[Rhon - Ein Heimatssetting] Bastelthread

  • Sag mal, die Geschichte von der blutigen Puppe, gibts da nicht einen relativ aktuellen Film zu? Das mit der fleischgewordenen Strohpuppe hab ich kürzlich in irgendnem Trailer gesehen.


    [Edit] Es war Sennentuntschi, ein Schweizer Film von 2010


    https://en.wikipedia.org/wiki/Sennentuntschi

    ~ Legend speaks of a beast ~

    ~ Three hundred miles from it’s tip to it’s tail ~
    ~ None have seen it, yet all know it’s name ~
    ~ Like the ark of the convenant, or the holy grail ~

  • Logan, deine Geschichten sind einfach toll! :D Genau SO muss das sein. Rhon ist so phantasiereich und echt wie ich deine Welten liebe. Danke, dass du mich damals vor zehn Jahren mit Rememberence gepackt hast und es heute noch genauso tust. :heart:

    Danke dir. :heart: Ich werd ja gleich rot... *blush* :-[


    Sag mal, die Geschichte von der blutigen Puppe, gibts da nicht einen relativ aktuellen Film zu? Das mit der fleischgewordenen Strohpuppe hab ich kürzlich in irgendnem Trailer gesehen.


    [Edit] Es war Sennentuntschi, ein Schweizer Film von 2010


    https://en.wikipedia.org/wiki/Sennentuntschi

    Jaaa. Erwischt. Die Geschichte ist, trotz des komischen Titels, sehr gut. Klassischer, alpenländischer Folkhorror. Ein Subgenre, das ich überaus liebe. Aber die Story war so gut, dass ich sie ins Rhon importieren musste. ;D

  • Ich habe einen Argestein-Comic über das Ding gelesen, da hatte es aber nochmal einen anderen Namen. Und die Lösung für das Problem war, ein männliches Gegenstück zu bauen, damit die sich gegenseitig beschäftigen.

  • Ich habe einen Argestein-Comic über das Ding gelesen, da hatte es aber nochmal einen anderen Namen. Und die Lösung für das Problem war, ein männliches Gegenstück zu bauen, damit die sich gegenseitig beschäftigen.

    Das wäre natürlich eine Lösungsmöglichkeit gewesen.

  • Ich bekomm direkt Lust, eine Geschichte zu schreiben, wo dieser Lösungsansatz irgendwie überliefert ist, aber dann scheinbar doch nicht funktioniert, bis nach viel hin und her und einer ganzen Reihe weiterer Toter endlich rauskommt, dass die Puppe einfach lesbisch ist...

  • Ich bekomm direkt Lust, eine Geschichte zu schreiben, wo dieser Lösungsansatz irgendwie überliefert ist, aber dann scheinbar doch nicht funktioniert, bis nach viel hin und her und einer ganzen Reihe weiterer Toter endlich rauskommt, dass die Puppe einfach lesbisch ist...

    Tut dir keinen Zwang an. Meinen Segen hast du. :D


  • Ein paar neue Texte zu Rhon. Dieses Mal etwas Weltenbeschreibung.


    Einleitung

    Es ist das Jahr 1.567 nach dem Martyrium der 12 Kreuzheiligen. Die Welt liegt in Flammen. Pest, Krieg und Leid wütet an allen Ecken und Enden des Weltenrunds. Der Kreuzkirchliche Gott scheint seine Kinder verlassen zu haben. Insbesondere das Rhonland im Zentrum des kreuzländischen Kaiserreiches ist von Pein, Qual, Tod und Hexerei schwer getroffen.


    Auf dem ersten Blicke ist dies ein gar ruhiger, trostloser und einsamer Fleck feuchter Erde. Weit über eine gute Tagesreise zu Pferd vom bischöflichen Sitz von Warzburg entfernt, wäre das Rhonland in all seiner Einfachkeit nur ein bedeutungsloser Landstrich in einer Sammlung unzähliger bedeutungsloser Landstriche. Doch dieses änderte sich vor 10 Jahren, als die gottlosen Nordmänner ins Kreuzland einfielen und sich im Rhonland blutige Schlachten mit dem kaiserlichen und kirchlichen Heer lieferten. Das Gebiet, wo hunderte Soldaten beider Seiten aufs grausamste ihr Leben ließen, heißt heute nun die Beinau. Seit dieser Zeit, als das Land mit Blut, Schweiß, Tränen und Pisse getränkt und die Stadt Madalsstadt zur Festung gegen die tierhaften Teufel aus dem Norden gewandelt wurde, liegt das Augenmerk der Kirche und ihrer Diener ebenso genauer auf dem Rhonland wie von dem Kaiser und seinen Untergebenen.


