Spannungsbögen, Dramaturgie etc.

Liebe Bastler, die Weltenbastler-Olympiade hat begonnen, das WBO-Tool ist vorbereitet. Bitte meldet euch schnell an. Viel Spaß dabei!
  • Hierüber kann man bestimmt ganze Regalreihen füllen, aber das ist nunmal ein Thema, über das ich so gut wie nichts weiß, und das ist nicht gerade die beste Voraussetzung, um etwas zu schreiben, das sich mal "Roman" schimpfen soll. %-)


    Mask, Talh - ihr habt doch in diversen Threads anklingen lassen, dass ihr euch schon intensiver damit beschäftigt habt. Natürlich ist die Frage aber an die Allgemeinheit gerichtet. ;) Ist es überhaupt möglich, einen groben Überblick über dieses Gebiet zu geben? Oder wie kann ich mich anderweitig schlau machen? Ich habe z.B. die Bücher von James N. Frey, aber er erzählt immer nur was über Prämissen...


    Oder wie macht ihr das in euren Geschichten? Arbeitet ihr mit irgendwelchen Vorgaben oder Schemata so à la "Im ersten Drittel der Geschichte muss es einen Wendepunkt geben, im letzten Drittel wieder" oder sonstigen Patentrezepten?


    Oder gehe ich einfach zu technisch an das Ganze ran und sollte einfach mal loslegen? Ich grüble vor allem deswegen über dieses Thema nach, weil ich nicht will, dass der Geschichte auf halbem Weg die Luft ausgeht oder der Leser sich tierisch langweilt.

  • Ich hab einfach viel Erfahrung - beim Lesen. Ich weiß, was ich gute Spannungsboge finde, und was langweilt, und auch, wie man die Szenen abwechslen kann, wobei dieses pro Genre unterschiedlich sein kann. Wenn ich es nicht weiß, lese ich mal einige Bücher im Genre um daraus zu analysieren wie es gemacht wird.


    Ich arbeite meistens mit mehrere Faden, oder ebenen. Soll die ganze Geschichte zum Thema haben "X findet Y", langweilt das nacht 5 Seiten. Es soll auch eine Spannung pro Kapittel, pro Seite, pro Satz geben. Nicht direct der ultime :zitter: Spannung, sondern eher der :hmm: Spannung, der neugierig macht. Hört der einer Faden auf, sind da noch welche die weiterziehen. Es ist eher ein Gewebe.

  • Ich weiß nicht, ich mach mir da nie so viel Gedanken. Wenn mir die Geschichte gefällt, dann ist sie gut. ;)
    Allerdings hab ich bei einer meiner Geschichten, nachdem ich die Handlung festgelegt habe, gemerkt, daß ich exakt den Spannungsbogen des klassischen Dramas habe. Ich mach das wie mit den Stilfiguren, wenn es gerade passt und mir auffällt, kommt es rein, sonst wurstel ich einfach so rum. Wobei ich mich bei Stilfiguren deutlich besser auskenn, als bei Spannungsbögen. ;)

  • Ich würde sagen, vergiß die Theorie. Wenn du ungefähr weißt, wie deine Geschichte enden soll, kannst du einfach drauflosschreiben und dir zwischendurch überlegen, welche Hindernisse du deinen Helden in den Weg schmeißen willst. Dann klappt das schon. :)


    Rabenzeit 1 gibt's bei Amazon für den Kindle und als gedrucktes Buch im Buchhandel. Als epub bei mir.
    Und Glitzi 9 ist fertich.

  • In meiner Geschichte überlege weniger ich, was ich die Charaktere tun lasse. Die tun einfach, und da kann ich kopfstehen.
    Ähm ja.
    Spannend wird die Sache jedenfalls dadurch, dass ich mich nicht nur mit den "Helden", sondern auch mit den "Schurken" identifizieren kann. Folglich halten die sich erstmal die Waage. Und auch ist immer eine gewisse latente Gefahr da, dass die Verkleidung der Heldin durchschaut wird ....
    Latente Gefahr ist immer gut, habe ich bemerkt.
    Veria

    Man kann gar nicht so rundum stromlinienförmig sein, dass es nicht irgendeine Pappnase gibt, die irgendetwas auszusetzen hat.
    - Armin Maiwald

  • Quote

    Ich würde sagen, vergiß die Theorie.


