Wenn Frauen beieinander stehn.

  • Nachdem ich mehrfach von diversen Frauen hörte, in einer rein weiblichen Abteilung zu arbeiten sei das Schlimmste, was passieren könne, bin ich nun ehrlich gesagt etwas besorgt um meine Amazonenstämme.
    Was genau passiert denn, wenn eine überkritische Menge Frauen mehrere Stunden täglich ohne männliche Mediation aufeinander sitzen und sich gegenseitig nicht aus kommen?


    Aus biologischen Gründen ist es mir verwehrt, ersterhand Erfahrungen zu sammeln. Daher bin ich auf Erzählungen angewiesen.

  • Hi,
    die Variante "männliche Arbeitsgruppen" ist mir durchaus bekannt: mieses Vokabular, Ausarbeiten von Rangordnungen ... wer der überlegene ist, oder wie man den andern schlechter machen kann (da man selbst nichts besseres zustande bringt).


    Was nun Frauen angeht, habe ich Berichte über (vorsichtig ausgedrückt) Hackordnungen gehört. Ansonsten kann ich nur vermuten, dass sich Frauen nicht rational verhalten können, solange nieman(n)d mit dem entsprechenden Denkorgan anwesend ist. :pfeif:


    Nachklapp zur Recherche: Geh mal mit einer Frau/Freundin in eine schlichte (Studenten)Kneipe in einer Großstadt und diskutiert bei einem gepflegten Getränk, was auf den Toiletten an der Wand steht. War für mich damals ziemlich bereichernd. Ich dachte auf dem Männerklo zunächst, schlimmer geht's nimmer.

  • Quote

    Ansonsten kann ich nur vermuten, dass sich Frauen nicht rational verhalten können, solange nieman(n)d mit dem entsprechenden Denkorgan anwesend ist.

    Danke dann auch im Namen aller Frauen dass du diese Vermutung mit uns teilst %-) Einen kühlen Kopf bewahren kann nämlich jeder - oder auch nicht.


    Ich bin zwar in diesem Board kein Moderator, aber:
    Vorteile, Klischees und (auch wenn witzig gemeinte) Neckereien bitte an der Garderobe dieses Threads abgeben, die können hier im Internet, wo man sein Gegenüber nicht kennt/sieht, leicht in den falschen Hals geraten und das will ja keiner. Sonst artet dieser Thread in einen Hickhack zwischen den Geschlechtern aus und es gibt Foren-Knatsch. Wäre nicht das erste Mal... :-/



    Konzentrieren wir uns in diesem Thread bitte auf die sachliche Frage, wie sich gleichgeschlechtliche Gruppen - insbesondere Frauen - intern denn so verhalten, wie sie mit Aggressionen umgehen und dergleichen.


    Wenn ich so drüber nachdenke fallen mir nur Dinge ein, die man auch für Männergruppen oder gemischte Gruppen gelten lassen kann. Aber nichts, was nur Frauen machen und Männer nie, oder andersherum.


    Es gibt immer Führungspersönlichkeiten die dafür sorgen dass alles in geregelten Bahnen läuft, oder ältere, erfahrene Gruppenmitglieder, die zwischen Konfliktparteien vermitteln.
    Gruppen können durch die Betonung des Wir-Gefühls den Zusammenhalt stärken (wir gegen die, wer 'die' sind ist flexibel).
    Eine "Hackordnung" gibt es vermutlich auch überall.
    Ob Konflikte offen mit der Faust ausgetragen werden oder eher auf die hinterlistige Tour kommt sicherlich auf die Beteiligten und die Situation an, es ist ein Unterschied ob man auf einer Couch im Teesalon sitzt und sich irgendwo einschmeicheln will oder als Mitglied einer Straßengang seinen Platz behaupten muss. Wer schwächlich ist, wird eine andere Taktik einsetzen als ein muskulöser oder sportlicher Mensch.
    Wenn man einen Groll gegen jemanden hegt, wird man als Frau vielleicht tendentiell eher an seinem sozialen Stand in der Gruppe sägen wollen als ihm ein blaues Auge zu verpassen, aber das ist eine Taktik, die Männer sicherlich auch anwenden, und kommt auch aufs Temperament desjenigen an, und wie das in der Kultur allgemein geregelt ist.
    Gruppenintern können sowohl Intrigen als auch geschmiedete Allianzen oder gepflegte Freundschaften der Schlüssel zum Aufstieg oder Sieg über Konkurrenten sein. Kann man jemanden nicht ausstehen, geht man sich nach Möglichkeit aus dem Weg. Und dann gibt es ja noch schmutzige Tricks wie jemanden "schneiden" oder hinterrücks lästern oder anschwärzen und andere Mobbingtechniken.


