Technische Entwicklungen von heute weitergedacht

  • Seit einigen Tagen beschäftigt mich dieses Thema ein wenig.


    Und zwar habe ich mir die Frage gestellt, wie sich eine Entwicklung von heute auf kommende Generationen auswirken könnte. Insbesondere fiel mir da die Entwicklung von Übersetzungensprogrammen bzw. Übersetzungsgeräten ein. Es gibt ja schon einige technische Hilfsmittel, die Sprachen mehr recht als schlecht übersetzen können, aber durch den Einsatz von KI immer besser werden (siehe https://www.deepl.com/translator). Das ist ja alles schön und gut, aber wie könnte es sich auf kommende Generationen auswirken? Kommt es zu einer Verdrossenheit Sprachen zu lernen, weil jeder einen Universalübersetzer im Ohr hat?


    Ein anderes klassisches Beispiel ist die Entwicklung der Speichermedien und der Witz mit dem Bleistift und der Kassette, wo die Jugend von heute nicht mehr weiß, was es damit auf sich hat. Durch die ganzen Cloudlösungen könnte es bald keine Speichermedien mehr geben. Sind SD-Karten und USB-Sticks auch langsam am aussterben?


    Noch ein Beispiel wäre die Entwicklung der selbstfahrenden Autos. Wenn diese irgendwann wirklich mal serienmäßig herauskommen, welche Probleme bringen diese mit sich? Verlernten wir das Auto fahren? Was geschieht mit LKW- und Taxifahrern? Oder wären diese Fahrzeuge die neue Waffe für Hacker?


    Das sind jetzt nur drei Beispiele, die mir eingefallen sind. Was mich interessiert: Haben einige von euch auch solche Gedankengänge und in welche Richtung gehen diese? Mir geht es dabei um eine "logische" Überlegung, wie sich die Menschheit im technologischen Sinne weiter entwickeln könnte.

  • Gebastelt habe ich daran nicht, weil ich keine SciFi-Welt habe oder überhaupt technologisch hochentwickelte Welt.


    Ein weiteres naheliegendes Beispiel wären wohl die immer "menschlicher" werdenden Roboter, um deren Zukunft ja auch schon in vielen Varianten multimedial herumgesponnen wird.
    Vielleicht kann man diese Roboter noch nicht so ganz als "Technik von heute" bezeichnen, weil sie noch nicht in der Gesellschaft bzw. deren Alltag angekommen sind und sich noch im Prototypenstadium befinden.


    Augmentierung von Menschen gehört auch irgendwie dazu. Ich meine Herzschrittmacher, künstliche Organe oder Extremitäten und sowas. Die Vermischung aus Mensch und Maschine.
    Der Übersetzungs-Knopf oder Babelfisch im Ohr gehört letztendlich wohl auch irgendwie dazu.


    Wenn sowas überall verbreitet ist, würde man überhaupt noch Sprachen lehren?


    Andererseits ist es natürlich auch naheliegend, dass auch in Zukunft nicht die ganze Menschheit von all den technischen Entwicklungen profitieren wird (keinen Zugang dazu hat, zum Beispiel aus finanziellen Gründen - oder es ablehnt) und die Barriere zwischen den einen und den anderen nur noch mehr wächst.

  • Bei technischer Weiterentwickling gilt generell, alte Berufe verschwinden, neue entstehen. Die Laternenputzer werden gegen die Einführung elektrischer Straßenbeleuchtung protestieren. Die Gewerkschaftscampagne gegen Computer (¡Arbeitsplatzvernichter!) war da sehr kurzsichtig und hat hauptsächlich dazu geführt, dass die neuen Arbeitsplätze eben anderswo entstanden sind.
    Absehbar hierbei ist, dass bevorzugt körperliche Arbeiten verschwinden, da diese einfacher von Maschinen übernommen werden können. Expertensysteme können große Datenmengen zusammenstauchen, dass ein Mensch nur noch abschließende Interpretation übernehmen muss. Das zeichnet sich auch bereits z.B. in der Medizin ab.


    Datenträger ändern sich. In meinem Leben habe ich schon einige Datenträger kommen und gehen gesehen. Insofern, Grabsteine mit USB halte ich für Unfug. Auch USB wird was neuem Platz machen. Um es mit einem Bibelzitat zu sagen: (Mt 24,34) "Ich sage euch: Diese Generation wird das alles noch erleben!"


    LKW und Taxifahrer können möglicherweise verschwinden. Siehe Lampenputzer oben.


    Bleibt die Frage, welche Berufe werden kommen, welche bleiben bestehen? Was kommen wird ist schwer zu sagen. Niemand hat vor zwanzig Jahren diesen Sprung in der Kommunikationstechnik mit daran angebundenen Arbeitsplätzen vorhergesagt. Was bleiben wird ist Dienstleistung und Unterhaltung (meiner Ansicht nach.). Ganz einfach, weil viele Menschen in diesen Bereichen andere Menschen bevorzugen.
    Auch reparatur wird wahrscheinlich nicht völlig verschwinden. Nicht alle Geräte können bei Defekt einfach ausgetauscht werden. Und brechen auf unvorhergesehene Weise. Das ist ein Feld, in dem der Mensch (bislang) deutlich vor Maschinen brilliert: Der Umgang mit unvorhergesehenem.
    Das wird möglicherweise dazu führen, dass ein paar Lasterfahrer noch gebraucht werden. Ebenso wie heute voll elektrisierte Großbahnhöfe immernoch einige Dieselloks haben. Im Ausfallsfall des Hauptsystems umss ein funktionierendes Backup da sein.