    Das mag bei manchen klappen - sonst wärest du, Teria, ja jetzt nicht stolze Autorin von DEM Buch ;) - aber ich finde Vorlagen wie Spannungsbögen sehr hilfreich. Nicht zuletzt weil etwa 99% aller Geschichten, die ich gerne lese - und das sind mE ausschließlich gute Geschichten, sonst würde ich sie nicht gut finden - solchen Schematen folgen (aber das alleine macht ja bekanntlich noch keine gute Geschichte!) Jedenfalls hatte ich mal eine Tonitrus-Geschichte geschrieben (na ja... sagen wir: angefangen...) bei der ich mir überhaupt keine Gedanken über genauere Handlungsplanung, Einbau von Spannungselementen etc. machte. Ich schrieb, was mir gerade einfiel, mit dem Resultat, dass ich jetzt einen großen Klumpen "Lehm" habe, der zu einem schönen Töpferstück hätte werden können, aber nie über den Status Klumpen hinauskam. Und an der ich leider auch das Interesse verloren habe, weil sie in etwa so übersichtlich ist wie ein jahrelang vernachlässigter Garten voller Unkraut.


    Seitdem plane ich Geschichten genauer, SOFERN ich es ernst mit ihnen meine (ich schreibe nebenher auch jede Menge Müll, einfach zum Spaß oder um in Übung zu bleiben.)


    Was ich genau plane?


    Nach Möglichkeit:


    + Die HANDLUNG im Drei- oder Fünfaktschema:
    -> dazu gehört die Verfolgung eines SPANNUNGSBOGENS,
    -> die Einführung in die THEMATIK/PROBLEMATIK,
    -> die Einführung der WICHTIGSTEN PERSONEN,


    + je nachdem wie weit ich schon geplant habe, die "MESSAGE" der Geschichte,
    -> z.B. welche MORAL die Geschicht' haben soll (Vermittlung einer politischen/ethischen/philosophischen/[...] Botschaft - mit dem Zeigefinger wedel ich gerne rum),
    -> welche SYMBOLIK/ANSPIELUNGEN verwendet werden sollen (das scheinen auch viele Schreiberlinge gerne zu machen, ein Zitat von Ovid oder eine Hommage an Kafka, antike Mythen, Shakespeare usw. einbauen),
    -> welche ATHMOSPHÄRE entstehen soll (z.B. Stadt, düster -> böse Außenwelt)


    + dann die AUSARBEITUNG,
    -> d.h. WAHL DER "LOCATION" (wo spielt die Geschichte?),
    -> Ausarbeitung der wichtigsten CHARAKTERE: ihr Aussehen, ihre Wünsche, Vergangenheit, Ziele, Fähigkeiten, ihr Nemesis;
    -> PERSONENKONSTELLATION,
    -> und was sonst noch so an Arbeit anfällt, je nachdem.


    Dann kommt eventuell noch die RECHERCHE, z.B. über ein wenig Chemie wenn ich einen Giftmord habe, und dann, ja, dann ist ~10% der Arbeit sxchon getan, dann kommen die restlichen 90%, das SCHREIBEN.


    Wie weit man seine Geschichten plant, bleibt jedem selbst überlassen. Oft bekommt man auch erst beim Schreiben neue Impulse oder Ideen, und man will am besten die ganze Geschichte neu aufrollen; wenn sowas passiert, dann lieber 1000 unterschiedliche Geschichten nebeneinander schreiben statt eine wo es nur Kraut und Rüben gibt. Aber es ist keine Sünde wenn sich erst beim Schreiben eine GEschichte so richtig entfaltet. Michael Ende hat angeblich all seine Bücher einfach planlos runtergeschrieben. Wenn man damit Erfolg hat, warum auch nicht? Ich jedenfalls kann nicht ganz ohne Plan. Einige Punkte in der obigen Liste können auch vertauscht werden, z.B. bedingt die "Location" oder Personenkonstellation bisweilen erst die Problematik. Und man kann einige getrost weglassen, wenn man will. Ich werde meine 7500 Zeichen Zoomquilt-Text garantiert nicht lange planen, sondern einfach drauflosschreiben, aber für längere Texte finde ich eine Planung nach obigem Schema sehr hilfreich.


