speisen zubereiten konnte, da sie Eier in ihre Stollen geliefert bekamen, aber sie hatten keine Ahnung, woher diese kamen. So ließen sie sich von den Bewohnern des Hofs erklären, dass die Eier von am Boden lebenden Vögeln mit dem Namen Hühner gelegt werden. So erfuhren sie übrigens auch, dass die seltsamen Betten in denen die Eier lagen, Nester genannt werden. Da die Zwerge die Vorstellung von Wesen, die sich freiwillig hoch in den Himmel erheben, immer schon schrecklich gefunden hatten, hielten sie die Hühner, die am Boden leben, für klüger als die anderen Vögel.


    Doch die Hühner legten ihre Eier an die Oberfläche. Und das war für die Zwerge kaum zu begreifen. Insbesondere die Zwergenkinder fanden dies seltsam und sammelten alle Eier, die sie fanden, um sie zumindest etwas geschützt unter Sträucher und kleinen Felsen zu bergen. Einige Eier legten sie auch in die Eingänge kleiner Höhlen. Dies Taten sie, da es ihnen verboten worden war, während der Dämmerung. Sie wussten nicht, dass die Mulden unter den Sträuchern und Felsen sowie die kleinen Höhlen bewohnt waren. Die Bewohner schliefen gewöhnlich tagsüber und verließen ihre Verstecke in der Abenddämmerung, um im Morgengrauen zurückzukommen. Nur fanden die Hasen jetzt in ihren Sassen, wie die Mulden genannt werden, in denen sie den Tag verbringen und die Kaninchen in ihren Bauen, wie ihre Höhlen genannt werden, Eier vor, die sie nicht gebrauchen konnten. Und daher rollten sie diese aus ihren Heimen hinaus. Damit niemand sie in ihren Verstecken entdecken konnten, rollten sie die Eier so weit, dass sie nicht entdeckt werden konnten. Und so fanden die Kinder des Osterdorfes am nächsten Morgen, der zufällig der Ostermorgen war, Eier an den Rändern des Dorfes verteilt.


    Dies wiederholte sich einige Jahre, bis die Erwachsenen unter den Zwergen und Dorfbewohnern hinter das Geheimnis der versteckten Eier kamen. Dennoch wurden auch weiterhin am Ostermorgen Eier gefunden. Einige sagen, dass sich die Hasen an das österliche Eierrollen gewöhnt hatten und sich nun selbst Eier suchten. Anderen, die nicht genug Fantasie haben und immer viel zu ernst sind, behaupten, dass es keine Zwerge gibt und Erwachsene die Eier verstecken. Aber auch wenn vielen diese langweilige Erklärung als vernünftig erscheint, hat sie einen ganz großen Fehler: Es wird nicht erklärt, wieso an Ostern Eier versteckt werden. Und damit ist die Erklärung, dass die Hasen die Eier verstecken, die einzige Erklärung, die alle beobachteten Fakten wirklich erklärt. Wie auch immer es zuerst geschah, dass am Morgen des Ostertages Eier gefunden wurden, so hat sich diese Erscheinung doch über das ganze Land verbreitet und der Osterhase ist heute eine überall bekannte Erscheinung.

  • ['Kriegstänze']


    Seekriegstanz der Marakremmen

    Füße stampften auf den Boden, als die Sonne aufging. Waffen wurden aneinander geschlagen, Arme in die Höhe gestreckt.

    Knarzend erklangen Stimmen über das sumpfige Eiland.

    Eine Gruppe Marakremmen stakste im Rhythmus ihres knarzenden Singsangs entlang der Wasserlinie der kleinen, kreisrunden Sumpfinsel.

    In regelmäßigen Abständen blieben die hölzern Wirkenden Wesen stehen, drehten sich gegen das Wasser, stachen mit ihren Harpunen in das Wasser, stampften mit dem rechten Fuß auf, bevor sie ihre Waffen aneinanderschlugen und unter knarzendem Singsang weiterstaksten.