    Amazonenstämme sind denke ich eine kulturelle Entwicklung, die man mit einer Frauengruppe, die jeden Tag ein paar Stunden zusammen arbeitet und dann wieder nach Hause geht nicht vergleichen kann. Man kann nicht einmal sagen, dass es in einem Amazonenstamm wenigstens keine sexuellen Verwicklungen und Eifersüchteleien geben würde, weil es dort vermutlich dann gleichgeschlechtliche Paare geben würde.

  • Nachdem ich mehrfach von diversen Frauen hörte, in einer rein weiblichen Abteilung zu arbeiten sei das Schlimmste, was passieren könne, bin ich nun ehrlich gesagt etwas besorgt um meine Amazonenstämme.

    Brauchst du nicht, da das eine andere gewachsene Kultur ist.



    Aus biologischen Gründen ist es mir verwehrt, ersterhand Erfahrungen zu sammeln. Daher bin ich auf Erzählungen angewiesen.

    Nein, du musst nur als Beobachter eine sehr rangniedere Position innehaben, dann kannst du die "Effekte" trotzdem gut beobachten. Geh als Azubi oder Zivi in einen Bereich, der von Frauen dominiert wird (manche Krankenpflege-Teams, Kindergärten etc.).
    Meine eigenen Beobachtungen legte ich unter der sehr verallgemeinernden Schublade "Zickenkrieg" ab. Ist nicht frauenfeindlich gedacht, wollte nur nicht zu viel Energie drauf verwenden während meiner eigenen Ausbildungszeit. Zum Glück arbeitete ich nach meinem Examen stets in halbwegs gemischten Teams. Sobald ca. 1/4 Vertreter des anderen Geschlechts anwesend sind, heben sich imho die Nachteile reiner Frauen-/Männer-Teams auf. Ja, auch reine Männergruppen haben so ihre Nachteile, wenn man es richtig unter die Lupe nimmt. %-)
    Männer sind mehr gerade aus, indem was sie sagen / tun. Ihr Denken problemorientiert. Doch unterdrücken wir in unserem Kulturkreis oftmals unsere Gefühle, vor allem wenn wir nur unter unsereins sind. Dies birgt die Gefahr der stärkeren Ausgrenzung, da Männer oftmals innere Probleme nicht verbalisieren.
    Frauen hingegen sind "sozialer", reden oft auf diversen Umwegen auf ein Problem zu oder um ein Problem herum. Leider bergen sprachliche Umwege die Gefahr von vermehrten Missverständnissen. Und da sie sich i.d.R. somit in einem etwas weniger greifbaren sozialen Gefüge bewegen, schwelen Auseinandersetzungen länger und werden zumeist subtiler ausgefochten. Doch durch die etwas emotionale Schiene sind sie ironischer Weise integrativer, d.h. offener für die Gefühle anderer.
    Ich glaube nicht, dass das ein biologisches Symptom ist, sondern primär ein Kulturelles. Wir wurden so erzogen. Allenfalls spielen da tief verschüttete Instinkte aus der Mutterrolle hinein, bzw. Jägerrolle bei den Männern.



    Amazonenstämme sind denke ich eine kulturelle Entwicklung, die man mit einer Frauengruppe, die jeden Tag ein paar Stunden zusammen arbeitet und dann wieder nach Hause geht nicht vergleichen kann. Man kann nicht einmal sagen, dass es in einem Amazonenstamm wenigstens keine sexuellen Verwicklungen und Eifersüchteleien geben würde, weil es dort vermutlich dann gleichgeschlechtliche Paare geben würde.

    Sehe ich ebenso. Den letzten Satz leitest du ab aus ... Frauen-Gefängnissen ... Spartaner ...?

  • Quote

    Nemedon schrieb:


    Sehe ich ebenso. Den letzten Satz leitest du ab aus ... Frauen-Gefängnissen ... Spartaner ...?