    Hrm... wieder viel zu viel geschrieben... beantwortet das deine Frage, oder hab ich mal wieder die Fragestellung verfehlt? :hmm:


    Also, was besser ist - viel Planung, wenig Planung, gar keine Planung - muss jeder für sich selbst entscheiden. Einfach ausprobieren! Wenn's nichts wird, dann tröste dich: Mit jedem geschriebenem Wort wirst du besser!



    PS: Ach ja, unter http://warp-online.de/xkw_ss.htm findest du ein paar Artikel zum Thema schreiben. Ganz kostenlos und ohne an grauen regnerischen und kalten Februartagen in die Bücherei gehen zu müssen ;)

  • @ Teria: Ich wünschte, ich könnte einfach drauflosschreiben und so auch zum Ende kommen, aber ich habe die Erfahrung gemacht, dass es bei mir so einfach nicht geht. Ich habe in den letzten Jahren schon oft versucht, längere Texte zu schreiben, habe aber keinen fertiggestellt, weil ich mir einfach nicht über die gesamte Handlung im Klaren war und deshalb in der Luft hing. Ich möchte nun endlich etwas fertigstellen und habe mich deshalb entschlossen, dieses Mal vorauszuplanen, damit ich nicht irgendwann wieder die Lust verliere.


    @ Talh: Ich freue mich immer sehr über deine ausführlichen und hilfreichen Beiträge :D - deine Übersicht ist sehr praktisch, dann weiß ich, was ich alles im Kopf behalten muss. Danke auch für den Link, den kannte ich noch nicht - ich habe mich bislang eigentlich nur auf den Seiten des Autorenforums herumgetrieben und die Bücher von James N. Frey gelesen.


    Gestern bin ich leider zu nichts mehr gekommen, weil ich Kopfschmerzen hatte und deshalb um 23:30 ins Bett gegangen bin, aber heute will ich richtig produktiv sein. :nick: Ich bin gerade dabei, einfach mal eine Übersicht der Szenenfolge zu erstellen, wie sie mir gerade im Kopf vorschwebt. Allerdings musste ich dabei mit Schrecken feststellen, dass es ganz schön lange dauert, bis mein Protagonist endlich an den Ort kommt, an dem es richtig zur Sache geht. Die Geschichte hat zwar keine Reise / Suche zum Thema, aber er ist am Anfang einfach an Ort A, dort geschieht was, was sehr viel später wieder wichtig werden wird, dann muss er an Ort B und C (Durchgangsstationen) und dann kommt er erst an Ort D, wo die richtig großen Probleme beginnen. Allerdings sind die Stationen A - C für später erforderlich, weil er dort bestimmte Personen trifft oder Informationen erhält. So wie es momentan aussieht, werde ich bestimmt 80 - 100 Seiten (A 4) Vorgeplänkel haben, und das Ganze in Rückblenden darzustellen, ist zu viel und verwirrt den Leser. Außerdem soll man ja keine Rückblenden benutzen, wenn es auch anders geht. Ich befürchte nun, dass die Ereignisse im Vorfeld den Leser nur schwer bei der Stange halten. Was tun? Ich kann ja nicht die ganze Zeit Andeutungen auf spätere Ereignisse machen oder meinen Protagonisten ständig über das nachgrübeln lassen, was ihn wohl erwartet, wenn er in B - D ist (dass er nach B und C will, ist ihm schon im Voraus klar bzw. sein Wunsch danach wird immer stärker). Und rabiates Kürzen ist ja auch nichts. Irgendwie scheint die Geschichte, wenn ich all das einbaue, was mir vorschwebt, ohnehin den vorgesehenen Rahmen zu sprengen... :-/