  • Wenn tatsächlich ein großer Anteil der Jobs wegfällt, weil die Arbeiten durch Maschinen erledigt werden können, sind auch die sozialen Konsequenzen interessant. Wie geht die Gesellschaft damit um, dass Vollbeschäftigung nicht mehr möglich ist? Das aktuelle Sozialsystem, das durch die Leute mit Arbeitsstelle finanziert wird, würde dann wahrscheinlich nicht mehr funktionieren. Wäre die Alternative dann ein bedingungsloses Grundeinkommen und mehr "unrentable" Beschäftigung wie Kunst, Weltenbasteln ;), philosophische Betrachtungen und eine Verlegung der Aktivitäten auf Sport und Freizeitgestaltung.
    Oder würden Slums für die "Überflüssigen" entstehen, wo die irgendwie für sich selbst sorgen müssen und dann vielleicht weiterhin ohne Strom manuell ihre Arbeiten in einer Art Parallelgesellschaft erledigen?
    Da gäbe es sicher noch viele weitere Möglichkeiten...

  • Wenn tatsächlich ein großer Anteil der Jobs wegfällt, weil die Arbeiten durch Maschinen erledigt werden können,

    Diese innivationsfeindliche Sichtweise halte ich für etwas einseitig. Neue technologieen bieten auch neue Möglichkeiten und damit neue Arbeitsplätze. Die Arbeit wird sich verschieben, viele Leute werden sich darüber aufregen, da Flexibilität nicht immer zu den menschlichen Tugenden zählt.
    Doch bisher war es nicht technologischer Fortschritt, der Massenarbeitslosigkeiten auslöste und ich halte es auch für unwahrscheinlich, dass Fortschritt dies verursachen wird.

  • Was war jetzt an meinem Kommentar innovationsfeindlich? Ich habe doch nirgendwo behauptet, dass das notwendigerweise schlecht sein muss, auch wenn so ein Szenario durchaus denkbar wäre und weltenbastlerisch genutzt werden könnte. Darum geht es ja hier. Davon abgesehen war das "wenn" in dem von dir zitierten Satz ein konditionales und kein temporales.

  • Ich halte die Ansicht, dass durch technologische Entwicklung keine Arbeitsplätze für Menschen mehr übrig bleiben für innovationsfeindlich. Weil sie vollständig ausblendet, dass neue Möglichkeiten entstehen.
    Es ist richtig, dass das Theorieforum ein guter Platz zur Diskussion spekulativer konsequenzen ist. Dennoch denke ich, ein Argument das ich für zu einseitig halte dafür kritisieren zu dürfen. Natürlich muss sich niemand meiner Sichtweise anschließen. Jedoch meine ich, dass auch zu weltenbastlerisch wertvollen Beiträgen gebrachte Konterpunkte ebenfalls weltenbastlerisch verwertet werden können.

  • Um mich da mal als jemand einzuklinken der sich damit beruflich befasst hat...


    Tatsächlich habt ihr beide Recht.
    Bisher galt es immer, dass neue Technologien im Normalfall mehr Arbeitsplätze geschaffen haben als verschwunden sind, Arbeitsplätze wurden einfach nur verschoben.


    Aaaaaaber:
    Diese Entwicklung, die jetzt seit zig tausend Jahren bei der Menschheit so lief, ist jetzt leider rum. Wann genau der Punkt der Singularität erreicht war, darüber streitet man sich etwas da fließender Übergang, aber irgendwann zwischen 2004 und 2010 hat die Menschheit tatsächlich den Punkt erreicht wo die Automatisierung mehr Arbeitsplätze zerstört als sie neu schafft. Noch ist der Prozess schleichend, aber er wird sich voraussichtlich immer weiter beschleunigen.
    Grundsätzlich ist das erstmal kein Problem. Noch. Aber selbst wenn es sich nicht beschleunigt und die Jobzahl konstant bleibt, werden wir ein anderes Problem haben, das nun schon seit den 90ern immer stärker wird. Nicht nur die Jobs verschieben sich, sondern auch die Art der Jobs.