    Nachdem dies dreimal geschah, bildeten sie eine Gasse zum Erdbecken im Mittelpunkt der Insel. Umstanden von drei Mangroveneichen stand dort inmitten blühender Pflanzen und geschmückt mit Girlanden aus Algen ein Kultbild. Ob es einen Fisch oder eine Eichel zeigte, war wegen der Verwitterung in der Dämmerung nicht zu erkennen. Plötzlich sprang ein Marakremme aus einem Busch im Erdbecken hervor und lief unter dem fortgesetzten knarzenden Singsang zum Wasser und stieß eine Art Speer mit einer Art Wasserschaufel statt Spitze ins Meer. Wie eine Trophäe trug er ihn dann zum Erdbecken und schüttete den Inhalt über das Kultbild, um sich wieder unauffällig aus der Szene zu entfernen.

    Nun steigerte sich der knarzende Singsang immer mehr, um sich schließlich in einzelne martialische Rufe aufzulösen. Die Marakremmen liefen hüpfend zum Rand der Insel, so dass sie regelmäßig am Ufer verteilt standen, als ob sie die Insel wie eine Festung verteidigen wollten. Sie stießen ihre Harpunen ins Wasser, stampften wieder mit den Füßen auf und ergriffen dann Wurfpfeile mit Widerhaken aus ihren Köchern und schleuderten sie weit ins Meer. Zum Abschluss erklang ein wohltönendes, mehrstimmiges Knarzen, unter dem sich die Marakremmen nochmals um das Erdbecken versammelten, bevor sie die Insel wieder verließen.

    Und so würden sie auch für das nächste Jahr im Kampf gegen die Elemente, die um ihre Heimat stritten, zu bestehen versuchen.

    [Die Szene wurde nicht in die bekannte Sammelkartenserie zu Kultbildern aufgenommen, da der verwitterte Stein im Erdbecken am ehesten einem Phallus gleicht.]

  • Schwarzmagischer Rollentausch


    [Tagesthema: geschlechtsspezifische Berufe]


    Auf der Träne gab es mal einen finsteren Schwarzmagier und Nekromanten namens Hükks*, um den sich viele dunkle Legenden ranken. Mittlerweile erscheint er auch schon als Märchengestalt.


    Der finstere Schwarzmagier und Nekromanten Hükks sorgte dafür, dass in Bergstadt [Namensplatzhalter] die Frauen Männerdinge taten und umgekehrt. Als finsterer Schwarzmagier wollte er nicht einfach testen und mal sehen, wie es ist, wenn alle die Rollen tauschen. Er hoffte darauf, dass Bürger benachbarter Orte sich vor den "Verrückten" fürchten würden und ihn vernichteten. Denn, als er sich als Seher verkleidete, war er nicht ernst genommen worden, weil dort nur Seherinnen bekannt waren.


    Auch erhoffte er sich, das Kaufleute den Ort mieden. Doch handelte der Ort vorwiegend mit Zwergen, die wenig Menschenkenntnis besaßen. Als kein Überfall erfolgte und der Handel nicht stoppte, versucht er die Zwerge vom Handel mit den "Verrückten" abzubringen. Doch als diese immer neue verstockte und unverschämte Antworten gaben, war er so aufgeregt, dass er einen Fehler machte und der Dämon, den er rief, ihn selbst tötete.


    Leider endete sein Zauber nicht mit seinem Tod und so wurden, eine bedauerliche Nebenwirkung des Zaubers, im Ort keine Kinder mehr geboren. Hier brachten die Zwerge eine Lösung, indem sie Anboten, Waisen in den Ort zu liefern, so dass dieser bestehen bleiben konnte. Doch war die Bevölkerung schließlich dennoch soweit zurückgegangen, dass in den Orten der Region um Siedler geworben wurde. Im Gegensatz zu den umliegenden Orten gab es hier auch nach dem Tod der letzten Verzauberten keine geschlechtsspezifischen Berufe.** ***


    * [Nach einem Nekromanten bei Terry Pratchett so benannt, von dem er nur Namen und Beruf hat. Der echte tränische Hükks war nicht so mächtig, so berühmt oder so schrecklich, wie die Geschichten es darstellten. Er war ein durchaus finsterer, aber eher durchschnittlicher Schwarzmagier und Nekromant. Ähnlich wie der irdische Dr. Faust wurde er nach seinem Tod zur Legende.]


    ** [Die vorliegende Geschichte hat sich so ähnlich abgespielt, nur dass es nicht so gut ausging. Die durch den Zauber geschwächten Bewohner starben großteils an einer Seuche und der Dämon griff auch die Zwerge an. Und da es niemand bezeugen kann, wissen wir nicht, ob der Schwarzmagier und Nekromant Hükks tatsächlich tot ist.]


