[2020-09] Das Mittagessen der Trine Riekersbroh

  • Es war der vierte Eichentag des Jahres Oligo 7xx9 zur elften Stunde als Trine Riekersbroh im Nebelbahnhof Bebelberg Mittagessen kochte.


    Nachdem der Reis fertig gekocht hatte, goßt Trine ihn ab und gab sich eine Portion auf den Teller. Die Verteilung der Reiskörner in unterster Ebene sehen wir in der folgenden Abbildung:



    Im Sinne der klasssichen Reisclusteranalyse können wir vier Hauptcluster identifizieren: Das breite Südcluster mit drei verdichteten Unterzentren, ein Mitte-Ostcluster mit zwei Satellitenverdichtungen, ein beinahe symmetrisches Nordcluster, das sich eichelfürmig ins Zentrum erstreckt sowie ein randlasitges Nordwestcluster, das in zwei Unterregionen mit die höchste lokale Dichte aufweist. Auffällig ist das Band, das sich von diesem Cluster durch den ganzen Teller zieht und sehr schön in die Randbögen des Ostclusters übergeht.


    Die obere Verdichtung des Nordwestlusters weist überdies ein extrem hohes Maß an Reisparallellität auf, die medioskopisch an keinem anderen Ort auch nur annäherungsweise erreicht wird. Dafür springt am nördlichen Ende des Ostclusters eine lokale Fischgrätenstruktur ins Auge, die auf der mikroskopischen Ebene das geordnetste Phänomen des Tellers ist. Der Randfall des Tellers ist asymmetrisch: Während im Nordosten keine Grenzkörner zu finden sind, gibt es von Westnordwest bis Südost immer wieder einzelne Überschreiter des Randes, am häufigsten im Südosten.

    Und manchmal, manchmal, reimt sich irgendwas auf "od"


    Unterschätzen Sie niemals das dramaturgische Potential eines Kopfbahnhofes!

  • Trine Riekersbroh setzte gerade an, den ersten Löffel Reis aufzunehmen, als die Tür zum Bahnhofsgebäude aufsprang und eine, zwei, drei, vier Gestalten hereinstürmten. Trine sprang auf:


    „Wat solln dit?!?“


    „Keine Zeit“, rief eine der Gestalten atemlos, „Wo ist der Reis?“


    „Reis?“ Trine blickte auf ihren Reisteller „Ik meine: Hier is mein Reis, aber-“


    Die größte der Gestalten stürzte mit einem großen, schwarzen Kasten auf ihren Esstich zu und ließ den Kasten auf ihren Mittagsteller fallen.


    „Ik versteh hier nix, dit is mein Mittagessen.”


    “Trine, das hat seine Richtigkeit”, Roman, der Zugführer, war, ohne dass sie es bemerkt hatte, ebenfalls eingetreten. „Das sind Kollegen aus der Schlaufe. Die brauchen die vielen Reiskörner auf deinem Teller für… so ganz verstehe ich es auch nicht aber es geht um ein technisches Gerät.“


    Auf Trines Teller war mittlerweile ein interessantes Bild zu sehen. Viele der Reiskörner wirken verbogen oder schwebten ein paar Zentimeter über den Teller. Es wirbelte und der Kasten begann zu vibrieren.


    „800, 900, 1000“ Ein Mann mit einem rostroten Schnurrbart warf einen prüfenden Blick auf eine Anzeige an dem Kasten. Der Teller war jetzt schon über halbleer.


    „1100, 1200, das reicht!“, rief der Mann aus und in diesem Moment gab es einen Knall und Trine und den anderen flogen einige Reiskörner ins Gesicht. Der Mann mit dem Schnurrbart zog jetzt seinerseits einen Kasten aus seiner Tasche und legte einen Schalter um.


    „Alles im Plan, alles im Plan! Thorstein, halt das Modul fest!“, rief er, während er konzentriert sein Gerät am Tisch entlang zog. Trine konnte dem Spektakel nur mit offenen Augen zusehen.