    Mich interessiert deshalb vor allem, wie ich bereits am Anfang Spannung aufbauen und diese bis zum Schluss halten kann, auch am Anfang noch nichts auf den Schauplatz des Höhepunkts hindeutet. Welche Möglichkeiten gibt es da? Ich will mich nicht immer nur auf Tricks wie den Szenenwechsel an der spannendsten/überraschendsten Stelle verlassen (letzteres kam beispielsweise ständig im "Jesus-Video" von Andreas Eschbach vor, und es hat mich wahnsinnig gemacht vor Neugier, aber ständig will ich das ja auch nicht machen, zumal ich nicht ständig parallele Handlungsfäden habe, zu denen ich wechseln kann).

  • Wir haben hier irgendwo übrigens auch eine Linkliste zum Thema Schreiben. Und wenn du magst, bringe ich zum Apriltreffen wieder eine Kiste voller Schreibbücher mit, in die du dann mal reingucken oder die du dir auch ausleihen könntest.


    Wobei mir völlig OT einfällt:


    Habe ich IRGENDWEM von euch das Buch "Stilblüten und Blackouts verhinderter Bestsellerautoren" geliehen?? Ich bin völlig frustriert - ich weiß nicht, wer es hat, und kriege es nicht wieder!!!


    Rabenzeit 1 gibt's bei Amazon für den Kindle und als gedrucktes Buch im Buchhandel. Als epub bei mir.
    Und Glitzi 9 ist fertich.

  • Ich plane ja meine Geschichten immer komplett im Kopf vor, bevor ich auch nur ein Wort schreibe. Dank sei meinem guten Gedächtnis für sowas.
    Mein aktuelles Projekt war etwa 1,5 Jahre "in Planung" bis mir die Geschichte soweit gefallen hat, daß ich angefangen habe zu schreiben.
    Ich will mal versuchen, wie es bei der Planung so in meinem Kopf zugeht:
    zuerst habe ich eine Idee für einzelne Szenen. Irgendwann ergibt sich dann aus diesen Szenen der Haupthandlungsstrang. Dann suche ich nach Erklärungen für die "losen Enden". Oft fällt mir an dieser Stelle auf, daß ich da noch irgendwelche anderen Ideen, die schon länger im "Fundus" liegen, eingebaut werden könnten. Das hat dann irgendwann die Folge, daß ich nebne dem Hauptstrang, noch mehrere Nebenstränge habe.
    Jetzt kommt so langsam die Phase, wo ich mich frage, was mir eigentlich das wichtigste an dem ganzen Zeugs ist. Was ist am Ende der Geschichte anders als am Anfang? Kann man das noch irgendwie herausarbeiten?
    Damit stehen die Handlungsbögen fest, auf die ich mich konzentrieren will. Jetzt muß ich den Rhythmus festlegen. Wann will ich meine Helden von einer Szene zur nächsten jagen, wo brauche ich Zeit, um einen Eindruck zu festigen. In der Phase verlasse ich mich voll auf mein Gefühl und halte mir stehts vor Augen, wie lang Kapitel eigentlich in gedruckten Büchern sind.


    Tja, und dann kommt es immer noch vor, daß ich weiße Stellen habe. Das klassische Beispiel: "Und dann wanderten die Helden drei Monate durchs Land" ;)
    Da muß man dann halt kreativ werden, Zwischenereignisse erfinden, etc. Man kann auch Dinge, die nicht zum Hauptstrang gehören, spannend beschreiben. Solche "ruhigeren" Momente sind oft wichtig, um die Szenerie fest im Kopf des Lesers zu verankern. Wenn man da saubere Arbeit geleistet hat, dann muß man später, wenn die "Action" kommt, nicht so viel Zeit auf Beschreibungen verwenden.