    Es kommt mir logisch vor, egal ob es eine rein weibliche oder rein männliche Amazonenkultur ist. Sexualität ist ein Teil des Lebens, das Bedürfnis nach Liebe und Nähe ebenso, und die Übergänge Homo-bi-hetero sind ja nicht mit dem Lineal gezogen sondern fließend.
    In einer entstandenen Amazonenkultur ist das andere Geschlecht nur für Fortpflanzungszwecke unentbehrlich, ansonsten wird es vermutlich sehr wenige Kontakte zwischen Männern und Frauen geben. Die meiste Zeit verbringt man also mit Angehörigen desselben Geschlechts. Daher wird man so einen wichtigen Aspekt des Lebens wie Sexualität/Lust/Liebe sicher nicht auf die seltenen Momente fokussieren, in denen man sich fortpflanzt, und ansonsten so tun als gäbe es diese Bedürfnisse nicht. Oder wenn man es tut gibt es dann wieder Konflikte durch die dadurch entstehende unterdrückte Spannung.

  • Ich arbeite in einem Betrieb, in dem nur Frauen arbeiten. Wir arbeiten alle gut zusammen, es gibt keinen Zickenkrieg und kein Herumsägen an irgendwelchen sozialen oder sonstigen Stühlen. Natürlich hat jede von uns unsere Eigenheiten und auch Angewohnheiten, die die Kollegen mal nerven, aber um die wissen wir alle. Dann wird vielleicht mal die Augen verdreht oder zu einer anderen Kollegin "X hat wieder ihre drei Minuten" gesagt, aber das wars dann auch schon. Wie wahrscheinlich bei einer männlichen Gruppe auch hängt die Struktur, der Zusammenhalt und das Verhalten der Gruppe untereinander vor allen von den beteiligten Charakteren ab. Wir sind zum Beispiel alle keine - entschuldigt den Ausdruck - Modepüppchen, deren Leidenschaften sich um Frisuren und Fingernagel-Designs drehen, also hätte so jemand es bei uns wahrscheinlich eher schwerer, weil das keine Kollegin nachvollziehen kann. Aber ich kann mir vorstellen, dass es auch ein - noch ein Klischee *g* - Basketballfan unter lauter Fußballfangs schwerer hätte. Auch wenn das am Ende keine Auswirkungen auf die eigentliche Zusammenarbeit hätte, in keinem der beiden Fälle. Hauptsache, es wird gut mitgearbeitet.


    Die Erfahrung, die ich regelmäßig mache, ist vor allem die, dass man als reine Frauengruppe von männlichen Außenstehenden nicht richtig ernst genommen wird. In unserem Fall sind das Kunden, die, wenn wir nicht das tun, was sie wollen, sofort "Wo ist der Chef, ich will mit einem Mann reden!" sagen. Andersrum ist es auch so, dass ein Mann in unserem Laden sofort als "der Chef" indentifiziert wird, selbst wenn es nur der Auszubildende ist. Finde ich immer wieder traurig, aber da sind halt wohl noch ein paar Jahrhunderte Fortschritt nötig.
    Wir hatten immer mal wieder männliche Mitarbeiter - ja, auch einen Auszubildenden - und ich finde es eindeutig angenehmer, in einer reinen Frauengruppe zu arbeiten. Dann war die Arbeit immer harmonischer und gleichmäßiger verteilt und jeder hat sich bemüht und mitgerarbeitet. Alle männlichen Kollegn haben immer versucht, sich die Rosinen aus der Arbeit rauszupicken und das meiste auf die weibliche Belegschaft abzuwälzen. Alle, außer einem. Ehre, wem Ehre gebührt. Ich hatte tatsächlich mal einen Kollegen, mit wir alle gut zusammenarbeiten konnten, der richtig gut mitgearbeitet hat, und der auch kein Problem damit hatte, wenn das letzte Wort in einer Entscheidung nicht bei ihm lag.


    Also, aus meiner subjetiven Sicht ist arbeiten in einer reinen Frauengruppe besser als arbeiten mit vielen Frauen und nur einem Mann. Es sei denn, dieser Mann ist tatsächlich der Chef. Da bin ich dann pragmatisch genug zu sagen, dass es ja sein Laden ist, und dass er das Geld verliert, wenn er tatsächlich Unfug entscheidet. Und dass er dann ja auch das Recht hat, nicht mitzuarbeiten, eben weil er der Chef ist. Sein Geld.