    Und dieser starre Blick war es, der das uralte, heidnische Grauen des Rhonlandes enthüllte. Denn wäre es nicht zu dem Schlachten und Morden auf den Beinauen gekommen, so würden die Hexen, Teufel und Dämonen, die in diesem Landstrich hausen, bis in alle Zeit verborgen bleiben. Doch dem war nun nicht mehr so und die Kreuzkirche schickte ihre Diener und Dienerinnen aus, um mit Feuer, Kreuz und Schwert dem Teufeleien den Gar aus zu machen.


    Geographie

    Das Rhonland kann man in drei Gebiete unterteilen: Im Osten liegen die Beinauen, ein leicht hügeliger Landstrich voller Felder, einigen kleinen Baumhainen und kleinen, befestigten Dörfern, welche durch den Krieg mit den Nordmannen unsägliches Leid, Grauen und Blutschande erlitten hatten. Die größte Stadt der Beinauen ist Kaysershaven am Flusse Salzna.

    Im Zentrum liegt das Stroi- und Salznatal, an dem die Städte Hohenwacht im Norden, Madalsstadt in der Mitte und Nöckstadt im Süden liegen. Dieses Gebiet ist besonders fruchtbar und an den Gewässern klappert so manche Mühle ihr einsames Lied.

    Und westlich der Flusstäler wird die Landschaft bergiger, denn nun erreicht man die Hohe(n)rhon. Hier, auf den von Buchenwäldern, Grasflächen und Mooren überzogenen Kuppen gibt es kaum noch eine Siedlung. Einige wenige Gehöfte und einsame Siedlungen, deren Einwohner und Einwohnerinnen mehr mit einander verwandt sind, als es dem Kreuzgott lieb ist, sind die einzigen Orte von so etwas, was man eine Zivilisation nennen könnte. Hier, in diesen von Inzucht zerfressenen Gemeinden, sitzt auch der eitrige Ursprungspfuhl für so manchen Hexen- und Heidenglauben. Einzig die Stadt Pfaffenbruck am Fuße des Heiligenberges, auf dem sich ein kreuzkirchliches Kloster befindet, ist ein heiliges Licht in dieser satanischen Finsternis.


    Das Wetter im Rhonland ist zumeist nass, kalt und vor allem nebelig. Besonders in den Monaten von September bis Mai ist das Wetter ein deprimierendes Grauen, das in vielen Familien regelmäßig dafür sorgt, dass die Alten auf den Gottesäckern verscharrt werden. Einzig in der Zeit von Mai bis einschließlich August kann es schon mal wärmer und sonniger werden. Aber auch hier gibt es in den frühen Morgenstunden den garstigen, schaurigen Nebel und wird es besonders warm an diesen Tagen, so wird der häufige Regen schon mal durch brüllenden Donner und teuflischen Blitzen, die so manchen Hof in Flammen haben aufgehen lassen, erweitert. Stürme sind östlich der Hohenrhon eher selten, aber nicht unmöglich. Westlich davon aber kann es tagelang regnen und die Apokalyptischen Reiter ziehen gar selbst mit Donner, Blitz und Hagel über die Lande. Im Winter sind vor allem die eisigen Schneestürme hervorzuheben, welche schon mal eine ungeschützte Haut mit blutigen Striemen überziehen und unachtsamen Wandersleuten den sicheren, eisigen Tod bringen können.


    Die Supp'n


    Ein Nebel hat die Welt so weich zerstört.

    Blutlose Bäume lösen sich im Rauch.

    Und Schatten schweben, wo man Schreie hört.

    Brennende Biester schwinden hin wie Hauch.


    Gefangene Fliegen sind die Gaslaternen.

    Und jede flackert, dass sie noch entrinne.

    Doch seitlich lauert glimmend hoch in Fernen

    der giftige Mond, die fette Nebelspinne.


    Wir aber, die, verrucht, zum Tode taugen,

    zerschreiten knirschend diese wüste Pracht.

    Und stechen stumm die weißen Elendsaugen

    wie Spieße in die aufgeschwollne Nacht.