  • Wenn man gleich ein spannendes Element einbaut, landet man meiner Erfahrung nach in einem "Rüstungswettlauf". Unbewusst erwartet der Leser ja, dass es zum Ende hin immer spannender wird, und je mehr Spannung von Anfang an da ist, desto schwieriger ist es, sich immer wieder selbst zu übertrumpfen.
    Natürlich solltest du schon auf den ersten paar Seiten fesseln - aber nicht gleich alle Ideen auf einmal verpulvern, auch wenn die Versuchung noch so groß ist ;)
    Spiel doch einfach mit deinem Protagonisten Schnitzeljagd. Er findet irgendetwas heraus, das mysteriös und sonderbar ist und dem er nachgehen möchte - nur einen kleinen Schnipsel, vielleicht ein zweideutiger Satz in einem Tagebuch, der auf einen Mord schließen lässt. In dem Fall kannst du die Spannung dauerhaft halten, wenn du den Protagonisten immer wieder kleine Schnipsel Informationen finden lässt, die er zu einem größeren Bild wie ein Puzzle zusammenfügt. Und natürlich gibt es auch Sackgassen und rote Heringe - und jede Antwort auf eine Frage wirft neue Fragen auf.


    Oder vielleicht reicht es schon, den Konflikt anzudeuten: zum Beispiel läuft der Protagonist seinem Erzfeind über den Weg, und im Laufe der Geschichte eskaliert der Konflikt.


    Du kannst natürlich auch erst 80 Seiten lang Einführung machen, aber wenn du darin die Problematik/Thematik der Geschichte nicht vorstellst oder wenigstens darauf anspielst, wird es sich um eine sehr langweilige Einleitung halten. Es sei denn, du kannst sie interessant/witzig gestalten. Wenn ja: Respekt ;) Vielleicht schaffst du das sogar, ohne den Leser denken zu lassen: "Oh, ich habe 80 Seiten lang gedacht dass das Thema XYZ ist, und dann kommt etwas völlig anderes!" (ist meistens enttäuschend.)


    Wenn nein: Versuch doch, ein wenig mit der Psyche des Protagonisten zu spielen. Das Böse ist ja nicht immer nur im Antagonisten verkörpert, sondern der Protagonist kann sich auch selbst ganz schön über die eigenen Füße stolpern; eine Geschichte hat oberflächlich nur eine Sache zum Inhalt, z.B. eine Reise, aber viele gute Geschichten sind in erster Linie Geschichten über die Veränderung des Protagonisten, z.B. das Heranwachsen, oder wie er sich von einem Engel zu einem echten Scheusal entwickelt (Der innere "Weg des Helden"!).


    Mach Anspielungen auf seine Psyche, stell seine Schwächen (BESONDERS die Schwächen) und Fähigkeiten vor (Letztere würde ich zumindest aber hauptsächlich im Verlauf der Geschichte beschreiben, um deutlich zu machen, dass der Held eine positive Veränderung durchläuft. Wenn die Veränderung negativ ist, dann natürlich anders herum!).


    Damit schlägst du zwei Fliegen mit einer Klappe: Erstens die Vorstellung des Protagonisten und zweitens die Anbahnung des (inneren) Konfliktes. Ich halte es immer wieder für gut, erst den Alltag des Protagonisten zu beschreiben und dann das Element einzubauen, das ihn aus seinem Alltagstrott herausschleudert und ihn dazu veranlasst, die Strapazen auf sich zu nehmen, die im Lauf der Geschichte folgen werden: á la "Harry P. lebte in einer furchtbar schrecklichen Familie, bis auf einmal ein großer Mann zu ihm kam und ihn aus seinem muggelschen Alltagstrott der Gefangenheit und des Mobbings befreite und ihm Zugang zu einer magischen Welt verschaffte, die voller Freiheit und Mysterien war, die es zu entdecken galt..."

  • Quote

    Original von Ehana
    Mich interessiert deshalb vor allem, wie ich bereits am Anfang Spannung aufbauen und diese bis zum Schluss halten kann, auch am Anfang noch nichts auf den Schauplatz des Höhepunkts hindeutet.


