Wie führe ich einen Charakter ein?

  • Ich habe jetzt ein grobes Konzept für eine grosse Geschichte meiner Welt festgelegt. Um die Hauptcharaktere selbst besser kennenzulernen (klingt merkwürdig) beginne ich auch tatsächlich mit dem Anfgang (was nicht selbstverständlich ist) Doch ich bring keine einzige Zeile zustande. Ort und Zeit sind bekannt, doch wie führe ich den Hauptcharakter ein? Muss ich zunächst noch eine detailierte Beschreibung seines Lebens geben, ehe ich dann richtig loslegen kann? Muss ich einen Charakter überhaupt einführen? Hat jemand ein Beispiel?

  • Von langen Beschreibungen rate ich ab. Meistens ist es besser, einen Charakter durch seine Handlungen einzuführen - dadurch, wie er spricht und auf noch alltägliche Situationen reagiert, lernt man jemanden besser kennen als durch "er war ein aufmerksamer Mann, der sich stets um Mitmenschen kümmerte...". Zeig viel lieber, wie er einer alten Frau über die Straße hilft. ;)


    Solcherlei Fragen werden gerne auch mal im "Tempest" (Schreib-Newsletter) von http://www.autorenforum.de behandelt, eine Website, die ich glühend empfehle!

  • Ich persönlich mag es beim Lesen, wenn das Buch einen filmähnlichen Stil hat, das heißt wenn der Erzähler selber gar nicht so viel erläutert, sondern eher das beobachtende Auge des Lesers ist.


    Wenn du dir einen Spielfilm anschaust, lernst du die Charaktere dort auch recht gut kennen, obwohl man das Hintergrundwissen erst nach und nach und während der Story mitbekommt.


    Das ist zumindest mein Geschmack und im Grunde nichts anderes als Dream auch gesagt hat.

    Je größer der Begriff, desto kleiner bekanntlich sein Inhalt – und er hantierte mit Riesenbegriffen.
    - Kurt Tucholsky über Rudolf Steiner

  • was ich gut finde (und für mich selbst hilfreich) ist, wenn du vor dem schreiben eine charakterskizze von dem char anfertigst. du schreibst auf, was den char für dich ausmacht...
    grosse füsse, viele pickel im gesicht, freundlich und scheu, seltsame vorliebe für rosa hemden, kann gut mit dem schwert umgehen, hat angst vor frauen in weissen kleidern, ist verliebt in seine tante... ;)
    (naja so nen char möcht ich im moment net wirklich schreiben ;) )
    dann wird dir dadurch klar, wie der char auf situationen reagiert... dh wenn er seiner tante gegenübertritt oder einer frau im weissen kleid begegnet.
    dann würde ich anfangen, die handlung zu schreiben und wenn du weisst, wer und wie dein char ist, dann weisst du meistens auch sehr gut, wie er darauf reagiert... und dann beschreiben, was er tut, nicht ewiglang beschreiben was er sein soll...


    oftmals wird sowas empfohlen wie "als einleitung ne actionszene, dann etwas ruhiges, wo reflektiert wird"... so ähnlich mach ich das bei meiner neusten geschichte auch. wobei imho wenig action dabei ist und sehr viel gereflektiere - aber das muss imho einfach sein, weil ich die charaktere eben richtig hinkriegen will... die sind ja schliesslich der grund, auf den ich meine geschichte baue :)

    Roald Dahl, Revolting Rhymes, Little Red Riding Hood and the Wolf:
    The small girl smiles. One eyelid flickers. / She whips a pistol from her knickers. / She aims it at the creature's head / And bang bang bang, she shoots him dead.
    A few weeks later, in the wood, / I came across Miss Riding Hood. / But what a change! No cloak of red, / No silly hood upon her head.
    She said, "Hello, and do please note / My lovely furry wolfskin coat."

  • Quote

    Von langen Beschreibungen rate ich ab. Meistens ist es besser, einen Charakter durch seine Handlungen einzuführen - dadurch, wie er spricht und auf noch alltägliche Situationen reagiert, lernt man jemanden besser kennen als durch "er war ein aufmerksamer Mann, der sich stets um Mitmenschen kümmerte...". Zeig viel lieber, wie er einer alten Frau über die Straße hilft. ;)


    Nach diesem Motto schreib ich auch. Und dafür sollte soviel als möglich von seinen Handlungen so ausführlich wie möglich (ohne Überdehnung) beschrieben werden. Zusammenfassungen wie " und dann ging er nach Upsi und killte Tupsi" mag ich wenig.

    " Durch die weiten, glühenden Ebenen ziehen sie dahin: gewaltige Herden, kaum weniger zahlreich als die Halme jener Gräser, die sie nähren. Zwei Dinge treiben sie voran: Trockenheit und mächtige Feinde, die nur darauf warten, ihren Hunger mit Fleisch zu tilgen. Keine Art außer einer hat hier ihre Heimat: die Morlochs, die Herrscher der Weite zwischen Erde und Himmel."
    Aus " Führer durch die Welt", von Lisari Biadaom, erschienen 1118 n.M.K.

  • Mein haupcharakter ist ein pöbelnder Halbstarker (manchmal) also hat er sich einfach ins Getümmel geschmissen, und gleich von anfang an die sau rausgelassen, um den Ruf wegzuhaben...


    Lass deinen Hauptcharakter einfach reden, und halt dich raus. Er übernimmt dann schon die Handlung, und du wirst dinge über ihn erfahren, die du nicht für möglich gehalten hättest:


    - mag rosa Unterhosen
    - Oma heisst "Bert"
    usw. ;D

  • Ja, es ist wohl am besten, wenn man von seinem Charakter eine Skizze anfertigt, wo man für sich selbst das Aussehen, die wichtigsten Eigenschaften, Geschichte, Vorlieben und Abneigungen festlegt und dann mit der Geschichte beginnt, wobei ich mich den vorderen Meinungen nur anschließen kann, dass es am besten ist, wenn man die Figur handeln lässt und nicht beschreibt, wie sie so drauf ist.

  • Wenn man aber mit einer Charakterskizze arbeitet, läuft man Gefahr, dass der Charakter vollkommen statisch wird. Also, wenn er einmal zusehen muss, wie seine Liebste vom einem Mörder abgeschlachtet wird, verändert er sich vielleicht doch und wird ein grausamer Schlächter ...


    Rosenkönig

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