    "Nebel" von Alfred Lichtenstein


    Eine der großen Besonderheiten des Rhonlandes und der Beinauen ist die Supp'n. Dies ist der örtliche Begriff für den Nebel, der besonders vom Herbst bis ins Frühjahr das Land überzieht und ihm ein schrauriges Antlitz verleiht. Die fahlen Schwanden ziehen über die Felder, die Weiden und den Wald. Wabern hinein in die Städte, die Ritzen und Türen. Er legt sich auf die Gemüter und macht das Unterträgliche noch schwerer.

    Dabei ist die Supp'n zudem eine Substanz, welche von Teufel und Geistern gleichermaßen bewohnt wird und unbeschreibliches Grauen in sich birgt.

  • A bisserl mehr. Teilweise vielleicht etwas unangenehm...


    Politik

    Das Rhonland ist, wie jeder weiß, Teil des Kaiserlichen Reiches des Kreuzlandes. Der Kaiser zu jener Zeit ist Friedemann III., auch genannt "Der Weise", aus dem Hause Wittenberg. Dies liegt viele Tagesreisen südlich vom Rhonland entfernt und bis dato war der Kaiser noch kein einziges Mal in Rhonland gereist. Der letzte Kaiser, welcher das Rhonland besucht hatte, war Kaiser Maximilian II. vor gut 200 Jahren. Nach ihm wurde damals die Stadt Kaysershaven begannt, wo er die meistes Zeit residierte.

    Als rechtmäßige Vertreter des Kaiserreiches haben die Städte eine Bürgermeister, der entweder aus adeligem Hause stammt oder sich den Titel durch Blut und Schweiß hart verdiente.

    Der Bürgermeister von Madalsstadt und somit die mächtigste, weltliche Person im Rhonland ist Hellwart Ebermuth zur Krause, ein wohlhabender, überaus fetter, niederer Adeliger, der durch Glück, Vetternwirtschaft oder Gefälligendienste diesen Posten erhalten hat.


    Ihm gegen über steht die mächstigste Person des Klerus im Rhonland, der Summus Sanctus Inquisitorem Sadisticus Fistobal von Tortura zu Madalsstadt, der vom Heiligen Stuhl höchstselbst aus der Civitas Dei in den von Hexen und Teufeln verfluchten Norden entsandt wurde. Der Hexenjäger, der gebürtig aus dem fernen Espainia kommt und am Hofe des Papstes direkt die Kunst der Hexenjagd gelernt hatte, ist eine düstere Erscheinung, in dessen nähe sogar die Krähen aufhören ihre garstigen Spöttereien beenden und kein Hund aus Angst mehr jault. Umgeben wird der Inquisitor von einer Schar sogenannter Papae sponsas, den Bräuten des Papstes; einem besonderen, kriegerischen Nonnenorden, welche vollkommen fanatisch dem Heilgen Stuhl und Gottes Wort dient. Zwölf dieser Kriegerinnen, Folterkünstlerinnen und Henkerinnen dienen dem Inquisitor als Leibgarde. Ihre Anführerin ist als Sr. Domina Disciplia bekannt und scheint besonderes Gefallen daran zu haben, potentielle Hexen und Zauberer so lange der peinlichen Folter zu unterziehen, bis sie alles gestehen, was ihnen zur Last gelegt wurde, oder bis sie während der Qual vom Tod erlöst werden.

    Dem Inquisitor unterstehen zudem die Pfarrer des Rhonlandes. Die Mönche und Nonnen der Klöster hat er keine Befehlsgewalt, da diese Orte ihren eigenen Regeln besitzen. Doch im Falle höchster Bedrängnis durch die Feinde des Glaubens, kann der Inquisitor auf die Hilfe er Ordensleute zählen.

    Zwar könnte man nun meinen, dass die Gewaltenteilung im Kaiserreich des Kreuzlandes gleichmäßig besteht, doch in Wahrheit ist es die Kirche, welche über alles und jeden im Reich herrscht. Und sollte der weltliche Adel versuchen, sich über das Wort Gottes oder Papstes zu erheben, so schrecken die Gottesdiener und -dienerinnen auch nicht davor zurück, mächtige, weltliche Personen der Hexerei und der Teufelsanbetung zu beschuldigen. Und wahrscheinlich haben sie dabei gar nicht so unrecht.

    Die unterste Schicht des Rhonlandes und des gesamten Kaiserreichs sind natürlich die, die weder reich, noch mächtig sind oder eine hohe und ehrenvolle Stellung in der Kirche besitzen. Das normale Volk, bestehend aus Bauern, Handwerkern, Händlern und Soldaten, lebt im Dreck und zumeist in bitterer Armut.