    Ich habe allerdings auch noch nie in einer gemischten Gruppe gearbeitet, in der sich das Verhältnis in etwa die Wage hielt. Vielleicht ist dann alles anders. Wir hatten immer nur einen Mann auf fünf bis bis sechs Frauen. (ja, wir sind ein kleiner Betrieb)


    Auf der anderen Seite treibe ich einen männer-dominierten Sport, und da habe ich (bis auf einen, den ich jetzt bewußt ausschließe, denn der war von der ganz üblen dummen, sexistischen Sorte) nur gute Erfahrungen gemacht. Alles Gentlemen, alle sehr nett und kein bißchen unfair oder herablassend. Klar, man muß mit drüber lachen können, wenn man nur die Hälfte wiegt und darum den Gegner nicht heben kann, aber das gehört halt auch dazu. ;)

    Ist doch nur meine Meinung. Ich find ja auch die Drachenlanze blöd, und Millionen Leute lieben die Bücher trotzdem.

  • Da ich fünf Jahre in einer Oberstufe voller Mädchen war und erlebt habe wie sehr sich 15-19jährige Mädels anzicken und kaum dass eine den Raum verlassen hat, sich schlimmstens über sie ausgelassen wurde. Das hab ich leider auch bei manch erwachsenen Frauen auf einer Arbeit erlebt, bishin zu dass eine Frau von ihrem Boss mit miesen sexuellen Sprüchen belästigt wurde und ihre Kollegin meinte etwa "die Weiber heute können auch nichts mehr ab." Yikes. :meh:

    Zum Glück bin ich das in den letzten Jahren losgeworden und kenn nur noch Frauen, die andere unterstützen. Ich bin überzeugt, dass Frauen und AFAB Personen dauernd von der Gesellschaft gegeneinander aufgehetzt werden und natürlich kann man da auch die Selbstverantwortung nicht von sich schieben und nur auf "die Gesellschaft" zeigen.


    Genau deswegen will ich sowas nicht in meiner Story haben. Jede "not like the other girls" wird sofort zur Tür verwiesen und jedes "beautiful but doesn't know it", jedes Slutshaming und Shaming dessen, dass eine weiblich gelesene Person eitel und stolz ist, jede auf Geschlecht begründete Missgunst bei Erfolgen oder jeder Streit um einen Kerl / Partner generell etc... wird aus dem Fenster gekickt.

    Kein Trope hat mich mehr mit den Augen rollen lassen als häufig diesen Trope (vor allem in damaligen Young Adults) zu lesen von: "sie war nicht wie ALL die anderen oberflächlichen, dummen Mädchen... %-)


    Diese toxischen Frauentropes wegzulassen, gehört zu dem Bisschen an Utopie, das ich mir in meiner eigenen DnD-Welt erlaube und es macht so viel Spaß. ^^

    Die Partnerin meines Protagonisten (nicht-binär, afab - oder besser gesagt eine Partnerin, das ist eine Polybeziehung mit den beiden, dem Mann meines Protas und einer Frau, die sie kennenlernt) ist ein absolutes Girly, das schöne Kleider und Schmuck und all das liebt. Sie singt als Bardin am liebsten über Heldinnen und zieht seit jeher fast magisch für ihre Abenteuergruppen so gut wie immer Frauen an. Bis auf den männlichen Partner von einen ihrer Abenteurerinnen.

    Sie mag zwar den Mann ihres Partners als Person recht gerne, aber sie kann mit Männern allgemein weniger anfangen. She's a girl's (...non-men's) girl. ^^ ihren Partner kannte sie dafür schon, als sich dey noch weiblich identifiziert hat, denke ich, und führt dann natürlich die jahrzehntelange Beziehung fort; davor hatte sie nur Beziehungen mit Frauen.


    Und sie ist sehr eitel, die meisten Elfen sind zwar eitel und mein Protagonist ist da ebenfalls keine Ausnahme, aber nicht unbedingt auf eine selbstverliebte Weise, dass sie auf alle hinabsehen würden (einige eben schon), sondern dass sie Freude daran haben sich um ihr Aussehen zu kümmern und wissen, dass sie schön anzusehen sind.