    *** [Das mit den geschlechtsspezifischen Berufen ist in verschiedenen Teilen der Träne verschieden. Durch das Zusammenwachsen der unterschiedlichen Bestandteile wird es meist tolerant gehandhabt. Ob Tradition oder Gewohnheit bei der Berufswahl befolgt werden, ist daher meist auch eine individuelle Entscheidung.]


  • Die Punkt-Strich-Quadrat-Schrift

    Irgendwie war der Beitrag an mir vorbeigegangen. Ich finde es echt faszinierend, wie du da mit Worten eine Schrift beschreibst. Ich kann mir das zwar jetzt trotzdem noch nicht so richtig bildlich vorstellen - weil es natürlich einfacher wäre, die Zeichen bildlich vor sich zu haben. Aber irgendwie ist das sowas Besonderes, was man nicht alltäglich sieht, wie die hundertste Kreaturenbeschreibung oder so. Find ich cool.


    Du hast aber wahrscheinlich schon für dich selbst mal Schriftproben aufgezeichnet, oder? Falls ja, magst du die zeigen?


    Bin natürlich auch zugegebenermaßen extraneugierig, weil ich gestern ja auch die Idee hatte, mal zu versuchen, eine auf einem Punktraster basierende Schrift zu entwerfen. Allerdings ist das bei mir eh so ein "irgendwann mal"-Ding, kein konkreter Plan.

  • Ich komme leider erst jetzt zur Antwort. Es kam einfach immer etwas dazwischen.


    Es ist bewusst so beschrieben. Eigentlich ist es ja ziemlich einfach. Es wirkt nicht, wenn es offensichtlich ist oder klare Beispiele gezeigt werden. Und ein Beispiel müsste daher auch länger sein.


    Auf der Fliese ist Kommunikation zumindest für uns extrem komplex. Vollständig ist die Schrift mit Farbe, Material, Stil und Autor, Adressat sowie Leser. Aber das entzieht sich Prof. Orkmeyer und Dr. Igorsky.


    Menschlich ist es nur teilweise zu erfassen, einen Torso als Beispiel gibt es aber vielleicht irgendwann mal. Momentan habe ich nicht die nötige Muße für die Gestaltung und es ist eigentlich nichts, was kursiv geschrieben werden sollte. Vielleicht entwerfe ich einen Font. Alternativ wäre eine zwergische Abwandlung. Mal schauen.

  • [Thema: Kerker, Konklave und Klausur: Wer schließt sich aus welchen Gründen ein?]


    Zwergenschlupf


    Zylinder aus Beton standen im Zentrum einer von Fackeln erhellten Halle. Langsam folgte ein zwergischer Wächter in der traditionellen Rüstung eines Hauptmanns einem unsichtbaren Weg um die Zylinder. Aus einem Gang betraten drei Zwerge die Halle und warteten, bis der Wächter sie erreichte. Einer der Zwerge trug die Abzeichen eines Expeditionsleiters der Lakrimanauten, die anderen beiden trugen die Gewänder der Priester der Tiefe.


    "Es müsste jetzt losgehen."


    "Ich bin gespannt, wieviel dies Jahr pünktlich genug sind."


    "Und schnell genug. An der Oberfläche braucht es mehr Geschick und Schnelligkeit als Zeitgefühl."


    "Immer nur Oberfläche, Oberfläche und wieder Oberfläche. Wir gehören in die Tiefe und hier braucht es Zeitgefühl und kontrollierte Kraftanwendung.", beschwerte sich der Wächter.


    Er stellte seine große Axt mit der verzierten Kugel am Stielende auf den Boden. Viel zu laut war ein Schlag zu hören und er lächelte. Als weitere einzelne und schließlich viele Schläge zu hören waren, ging einer der Priester zu einem Gong neben dem Eingang und gab damit den Teilnehmern des Ritus und den Angehörigen und Freunden der jungen Zwerge bekannt, dass diese begonnen hatten, sich aus ihren Meditationszellen zu befreien, um als erwachsene Zwerge begrüßt zu werden.

  • Die Lichtung des kleinen Volks

    Eine Elfe lief durch den Wald und blieb stehen, als sie Spinnweben bemerkte. Sie wunderte sich, dass die Grünspinnen schon so früh im Jahr ihre Netze sponnen, setzte die Kapuze ihres fein bestickten grünen Mantels auf und bewegte sich, die Spinnweben in ihrem Weg mit dem Bogen zerreißend, etwas langsamer weiter, als sie eine Lichtung bemerkte.