    Zum einem ist dies dem Krieg gegen die Nordmannen geschuldet. Die barbarischen Wilden, welche unzählige Gehöfte verbrannt, Menschen geschlachtet, Städte geschliffen und Unmengen an Vorräten gestohlen haben, wurden zwar vor kurzem von den kaiserlichen und kirchlichen Truppen besiegt, doch der Schaden, den sie angerichtet haben ist immens.

    Zum anderen sind da noch die Steuern von Staat und Kirche, welche den letzten Silberpfennig aus den löchrigen Geldbörsen saugen, nur damit die Pfaffen und Adeligen sich jeden Tag die Wänste mit Gesottenem und Gebratenen in ihren mit Gold verzierten Sälen vollschlagen können.

    Das Verhältnis zwischen Volk und Herrschaft ist, gelinde gesagt, schlecht. Doch was will man schon tun? Widerstände und Rebellionen werden blutig niedergeschlagen und Aufrührer enden aufgespießt auf Pfählen, wo sie ein Fressen für die Raben werden.

    So ergibt sich das Volk seinem Schicksal und versucht das Beste aus seiner kurzen Lebenszeit auf Erden zu machen.



    Recht & Gesetz

    Das Recht und die Ordnung wird sowohl von Kaiser und Kirche definiert. Es gibt ein weltliches sowie ein kirchliches Gesetz. Vertreten wird dieses durch ehrenwerte Richter, welche in den kleineren Städten, wie im Rhonland, zumeist auch die Bürgermeister sind, oder durch die Pfarrer und Inquisitoren. Kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, so sind, je nach Schwere der Untat, meistes Bürgermeister oder Richter, der Pfarrer und eventuell sogar der Inquisitor anwesend.


    Bei kleineren Delikten, besonders auf dem Land, wo kaum ein Dorf weit und breit ist, wird das Recht von dem Volk selbst in die Hand genommen. Das in diesem Fall oft Unschuldige bestraft werden und sogar den Tod finden, ist gar keine Seltenheit. Aber auch bei einer ordentlichen Gerichtsverhandlung liegt das Recht und Gesetz oft bei jenen, welche die meiste Macht und Einfluss haben.

    Je nach Schwere der Tat gibt es unterschiedliche Strafen. Niedere Strafen sind Geldstrafen und damit verbundene

    Freiheitsstrafen, wenn der Beschuldigte kein Geld besitzt, was in diesen Tagen recht häufig vorkommt. Alternativ hat sich die Zwangsarbeit zur Tilgung von (Straf-)Schulden als wirksames Mittel herausgestellt. Auch Ehrenstrafen, wie das Stehen am Pranger oder Schandpfahl, werden bei eher leichten Delikten verhängt.


    Schwerere Strafen sind da schon die Leibesstrafen, bei denen Teile des Körpers verstümmelt werden. So ist das Abtrennen von Armen, Beinen, Nasen, Ohren und Zungen sowie das Ausbrennen von Augen oder Verstümmeln der Genitalien sowie Brandmarkungen eine häufig angewandte Bestrafung für Diebe, Räuber, Betrüger und Ehebrecher.


    Im Falle von Mord, Raub, Brandstiftung und Vergewaltigung aber auch Entführung, Sodomie, Diebstahl und Raub, Aufruhr und Verrat, Vergiftung und Ketzerei wird die Todesstrafe verhängt und hier wurden viele Henkersleute recht kreativ. Immer wieder gerne, werden Straftäter gepfählt, was eine recht abschreckende Wirkung auf die Zuschauenden besitzt. Auch gehört das Rädern oder die sogenannte Faultonne zu besonders grausamen Hinrichtungsmethoden. Bei Letzerem wird der Deliquent zuerst blutig gepeitscht und anschließend in eine Tonne voller Unflat gesteckt, das nur noch der Kopf durch ein Loch herausschaut. Dort lässt man ihn nun unter den Höllenqualen, welche der ätzende Dreck in den Wunden anrichtet, langsam sterben.

    Die Kirche hingegen kennt für Hexerei und Zauberhandwerk insbesondere nur eine Methode, um die Seele der verdammten Person zu retten: Die Hexe wird an ein Kreuz geschlagen und an diesem bei noch lebendigen Leibe verbrannt. Nur auf diese Art und Weise kann sie vor der ewigen Höllenpein gerettet werden.

    Sehr selten sind Enthauptungen, denn diese als schmerzfrei und sauber betitelte Todesstrafe ist nur für den Adel bestimmt und dieser wird nur selten einer Straftat überführt.