    Das hält dann dem ein oder anderen menschlichen Mann aus eher patriarchalen Gesellschaften den Spiegel vor, dass nicht jedes Wesen, das ihnen gefällt und für sie schön anzusehen ist, für sie verfügbar ist - und das bei menschlichen Frauen wohl genauso sein wird.


    Die meisten Elfenfrauen und allgemein Personen von Rassen wie Zwerginnen, die viel länger leben als Menschen, bestärken sich auch darin, dass sie sich nicht für ihren nackten Körper schämen in denen sie schon einhundert, zweihundert Jahre plus verbringen und sind gegenüber einigen menschlichen Kulturen: Schwester, wieso schämst du dich für deine Brüste, wieso bedeckt ihr euch, wenn ihr stillt. ???


    Also ähm ja, so stelle ich es mir in Geschichten vor, wenn Frauen beieinander stehen und würde mir das auch immer in der Realität wünschen.

    "Badass Heroines" machen auch nur halb so viel Spaß, wenn sie nichtmal verletzlichere Seiten haben und vor allem wenn sie nicht zu und hinter (anderen) Frauen und ähm, No-Men stehen.




    :schmoll:

  • Irgendwie sehr cool das du so alte Threads ausgräbst. Das ist mega spannend muss ich mal sagen. Nicht nur die Threads selber, sondern es ist ya auch ein bisschen so als würde man die Geschichte des Forums erforschen :D

  • Irgendwie sehr cool das du so alte Threads ausgräbst. Das ist mega spannend muss ich mal sagen. Nicht nur die Threads selber, sondern es ist ya auch ein bisschen so als würde man die Geschichte des Forums erforschen :D

    Das denk ich mir auch, wenn ich durch die verschiedenen Seiten durchklicke, so viele interessante Themen, die man wieder an die Oberfläche holen könnte. ^^

  • Ich finde das hier auch sehr spannend, auch wenn ich zugeben muss, dass mir so manches in den ersten Beiträgen doch ein bisschen sauer aufgestoßen ist. Ich verzichte aber darauf, das zehn Jahre später nochmal aufzurollen.


    Jetzt zu meiner anekdotischen Evidenz:


    Mit reinen Frauengruppen habe ich keine länger andauernden Erfahrungen, es gibt aber Studien, dass es zum Beispiel beim naturwissenschaftlichen Unterricht zu besseren Leistungen der Mädchen führen kann. In der Schule war ich einige Jahre lang in einer Klasse, wo nicht ausschließlich Mädchen waren, diese aber die große Mehrheit gestellt haben. Das hat zu einer sehr harmonischen und dem Lernerfolg zuträglichen Klassensituation ohne größere Konflikte zwischen Mädchen und Jungen unter sich oder untereinander geführt. Dass Jungen irgendwie die Konflikte zwischen Mädchen geschlichtet hätten, wie es immer suggeriert wird, war aber auch kein Thema.


    Was den „Zickenkrieg“ angeht habe ich die Vermutung, dass das stark vom Setting abhängt. Wenn es viel tatsächliche und gefühlte Ungerechtigkeit und Ungleichbehandlung gibt, auf die keine Einflussmöglichkeit besteht, befördert das den Zickenkrieg massiv, weil auf diese Weise versucht wird, den Frust zu kanalisieren. Da können sich welche in der Mitte gegen eine Person unten zusammentun, um sich besser zu fühlen, welche von unten und aus der Mitte versuchen, jemandem „oben“ das Leben schwerzumachen oder in dessen Position zu kommen etc. Das passiert in dysfunktionalen Schulklassen oder an ebensolchen Arbeitsplätzen und auch bei Fernsehshows wie Germany’s Next Topmodel, wo das ja immer richtig zelebriert wird.


    Ich glaube nicht, dass das biologisch-geschlechtsbedingt ist, sondern dass es daran liegt, dass Frauen kulturell bedingt öfter in solchen Situationen landen. Schon allein wegen der gesellschaftlichen Fokussierung auf Äußerlichkeiten bei Frauen, die nur begrenzt beeinflussbar sind.


    Man kann sich auch mal Fußball versus Reiten anschauen. Das Gezicke zwischen Mädchen auf dem Reiterhof (habe ich selber auch nicht so dramatisch erlebt, aber gibt es wohl) ist ja sehr berüchtigt, während man das dem Fußball nicht so nachsagt, aber wenn man sich beides anschaut wird auch klar, dass beim Reiten der Status stark von Faktoren abhängt, die nichts mit dem eigenen Können zu tun haben (Geld der Eltern…), während es beim Fußball mehr aufs Können ankommt und man deshalb selbst wesentlich mehr bewirken kann.