    Die Gesichte soll schon von Anfang an ein Konflikt in sich haben. Das kann ein kleines sein, oder en großeres, aber trotzdem ein Konflikt. "Schweinehütterin traumt davon Prinzessin zu sein" ist einer, "Jungen kennt sein Vater nicht" auch einer, so wie "Fremde trift ein in Gemütliches Dorf(TM)", oder eben "Winter war früh dieses Jahr". Schon sowas kleines im ersten Abschnitt kann jemand in die Geschichte ziehen, es laßt fragen offen: "wer, wie, was, warum, wieso?"


    Nochmals: lese vieles und lerne draus. Oberes funktioniert für mich, ich weiß das ich nur Geschichten mag die irgendwie mit so ein Konflikt anfangen und tun die es nicht, sehe ich keinen Grund weiter zu lesen. Anderen machen das anders. Eine Geschichte wahlt die Leser, und nicht anders herum.

  • Was auch gut istr, ist wenn man sich am Anfang mit der Person identifizieren kann, wenn sie einem sympathisch ist. Und es muß nicht unbedingt ein Konflikt sein, aber irgendeine offene Frage. Halt etwas, was neugierig macht.

  • Quote

    Original von Shay
    Was auch gut istr, ist wenn man sich am Anfang mit der Person identifizieren kann, wenn sie einem sympathisch ist.


    Das ist aber sehr schwierig, da man nicht weiß, was für personen der leser sympatisch findet. Und es wäre schade das jemand im 1. Absatz sagt "so ein AR****OCH, davon möchte ich nicht lesen" *buch wegwerf*

  • Das Problem hast du immer. Du wirst nie wissen, ob dem Leser das gleiche gefällt wie dir. Aber wenn du von einer Person begeistert bist, stehen die chancen schonmal gut, daß es anderen auch so geht. Und allen wird man es nie recht machen.

  • Ehana, Schätzchen, ich weiß doch schon längst, um was es geht. ;D

  • Ich kann mich gar nicht ausführlich zu dem Thema äußern, aber ich empfehle jedem die Lektüre von Joseph Campbells "Der Heros in Tausend Gestalten" (The Hero With A Thousand Faces). Darin wird die Theorie aufgestellt, dass im Grunde alle Geschichten (bzw. alle Mythen) der Welt nach dem gleichen (erfolgreichen) Schema ablaufen - und es stimmt. Wenn man sich daran ein bisschen hält, macht das die Geschichte auf jeden Fall oft lesenswerter. Weiterentwickelt hat das ganze Christopher Vogler in "Die Odyssee des Drehbuchschreibers" (The Writer's Odyssey) - da bezieht er sich zwar hauptsächlich auf Filme, aber die Prinzipien gelten für alle. Und Aristoteles hatte mit seiner Dramentheorie auch nicht ganz unrecht, denke ich.


    Wichtig ist nur, dass man sich nicht drin verbeisst, sondern es nur als Richtlinie nimmt - sonst wird es leider "Schema F" und damit wieder langweilig. Außerdem gelten diese Richtlinien auch nicht für alles, echte "short stories" z.B. können ganz anderen Ideen folgen.

  • Nachdem ich jetzt nicht mehr sicher bin, ob überhaupt noch gefragt ist, Theorie über Spannungsbögen hier weiter zu beschreiben, stell ich die Frage mal in den Raum. Wenn ja, dann such ich mal meine Mitschrift von Dr. Dvorak, der da damals einiges gebracht hat.

  • Quote

    Original von mask
    Nachdem ich jetzt nicht mehr sicher bin, ob überhaupt noch gefragt ist, Theorie über Spannungsbögen hier weiter zu beschreiben, stell ich die Frage mal in den Raum.


    Aber immer doch, ich bin über jegliche Informationen zum Thema dankbar. :D

  • Eine meiner Meinung nach sehr schöne Art Spannung zu erzeugen ist das beschreiben kurzer Szenen, welche einen winzigen Teil der Pläne des Antagonisten Enthüllen.
    Und zwar gerade soviel das man wissen will was passiert, ohne jedoch wirklich zu verstehen wie genau der plan aussieht.


    Tad Williams betreibt das mit einigem Erfolg in Otherland und Der Blumenkrieg.
    (und jetzt erratet mal einen meiner Lieblingsauthoren ;P)

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