    Die Mehringaer Faulorgel

    Einst soll es in der Zeit, bevor die Nordmannen ins Rhonland eingefallen waren, in der Stadt Mehringa eine Vielzahl von Vergewaltigungstaten durch verschiedene Unholde gegeben haben. Letztendlich wurden achtzehn Widerlinge der Blutschande überführt und als Bestrafung wurde die Faultonne auserkoren. Also wurden die Achtzehn bis auf Blute gepeitscht und jeder dann in je eine Tonne voll frischem Rindsunflat gesteckt.

    Als dann die Fäule des Dungs sich in das wunde Fleisch der Straffälligen fraß, begannen diese auf schrecklichste zu Greinen und zu Jaulen. Und weil es so viele Schreihälse an einem Ort waren, wurde diese Zusammenstellung als bald als die Mehringaer Faulorgel bekannt.


    Die Kayserhavenhäresie

    Einst haben sich einige Bauern und Handwerker unter dem Hufschmied Wolfbrand Kroch versammelt, um es dem Stadtpfarrer Volkwig Nuss für seine Lügen von Menschlichkeit und Gottes Furcht, die er an jedem Sonntag von der Kanzel verbreitete, gar ordentlich heimzuzahlen.

    Gerade als der fettwanstige Gottesmann sich mühselig von der Wirtschaft des Goldenen Kalbes in Richtung Pfarrhaus bewegte, lauerten die Gesellen dem Pfaffen auf. Aus dem Hinterhalt heraus griffen sie ihn an und verdroschen ihn mit Stecken und pisakten ihn mit Heugabeln so sehr, bis der kugelige Geselle zu Boden ging und an Ort und Stelle den Geist aufgab.

    In dem Moment aber tauchten die Stadtwachen von Kaysershaven auf und nahmen Kroch und sieben seiner Mordsgehilfen fest. Rasch wurde ihnen vom Inquisitor zu Madalsstadt das Gericht gemacht und der Tod sollte ihre Strafe sein. Doch anders als Hexen wurden sie auf dicke und spitze Holzpfähle gesetzt, die sich langsam und qualvoll in ihre Eingeweide bohrten. Nach Stunden der Agonien verstarben die Sünder schließlich, doch ihre Leiber blieben auf den Pfählen als Erinnerung für ihre Sünde.

  • Sieht doch alles ganz schön aus. Aber langfristig aufrechterhaltbar scheint mir die Situation nicht zu sein. Ich meine, wenn es den Bauern, Handwerkern, Händlern und Soldaten so dreckig geht, dann muss Adel und Klerus ja ziemlich bald die Grundlage wegbrechen ...


    Und ich glaube, du verwendest den Begriff "Blutschande" falsch. Laut Wikipedia meint der etwas anderes, als du hier implizierst.

  • Mit anderen Worten: finsteres Mittelalter ;)

    Danke. Das war auch meine Intention. Keine Kuschel-High-Fantasy, sondern Dreck und Übel überall.


    Sieht doch alles ganz schön aus.

    Dankeschön.

    Aber langfristig aufrechterhaltbar scheint mir die Situation nicht zu sein. Ich meine, wenn es den Bauern, Handwerkern, Händlern und Soldaten so dreckig geht, dann muss Adel und Klerus ja ziemlich bald die Grundlage wegbrechen ...

    Das mag sein. Auf der einen Seite ist das Ganze auch schon überzeichnet, um die Kluft zwischen den Mächtigen (und moralisch oft sehr fragwürdigen) und dem Pöbel größer und unüberwindlicher zu machen.

    Auf der anderen Seite: Wenn man sich mal die Zeiträume des Bauernkriegs oder 30-jährigen Kriegs anschaut, ging es dem niederen Volk auch nicht so super-gut. Aber das ist eine gute Fragestellung.


    Und ich glaube, du verwendest den Begriff "Blutschande" falsch. Laut Wikipedia meint der etwas anderes, als du hier implizierst.

    Upsipupsi. :-[ Mein Fehler.

    Aber ich traue den Leuten dort auch jene Blutschande zu.