    Während meiner Doktorarbeit war ich ja als einzige Frau in einer Männergruppe und an einem Institut mit sehr niedrigem Frauenanteil, was auch unproblematisch war, allerdings werde ich auch in der Regel asexuell gelesen, was die Zusammenarbeit wesentlich erleichtert.


    Auf den höheren Ebenen habe ich im Uni-Umfeld aber gerade zwischen Männern „Zickenkrieg“ in recht extremen Ausprägungen beobachtet. Also Spitzen, Intrigen, hintenrum schlechtmachen, dem anderen nichts gönnen etc. Das passt auch zu meiner Theorie, denn der „Wettbewerb“ um Drittmittel, Ausstattung und Stellen in der Chemie (und vermutlich auch in anderen Fächern) schafft auch ein sehr dysfunktionales Umfeld mit Gerechtigkeitsdefiziten.



    Noch zu deinem Beitrag LittleOwlbear: Bei dem „beautiful but doesn’t know it“ wäre ich tatsächlich nicht so hart, denn angesichts des medialen Drucks, der auf junge Frauen ausgeübt wird, halte ich es durchaus für realistisch, dass Frauen sich selbst für wesentlich unattraktiver halten als andere das tun und würde jemandem daraus auch keinen Vorwurf machen.


    Das „not like the other girls” ist sicherlich problematisch. Ich kann hier aber auch nachvollziehen wie es zustande kommt und sehe da vor allem zwei Gründe.


    Viele Autorinnen, die sich in ihrer Teeniezeit schon fürs Schreiben interessieren und dafür über verschiedene Themen nachdenken, aber gleichzeitig erleben, dass für viele ihrer Altersgenossinnen hauptsächlich Aussehen und Jungs im Mittelpunkt stehen, erleben das in diesem Alter erst einmal so und reagieren dann vielleicht auch, indem sie auf die vielleicht erlebte Ausgrenzung damit reagieren, dass sie die anderen als dumm und oberflächlich abqualifizieren. Bei manchen zieht sich das dann vielleicht noch bis ins Erwachsenenalter durch und sie fangen nicht an das zu reflektieren.

    Außerdem sind diese Mädchen vermutlich auch häufig die Zielgruppe der Bücher…


    Der zweite Grund ist der, dass viele Bücher Pionierinnen als Protagonisten haben, die tatsächlich die einzigen in ihrem Umfeld sind, die in etwas gut sind, was als Männersache eingestuft wird. Das liegt daran, dass es häufig historische Settings gibt, oder die Autor*innen einfach ihr geliebtes Patriarchat schreiben wollen und sich nichts anderes vorstellen können.


    Erklärbar, aber ich stimme zu, dass es in beiden Fällen wünschenswert wäre, anders an das Thema heranzugehen. Das Mädchen aus Grund 1 darf ja beim Lesen durchaus erfahren, dass auch die „hohlen Tussis“ mehr sind als das und Solidarität zwischen Frauen durchaus etwas Erstrebenswertes wäre und bei Grund 2 wäre es schön, wenn nicht nur die eine besondere Heldin als fähig auf ihrem Gebiet anerkannt werden würde, während ansonsten das patriarchalische Klischee bestätigt wird, sondern wenn tatsächlich ein Umdenken stattfinden würde.

  • Aber mal ehrlich. Ich war in einer reinen Jungenklasse. Sowohl in der Schule als auch nachher in der Berufsschule. Allerdings gabs immer wieder Crossovers mit anderen Klassen die nicht Mono waren. Und ich muss sagen, sobald Mädels da waren. lief alles SO VIEL BESSER. Weniger Mobbing, mehr Kommunikation, allgemein weniger "UH UH AH AH", was man vllt nicht erwartet, weil man denkt die Jungs würden dann besonders versuchen einen auf dicke Hose zu machen xD
    Ich glaube das es grundsätzlich gut ist, wenn man beides in einem Team hat. Würde sehr stark anzweifeln, dass das was mit Frauen zutun hat, sondern einfach mit Menschen :D

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