    Die erleichterte Elfe betrat forschen Schritts die Lichtung und war froh, dort einen Quell emporsprudeln zu sehen. Sie ging auf die Quelle zu, kniete sich in das Moos am Rand des Quelltopfs, schöpfte etwas Wasser und kostete es. Klar und rein wie es aus der Tiefe kam, schmeckte es auch. Da hörte sie eine Stimme.

    "Du hast von unserem Wasser getrunken."

    Und da waren noch mehr Stimmen.

    "Du hast unsere Netze zerrissen."

    "Du hast die Grenze übertreten."

    "Du beanspruchst unseren Platz."

    "Du hast unsere Luft geatmet."

    "Du schränkst unsere Freiheit ein."

    "Du hast ein Haus zertreten."

    "Du hast unsere Freunde zertreten."

    "Mörderin!" "Mörderin!" "Mörderin!" Die Stimmen vereinten sich zu einem vorwurfsvollen Chor.

    Plötzlich spürte die Elfe an allen freiliegenden Stellen ihrer Haut Nadelstiche. Unwillkürlich streifte sie über ihren Arm, was eine blutige Spur hinterließ. Nach einem kurzen Schrei betrachtete sie ihren Arm genauer. Winzige Stacheln steckten in der Haut. Da sie Widerhaken hatten, hatte sie, als sie einen Teil abstreifte, die Verletzungen soweit verschlimmert, dass ihre Haut mit roten Tröpfchen gesprenkelt war.

    Sie erschrak, denn sie hatte vom kleinen Volk gehört. Und schlimmer als das war, als sie realisierte, dass dies hier ihre Lichtung war. Nicht nur ein Platz, den sie heimsuchten. Nicht nur eine Quelle, ein Baum oder ein Fels, den sie bewachten. Nun war sie froh, dass sie immer noch ihre Kapuze trug und sie ihre spitzen Ohren nicht erkennen konnten. So würde sie wohl mit dem Leben davonkommen. Vorsichtig richtete sie sich auf, als sie drei vom kleinen Volk auf sich zufliegen und dann ihrem Gesicht ausweichen sah. Sie spürte mit Schrecken, wie ihre Kapuze nach hinten gerissen wurde.

    Noch bevor sie sich umwenden und fliehen konnte, spürte sie weitere Nadelstiche. Und schon beim ersten Schritt wurde ihr schwindelig und als ihr Fuß den Boden berührte, verlor sie das Bewusstsein. Als sie aufwachte, war sie an einen Baum gefesselt und hörte über sich das brummend klingende Summen aus einem Bienenstock, während sie spürte, dass Honig zäh über ihre nackte Haut lief.

    [ Nicht zu allen Spezies ist die Beziehung des kleinen Volks so schlecht. Die Elfe hat noch Glück, da es sein kann, dass sie rechtzeitig von jemand anderem als dem sich gewiss schon nähernden Bären gefunden wird oder sich befreien kann. Vielleicht beherrscht sie auch ein Lied, das den Bären beruhigt. Das kleine Volk kann Boshaftigkeit, Selbstsucht und Arroganz spüren, weshalb die Elfen bei ihnen unten durch sind. Von vielen werden sie wegen ihrer Flügel für Feen gehalten oder gelten als Naturgeister, weil sie nicht sichtbar sind. Auch für Kobolde werden sie gehalten. Es sind intelligente, kleine Insektoide, die irgendwie an Humanoide erinnern und teils magiebegabt sind. Sie sind keinesfalls boshaft, verteidigen nur ihre Ressourcen und ihre Siedlung (oder ihre Siedlungen?). Mit Tiefen Zwergen kommen sie gut klar und gegenüber richtigen Feen sind sie misstrauisch. Menschen zeigen sie sich meist nicht, weil es so viele davon gibt und sie oft Probleme haben, diese einzuschätzen. Ihren Gefangenen nehmen sie alle Gegenstände ab, um sie als Ressourcen zu nutzen.]

  • "Du hast von unseren Tellerchen gegessen!" xD Sry

    Warum kann man die eigentlich nicht sehen? Und sind die Stacheln dann Stacheln wie bei Bienen etc. oder sind es Waffen die sie nutzen?

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