  • Das tägliche Leben

    Das Leben im Rhonland ist, allgemein gesprochen, ein unglaublich hartes. Der letzte Krieg, Krankheiten, Hunger und der Hexenwahn hat viel Leid und Elend über das Volk gebracht. Und auch jetzt, nachdem die Nordmannen offiziell besiegt wurden, hat sie sich die Situation für das einfache Volk kaum verändert. Viele Städte liegen in Trümmern oder haben schwere Schäden erlitten, doch fehlt es am Geld oder Materialen, um diese wieder ordentlich zu beheben. Daher sind viele Häuser nur notdürftig mit Brettern oder Kram wieder halbwegs in Stand gesetzt worden, damit der kalte Wind nicht vollkommen ungeschützt durch sie hindurch pfeift. Die Felder sind weitesgehend zerstört oder geplündert worden. Oder sie sind nun voll vom Blute und faulenden Fleisch toter Krieger. Zudem breitet sich eine üble Verderbnis über die Rübenfelder der Beinauen aus und beschert den Pflanzen ein unheiliges Leben.


    Vergleicht man das Rhonland seinerseits mit unserer Vergangenheit, so würde es der Zeit zwischen dem Spätmittelalter und dem 30-jährigen Krieg entsprechen, was Baustil, Kleidung und Wissen entspricht. Die Stadthäuser sind meistes Fachwerkbauten, während auf den Land eher einfache Stein-, Holz- oder Lehmhäuser das Bild prägen - oder das, was von ihnen übrig ist. Die größeren Städte, wie beispielsweise Madalsstadt, Nöckstadt oder Nornwacht sind stark befestigt und von daher in einem wesentlich besseren Zustand als die Dörfer und kleineren Gehöfte, welche vom Krieg verschlungen wurden.


    Das Leben der Rhonländer besteht daher die meiste Zeit aus harter Arbeit, dem Wiederaufbau der Städte und der Felder und dem Kampf ums Überleben. Alt werden daher die wenigsten Rhonländer. Wer die Vierzig überschritten hat, gilt als alt und mit Fünfzig ist man schon ein vom Leben gezeichneter Greis. Daher ist es Sitte, dass man sich früh vermählt, damit die Verluste des Krieges wieder ausgeglichen werden. Als Erwachsen gilt man daher, wenn man Kinder zeugen kann. Also ab einem Alter von circa 13 oder 14 Jahren. Kinder zeugen und das damit verbundene Rumschnackseln, darf man, laut kirchlichem Gesetz, erst nach der Hochzeit. Wer davor dabei erwischt wird, gilt als unsittlich und wird entsprechend bestraft. Ab der Heirat hingegen dürfen Kinder gezeugt werden und zwar gerne viele. Zwar überleben nicht alle die ersten Monate und auch die Mütter versterben häufig im Kindsbett, aber dies ist nun mal Gottes Wille. Trotzdem haben viele Familie eine große Schar von durchschnittlich vier bis sechs Kinderlein. Dies macht das Überleben zwar nicht unbedingt einfacher, doch besteht die Chance, dass wenigsten eines der Kinder erwachsen wird, um sich dann um seine alten Eltern zu kümmern.

    Traditionell übernimmt der älteste Sohn einer Familie das Haus und die Arbeit des Vaters. Mädchen hingegen früh zu Hausfrauen herangezogen und schließlich im heiratsfähigen Alter mit einem passenden Burschen vermählt.

    Die Vermählung bedarf natürlich den Segen Gottes, weswegen diese durch einen Pfarrer abgesegnet wird. Eine etwas krude Tradition, welche in manchen Gemeinden noch durchgeführt wird, ist die Anwesenheit des Pfaffen in der Hochzeitsnacht, damit dort auch alles mit göttlichem Segen zu geht.


    Auch andere Lebensereignisse, wie die Geburt oder der Tod werden durch Pfarrer entsprechend gesegnet. Neugeborene werden mit heiligem Wasser getauft. Stirbt ein Mensch hingegen auf eine eher friedliche Art und Weise, durch Krankheit und hohes Alter, so führt der Pfaffe die Sterbesakramente durch. Dabei wird unter anderem dem Toten ein langer Nagel in den Schädel und ein weiterer ins Herz gebohrt, was verhindern soll, dass es als Untoter sein Grab verlässt.

    Im Kreuzland ist es zudem die gute Pflicht eines jeden getauften und gläubigen Menschen mindestens dreimal am Tag zu beten und am heiligen Sonntag die Messe zu besuchen. Wer dies nicht tut, wird rasch zum Gespött seiner Mitbürger und kann schnell den Stempel eines Ungläubigen aufgedrückt bekommen.

    Auch ist es Pflicht regelmäßig Buße zu tun und an den heiligen Tagen wie den Sonnenwenden, dem Martyrium der Zwölfen, dem Benediktustag und dem Erntedank den Gottesdienst zu besuchen.