    Dann, nach weiteren Sekunden konzentriertem Hantieren, schien es vorbei zu sein. Der Mann mit dem rostroten Schnurrbart nickte zufrieden.


    „Hat es geklappt?“, fragte eine Frau mit einer langen Robe und einem strengen Haarknoten mit dünner Stimme.


    „Ich denke schon. Ich muss nochmal die Datenstrukturchecks machen, dass auch nichts aus dem Modul hier drin jetzt fehlt. Das dauert ein wenig, aber es sieht gut aus. Wir können derweil ja schon etwas aufräumen.“


    Der große Ork, der bis gerade noch den Kasten auf ihrem Teller festgehalten hatte, reckte die Faust in die Luft. Trine hatte den doch irgendwo schon mal gesehen. Sie sah immer noch vollkommen fassungslos zwischen den Überraschungsbesuchern hin und her. Die sahen jetzt deutlich glücklicher aus als zu Beginn.


    „Frau Riekersbroh, es tut uns leid, dass wir sie beim Essen stören mussten und ihren Reis dabei zerstört haben. Es ging nicht anders. Es war sehr wichtig“, richtete die Frau mit der Robe das Wort an sie.


    „Schon gut, ik mach mirn neuen. Hab nochn ganzn Topf.“


    Komische Leute…

    Und manchmal, manchmal, reimt sich irgendwas auf "od"


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  • Ach Alpha, ich hab dich einfach lieb. <3 Der Callback zum Reisteller! :rofl: Ich hätt's ja am Datum sehen müssen. Ich hatte mich noch gefragt, war nicht schonmal was mit Oligo und zwei x. ^^
    Ich muss aber sagen ich bin bei Roman: "so ganz verstehe ich es auch nicht " ^^

    Degors Plan war es das Modul mit dem Reis zu konfrontieren? Huh, okay. Da wär ich jetzt nicht drauf gekommen.^^ Ordnet das Modul jetzt die Reiskörner und ist überlastet oder so?


    Die Trine gibts auch noch. Is dat schön. :D

  • Da verweise ich mal auf die folgende Stelle auf den Beitrag vom 3. Mai aus "Der Consultant":


    „Ich wüsste nicht wie. Aber ich habe noch was anderes notiert. Das Modul verwendet noch Version 1.12 von Protokoll 452. In dieser Version gibt es noch die Begrenzung von 1296 Objekten pro Objekttyp. Wir haben früher solche Module viel zum Austausch von Informationen genutzt. Ich weiß jetzt nicht, ob es bei diesem Modell funktioniert, aber es gab da mal einen Fehler, wenn man versucht mehr als 1296 Objekte einzulesen, der das ganze Modul zum Absturz bringt. Wenn ich das dann mit meinem Analysetool aufsammele könnten wir alles wiederherstellen. Ich bin ziemlich -“


    „Das klingt sehr gefährlich.“, unterbrach ihn Welan, „Bei einem Absturz könnten die Sachen auch für immer verloren gehen.“


    „Um 452-Dateien zu vernichten braucht es auf dieser Metaebene schon etwas mehr. Wir haben das Format damals sehr robust gebaut.“


    „Hm Olivius, Würde dein Plan also bedeuten, wir brauchen 1296 gleiche Objekte von irgendwas?“, fragte Daywar.


    Ihr könnt die Reiskörner gerne nachzählen, aber ihr glaubt mir vermutlich, wenn ich euch sage, es reicht.

    Und manchmal, manchmal, reimt sich irgendwas auf "od"


    Unterschätzen Sie niemals das dramaturgische Potential eines Kopfbahnhofes!

  • :rofl::rofl:

    Danke für die Erklärung und Rückblende, jetzt verstehe ich es auch.


    Ahhhh wie die Handlung einfach mal komplett unerwartet in einen verlassen geglaubten Thread springt. :heart:

  • Nicht nur derThread, auch der Reis war unerwartet. Herrlich geschrieben!

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