    Durch die Automatisierung verschwinden verständlicherweise zuerst die einfachen, repetitiven Jobs. Das sehen wir schon seit Jahrzehnten. Die Schrauber in der Fabrik wurden durch Maschinen ersetzt. Derzeit sehen wir dass der Job der Kassiererin immer häufiger auch automatisiert wird. Jobs die wegfallen sind Jobs für "minder" gebildete, "minder" begabte Bevölkerungsschichten und sie werden in erster Linie durch Akademikerjobs ersetzt bzw. Jobs mit hohen Ansprüchen. Und selbst wenn die absolute Zahl der Jobs gleich bleibt, ich kann aus keiner Kassiererin einfach so eine Informatikerin machen. einige wenige schaffen das vielleicht, aber die große Mehrheit bleibt dabei auf der Strecke.
    Deshalb gibt es aktuell ja die Bestreben, ein bedingungsloses Grundeinkommen einzuführen, einfach weil Forschern und inzwischen auch vielen Politikern klar geworden ist, dass wir in 20 bis 30 Jahren einen guten Teil der Bevölkerung haben, den "unteren" Teil, für die es einfach keine Arbeitsstellen mehr gibt und die einfach von der Intelligenz her kaum bzw. keine Chancen haben einen der hoch bezahlten Jobs mit hohen Anforderungen zu erreichen.


    Das ist jetzt nicht innovationsfeindlich. Das ist eine Tatsache die in entsprechenden Kreisen bekannt ist. Das geht so weit dass wir als Lehrer inzwischen tatsächlich in Haupt- und Sekundarschulen immer stärker Wert darauf legen den Kindern bei zu bringen ihr Leben im Notfall auch ohne Job ordentlich zu gestalten, einfach weil wir wissen dass ein guter Teil von ihnen niemals eine Arbeitsstelle finden werden. Noch ein kleiner Teil... noch...


    Ich persönlich sehe aber nicht nur das Problem, sondern auch die Lösung des Problems in Technologie. Mit zunehmenden technologischen Möglichkeiten nimmt der Mangel an allem und damit die Notwendigkeit ab, eine Arbeit haben zu müssen. Die zukünftige Gesellschaft wird weniger einen Menschen haben der sich durch Arbeit definiert, wie es heute der Fall ist, sondern durch ihre Interessen und Hobbies. Quasi eine Post-Mangel-Gesellschaft in der die Grundbedürfnisse automatisch gedeckt werden und nur für weitergehendes, also Luxus, Geld ausgegeben werden muss.



    Und ja, diese Entwicklung des Verlustes von Jobs im unteren Sektor und das Ersetzen durch Jobs in höheren Sektoren ist auch eine Entwicklung die seit Jahrhunderten abläuft, halt auch nur beschleunigt.
    Ein konkretes Beispiel dazu ist mir auf einer meiner Reisen passiert. War ein kleines Bergdorf am Rand der Türkei. Auf dem Weg dorthin kam mir eine Herde Ziegen entgegen, geführt von einem jungen Mann mit Trisomie 21. Ich hab mir nur gedacht: Früher in der Dorfgemeinschaft ohne viel Technologie, wie es dort der Fall war, hatte jeder seine Möglichkeit einen Beitrag zu leisten. Der Junge mit Down-Syndrom trägt seinen Teil bei und kann etwas nützliches tun. Nur ein paar tausend Kilometer weiter in Deutschland gibt es für solche Leute keinen Platz mehr in der arbeitenden Gesellschaft. Es gibt keine Jobs, schon lange nicht mehr, die solche Leute innerhlab der Gesellschaft ausfüllen können. Selbst der einfachste Job in Deutschland braucht geistige Kapazitäten, die ein solcher Mensch nicht aufbringen kann.

    Selbst wenn man sagt dass man außerhalb von Schubladen denkt, bestimmen immer noch die Schubladen das Denken. Erst wenn man sich bewusst ist dass die Schublade selbst nicht existiert kann man wirklich Neues erfinden


    INDEX DER THREADS ZU LHANND

  • Selbst der einfachste Job in Deutschland braucht geistige Kapazitäten, die ein solcher Mensch nicht aufbringen kann.

    Dazu nur als kleine Anmerkung: Es gibt auch einige Menschen mit Trisomie 21, die Universitätsstudien abgeschlossen haben - ist also nicht ganz verallgemeinerbar. Deinem prinzipiellen Punkt, dass es vielen Menschen an der Fähigkeit fehlt, in bestimmten Jobs zu funktionieren, ist das aber nicht abträglich.


    -


    Weltenbastlerisch geht es mir so, dass mir viele Innovationen Angst machen, weil deren Möglichkeiten soviel Potential zu Schaden haben, das kaum absehbar scheint. Ich schrecke daher vor SF ziemlich zurück und lese sie auch kaum - es sei denn, es geht ganz deutlich nicht in eine dystopische Richtung.
    Issoy hat aber auch SF-Elemente, und gerade die Gedanken über eine Gesellschaft, in der niemand arbeiten muss, hab ich dort auch schon fast von Anfang an verbastelt. :)

    Das geht so weit dass wir als Lehrer inzwischen tatsächlich in Haupt- und Sekundarschulen immer stärker Wert darauf legen den Kindern bei zu bringen ihr Leben im Notfall auch ohne Job ordentlich zu gestalten

    Das klingt cool.^^ Wär mir im Schulsystem aber bislang noch nie so wirklich untergekommen. Das ist aber definitiv auch etwas, das ich fürs Basteln im Hinterkopf behalten müsste...

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