    Religion spielt für die Rhonländer eine große Rolle. Der Glaube, wie aber auch der Aberglaube sind ein zentrales Element in ihrem Leben. Überall entdeckt am sogenannte Kreuzhügel; oft kleine Anhöhen, die über und über mit Kreuzen bestückt sind. An den Rändern der matschigen Straßen stehen immer wieder kleine Schreine, Kapellen, Kruzifixe oder andere Mahnmale des Kreuzglaubes. Dazu gehören unter anderem auch Pfählen, auf denen die Schädel von Straftätern aufgespießt und die mit Gebetstafeln versehen wurden, um die Reisenden immer an die Qualen des Höllenfeuers und die göttliche Strafe zu erinnern. Auch beherbergen viele Kirchen und Kapellen eigene Grüfte und Beinhäuser, in denen die Knochen Gläubiger aufgebahrt wurden. Ein Teil eines Gotteshaues zu werden, ist für viele Rhonländer eine große Ehre.

    Der Glauben vieler Rhonländer ist fast schon fanatisch, doch auch der Aberglaube spielt bei ihnen eine große Rolle. Beide gehen wie Tod und Teufel Hand in Hand und das eine kann ohne das andere nicht existieren. So gelten Ziegen als Abbilder des Teufels als Unrein und Wälder sind die Heimat der Bestien, weswegen man sie meiden sollte, wenn man nicht zur Jagd oder zum Holzmachen hineinwagt. Strenggläubige zieren sich mit Amuletten, Kreuzanhängern oder Gebetsketten. Manche gehen soweit, dass sie sich sogar Gebete oder heilige Symbole in die Haut ritzen oder tätowieren lassen. Oder sie stecken sich Segensprüche mit Nadeln am Körper fest oder kleben diese mit Wachs an. Selbstkasteiung ist unter den Strenggläubigen nicht selten, ebenso wie auch Selbstverstümmelung als Bestrafung für oft niedere Vergehen. Oft verbreitet auch jemand das Gerücht über eine Handlung, welche ihm Segen gebracht hat und schon eifern die Menschen der Person nach. So gilt das Bekreuzigen beim Klang der Totenglocke allgemein als Glücksbringer, damit der Schnitter einen verschonen möge. Auch sollen Tauben gefüttert und umsorgt werden, denn diese wären die Boten und Augen Gottes.

    Gleiches gilt aber auch für Handlungen, welche verboten wurden, um Unheil und Pech abzuwehren. In manchen Ortschaften wird man beispielsweise die Zahl 13 nirgendwo finden, da diese als Unglückszahl gilt. Auch ist das Betreten der Gottesäcker mit Einbruch der Mitternacht verboten, um nicht die Toten zu wecken. Auch soll in der Zeit des Jahreswechsel kein Tier geschlachtet werden, damit die Teufel nicht das Fleisch und Blut riechen, was sie wiederum ins Haus lockt.


    Die Gottesdienste in den Kirchen und Kapellen des Landes sind auch häufig gut besucht, denn schließlich ist dies eine Abwechslung in einer deprimierenden Existenz, die sonst fast nur aus Leid und Arbeit besteht. Weitere Abwechslungen sind Markttage, an denen fahrende Händler, die von Stadt zu Stadt reisen, ihre Waren anbieten oder die Hinrichtungen vor den Toren der Stadt. Letztere sind ein wahrer Publikumsmagnet und gleichen einem Volksfest. Dabei gilt auch immer, je länger und grausamer eine Hinrichtung dauert, desto mehr Zuschauer hat sie auch.

    Eher kleine Ablenkungen von dem trostlosen Alltag bieten Vereine, wie Musikkapellen. Dort treffen sich zu meist die älteren Familienmitglieder zum gemeinsamen Musizieren mit Hörnern, Trompeten und Flöten, damit bei Kirchenfesten, besonders beim dem Erntedank oder dem Benediktustag, fromme Lieder erschallen können.

    Oder man trifft sich in einer Wirtschaft zu einem Krug Bier und einer Runde Ziegenhaupt, einem traditionellen Kartenspiel.


    Wichtige Kreuzkirchliche Feiertag:


    Das Martyrium der Zwölf

    An diesem Feiertag gedenken die Bürger des Kreuzlandes dem Tod der zwölf heiligen Martyrer, welche von Gott einst ausgewählt wurden, sein Wort zu verbreiten. Doch alle Zwölf fanden den Tod durch Ungläubige, welche von ihnen nicht bekehrt werden wollten. Der Mord an dem letzten seiner Auserwählten, so heißt es in der Kreuzbibel, erzürnte Gott und er schickte seine Engel und Heerscharen aus, um diese Morde zu rächen. In nur einer Nacht fielen die zwölf Reiche der Ungläubigen und die Macht der Kreuzkirche erstrahlte in neuer Größe.

    An dem Gedenktag der Martyrer ist es Sitte, Buße zu tun. Viele Gläubige tun dies durch Rituale wie Selbstkasteiung, barfüßigen Pilgerreisen oder guten Taten. Es heißt, dass nur so der Tat der Zwölf ordentlich gedacht werden und eine weitere Nativitas Angelorum, eine Niederkunft der Engel, verhindert werden könnte. Letzteres soll einer Apokalypse gleich gewesen sein, in der alle Reiche der Ungläubigen mit Feuer und Schwert ausgelöscht wurden.


    Benediktustag

    An diesem hohen Feiertag ziehen die Bürger mit Fahnen, Standarten, Kreuzen und Reliquien durch die Straßen der Stadt und über die Felder, damit Gott alles segnen möge. An diesen Prozessionen ist wirklich jeder Bürger der Stadt beteiligt und gibt sein Bestes durch Gesang und Gebet. Angeführt wird dabei die Prozession von einigen Flagellanten, welche sich im Takt der Schritte bis auf Blut selbstauspeitschen. Es heißt, dass das Blut der Büßer, welches auf den Boden tropft, den Weg für die Gläubigen segnet und reinigt.


    Erntedank

    Am Tag zum Dank für eine erfolgreiche Ernte bringen die Bauern das, was die Erde ihnen geschenkt hat, auf Wägen in die Stadt, wo es von dem Pfarrer gesegnet wird. An diesem Tag wird auch der Zehnt der Kirche und des Staates eingebracht. Das bedeutet, dass zwei Zehntel aller Erzeugnisse abgegeben werden müssen. Wer dagegen verstößt oder nicht fähig ist, dies zu tun, muss mit harten Strafen rechnen.

    Traditionell wird auch an diesem Tag der Ernteochs geschlachtet und mit seinem Blut die Felder gesegnet, damit sie im nächsten Jahr wieder einen vollen Ertrag bringen.

  • Ich habe mein RHON-Regelwerk nach den Erkenntnissen vom FJT nochmal überarbeitet. Anbei könnt ihr es nun mal komplett inklusive allem, was bis jetzt zu Welt bzw. dem Setting zur Verfügung steht, herunterladen: RHON V1.1

  • Doppelpost, ich weiß, aber der letzte ist schon zu lange her.


    Hier ist nun RHON V2, das lose auf dem Regelwerk von "Into the Odd" basiert, wobei es doch ein paar Änderungen gibt. Wenn ich es irgendwie zeitlich schaffe, will ich bis zum WBT ein neues Abenteuer basteln, was man dort dann verköstigen könnte. Mal schauen, mal schauen...

  • Nette Idee, die eigene Heimat zu verwursten, aber mal eine Frage: Bedienst du hier das Narrativ des "finsteren Mittelalters" aus Unwissenheit oder ganz bewusst, weil du dieses falsche Mittelalterbild toll findest und an seiner Verbreitung und Aufrechterhaltung gerne teilhaben willst?


    Und mir ist schon klar, dass es "Fantasy" ist. Trotzdem willst du es ja "mittelalterlich" haben mit, ähem,

    Ein bisserl Teufelswahn und Hexenverfolgung

    "If you are the dealer, I'm out of the game.
    If you are the healer it means I'm broken and lame.
    If thine is the glory then mine must be the shame.
    You want it darker - We kill the flame."

  • So wie mir es scheint bedient er sich vor allem seiner eigenen Verachtung des Christentums gegenüber. Aber das kann ja durchaus zusammenhängen.

    Ja, das ist derzeit auch en vogue. %-)

    "If you are the dealer, I'm out of the game.
    If you are the healer it means I'm broken and lame.
    If thine is the glory then mine must be the shame.
    You want it darker - We kill the flame."

  • Eure Kommentare sind ganz schön arm. Aber das ist heutzutage ja en vogue.

    Kannst du das genauer ausführen? Nachfragen, warum etwas so oder so gebastelt wird, sind arm?

    "If you are the dealer, I'm out of the game.
    If you are the healer it means I'm broken and lame.
    If thine is the glory then mine must be the shame.
    You want it darker - We kill the flame."

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